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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schichtende für Rolf Spilker
Zwischenüberschrift:
Der Museumsdirektor hat den Piesberg zum Erlebnisort für ganz Osnabrück gemacht
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Seine Mutter hat ihn immer gewarnt, dass er später am Piesberg Steine kloppen müsse, wenn er jetzt nicht ordentlich für die Schule lerne. Zum Piesberg ist er dann tatsächlich gekommen und davon hat ganz Osnabrück profitiert. Für Rolf Spilker, den Leiter des Museums Industriekultur, endete gestern die Dienstzeit. Von Ruhestand ist aber nicht die Rede.

Schon vor Jahrzehnten gab es in Osnabrück wohlmeinende ältere Herren, die der Ansicht waren, dass die Stadt ein Industriemuseum brauche und dass einige ausrangierte Maschinen vor der Verschrottung bewahrt werden müssten. Aber Konzepte und Räume gab es nicht. Schwung bekam die Idee dann Ende der 1980er-Jahre, als ein junger Mann namens Rolf Spilker mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beim Kulturgeschichtlichen Museum angestellt wurde.

Der gelernte Installateur und studierte Historiker zog selber den Blaumann an, wenn tonnenschwere Apparate zu bergen waren. Was ihn antrieb, war die Vision von einem eigenständigen Museum, das sich nicht als Maschinenschau versteht, sondern aufzeigt, wie die Industrialisierung den Alltag der Menschen in der Region verändert hat.

Mit dem Haseschachtgebäude am Fürstenauer Weg, vormals einer Ruine, die von der Städtischen Denkmalpflege zu neuem Leben erweckt wurde, bekam er für dieses Museum das passende Domizil. Am 30. September 1994 wurde Eröffnung gefeiert.

Spilker hatte schon früh im Blick, dass sich der Piesberg mit der ehemaligen Kohlezeche und dem riesigen Steinbruch damals noch eine No-go-Area als Erlebnisraum für Kultur und Landschaft anbietet. Auf Osnabrücks höchstem Berg entstanden Wanderwege und Aussichtsplattformen, das Piesberger Gesellschaftshaus wurde zum Sitz eines rührigen Kulturvereins, am ehemaligen Pumpenhaus ist der Bahnhof für die Feldbahn hergerichtet, und die Osnabrücker Dampflokfreunde restaurieren ihre Schätze in der alten Brecheranlage.

Viel Schweiß vergossen

Inzwischen hat sich auch das Museum fortlaufend weiterentwickelt. Spilker sorgte dafür, dass die alte Kaue aus der Zeit des Kohlebergbaus für Wechselausstellungen ausgebaut wurde und dass nebenan, im früheren Pferdestall, Schulveranstaltungen stattfinden können. Ein Highlight, für das viel Schweiß vergossen wurde, ist der wieder freigelegte Hasestollen, der den Standort am Süberweg mit dem Haseschacht auf einer Länge von 260 Metern unterirdisch verbindet.

In den 25 Jahren seines Bestehens hat sich das Museum Industriekultur einen Namen auch über die Region hinaus gemacht. Gut besucht waren etwa die Ausstellungen mit den historischen Stadtansichten von Rudolf Lichtenberg oder über die Kulturgeschichte des Kaffees.

Als die Stadt Osnabrück 1998 den 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens feierte, inszenierte Spilker eine Ausstellung über die industrialisierte Kriegsführung Anfang des 20. Jahrhunderts. Der dazu herausgebrachte Katalog Der Tod als Maschinist″ gilt heute als ein Standardwerk zum Ersten Weltkrieg.

Das Museum Industriekultur, das als gemeinnützige GmbH unter dem Dach der Sparkasse verankert wurde, leidet zwar wie alle Kultureinrichtungen derzeit unter der Corona-Krise. Aber wir sind krisenerprobt″, vermerkt der scheidende Direktor. Von Anfang an habe er oft zu hören bekommen: Das darf nicht viel kosten, lass dir mal was einfallen.″ Mit seinem kleinen Team habe er deshalb oft improvisieren und viel selber machen müssen, dafür aber auch viele Freiheiten gehabt.

Die Leitung des Hauses übernimmt jetzt Vera Hierholzer, mit der Rolf Spilker bereits seit einigen Monaten eine Doppelspitze gebildet hat. Auch im Ruhestand fühlt sich der 68-Jährige dem Museum verbunden. Im Depot stehen noch etliche Maschinen von Karmann, Weymann und anderen legendären Osnabrücker Industriebetrieben, deren Geschichte nicht in Vergessenheit geraten soll. Zum Beispiel eine Telefonkabelverseilmaschine von Kabelmetal oder ein Trockenhang von Schoeller, auf dem einst das Barytpapier getrocknet wurde.

Diese alten Schätze will er demnächst noch inventarisieren. Außerdem hat Rolf Spilker noch eine ganze Reihe historischer Abhandlungen in Arbeit, die in nächster Zeit nach und nach erscheinen sollen. Er ist nicht der Typ, der sich nach dem Ruhestand gesehnt hat.

Bildtext:
Die Maschinen bleiben, der Direktor verabschiedet sich: Rolf Spilker vom Museum Industriekultur ist gestern in den Ruhestand gegangen.
Fotos:
Jörn Martens, Jens Lintel, Michael Hehmann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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