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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Eine gepflegte Sauerei ist das Beste″
Zwischenüberschrift:
Ornithologe Peter Berthold verrät, was Vögel in den eigenen Garten lockt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Alle Freunde eines gepflegten, ordentlichen Gartens werden jetzt zusammenzucken. Denn der bekannte Vogelkundler Peter Berthold weiß, wo Vögel sich besonders wohlfühlen: Je wilder der Garten ist, desto bunter das Vogelleben. Eine gepflegte Sauerei ist das Beste″, verkündete er und meinte damit: Vögel sind in naturnahen Gärten besonders gerne.

Wer auf seinen englischen Rasen stolz ist, wird von Berthold kein Fleißkärtchen erhalten: Psychopathen-Rasen oder Krautschutz″ kann er nichts abgewinnen, im Gegenteil: Der Vogelkundler setzt auf die richtige Mischung, sprich ein Nebeneinander aller Vegetationsschichten, also von Bäumen, Sträuchern, Stauden und Kräutern″, wie er mit seiner Co-Autorin Gabriele Mohr im Buch Vögel füttern aber richtig″ beschreibt. Ebenfalls wichtig: Im vogelfreundlichen Garten bleiben Stauden und samentragende Kräuter, soweit sie nicht den Weg versperren, bis ins Frühjahr stehen.″

Und wer pünktlich zum Frühjahrsbeginn sein Vogelhaus einmotten wollte, dem rät der Ornithologe, dies nicht zu tun. Für ihn ist die ganzjährige Fütterung selbstverständlich, da sie seiner Meinung nach einen wichtigen Beitrag zum Vogelschutz leistet. Und der beste Platz für eine Futterstelle ist in der Nähe von Sträuchern und Rankhilfen. Dort haben die Vögel Platz, sich in Ruhe reinzusetzen″, so Berthold, der sich für große und geräumige Vogelhäuser″ ausspricht. Eine Katastrophe sind diese kleinen, verschnörkelten Vogelhäuser, die großen, alten sind noch immer die besten″, so der Vogelkundler, der auch erklärt warum: Darin haben die Vögel den Überblick über das Gelände.″ In seinem Buch erklärt Berthold, warum das Füttern im Frühjahr und Sommer sogar noch wichtiger ist als im Winter: Die Vögel reduzierten ihren Stoffwechsel auf Sparflamme″ und würden weniger fliegen. Ganz anders im Sommerhalbjahr: Vögel wie Goldammern und Kohlmeisen verbrauchen im Sommerhalbjahr im Mittel doppelt so viel Energie wie im Winterhalbjahr, und das gilt für die meisten unserer Vogelarten″, schreibt Berthold, und im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt er auch warum: Die Vögel fliegen, fliegen, fliegen, um Nahrung zu beschaffen. Das kostet 25-mal so viel Energie, wie laufen oder hüpfen″. Und wer viel fliege, benötige viel Fett. Fett ist das Wundermittel″, so der Vogelexperte, der deshalb unter anderem Maisenknödel als Futter zur Brutzeit empfiehlt. Außerdem hätten einige Gartencenter spezielles Sommer-Vogelfutter im Angebot. Nicht verfüttert werden sollten hingegen Sonnenblumenkerne. Denn die Vögel haben gar keine Zeit, diese aufzumachen″, so der Fachmann, der ebenfalls von billigem Ramsch″ abrät. Dies enthalte im Verhältnis viele Getreidekörner, die wiederum meist liegen blieben und dann aufgingen und für ungewolltes Grün sorgten.

Wer Vögel füttert, sollte natürlich auch an Nistgelegenheiten denken. Bei einem Garten von 500 Quadratmeter Fläche sollten es mindestens 15 Nistkästen sein″, berichtet der Ornithologe und erklärt auch warum: Wenn sie auf Wohnungssuche gehen, schauen sie sich doch auch drei, fünf oder zehn Wohnungen an. Die Vögel suchen noch sorgfältiger aus. Viele von ihnen brüten nur einmal im Leben.″ Deshalb fielen Nistkästen mit verzogenem Holz und Spalten, durch die es zieht, bei der Besichtigung gleich durch. Berthold empfahl deshalb Holzbetonkästen: Die halten 30 Jahre lang.″ Bezogen würden sie natürlich auch nur, wenn sie im Herbst sauber gemacht werden würden.

Für alle, die sich bisher nicht zum Füttern oder dem Aufhängen von Nistkästen aufraffen konnten, noch ein Tipp: Viele Meisen im eigenen Garten können zwar den Befall der Buchsbäume mit dem Buchsbaumzünsler oder den von Eichen mit dem Eichenprozessionsspinner nicht verhindern, aber sie können die Schadenswirkung erheblich reduzieren oder wie Berthold es formulierte: Je mehr Meisen, desto mehr geht es dem Zünsler oder Spinner an den Kragen.″

Bildtext:
Ihr Zuhause suchen sich Vögel sorgfältig aus deshalb sollte man ihnen mehrere Quartiere anbieten.
Foto:
dpa/ Stefan Sauer

Vogelkundler Peter Berthold

Peter Berthold war bis 2004 Direktor der Vogelwarte Radolfzell, Max-Planck-Institut für Ornithologie. Er spezialisierte sich in seiner Tätigkeit an der Vogelwarte Radolfzell (ab 1967) auf sieben Arbeitsgebiete: Vogelzugforschung, Jahresperiodik, Populationsdynamik, Ernährungsbiologie, Genetik, Auerhuhnforschung und Grundlagenforschung für den Natur- und Umweltschutz. 1981 erhielt er eine Professur für Biologie der Universität Konstanz. Er ist Mitglied und Ehrenmitglied zahlreicher Gesellschaften, Akademien, Komitees und Naturschutzvebände im In- und Ausland. Seit seiner Emeritierung engagiert er sich vor allem im Naturschutz, insbesondere als Stiftungsrat in der Heinz-Sielmann-Stiftung und im Biotopverbund Bodensee. Für seine Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet. Kosmos Verlag
Autor:
Claudia Sarrazin


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