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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zwischen Ökoliner und Monstertruck
Zwischenüberschrift:
Wie Verbände und Spediteure Chancen und Risiken der Gigaliner sehen – Feldversuch startet an Neujahr
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Wenn um Punkt 24 Uhr an Silvester die Sektkorke knallen und Feuerwerksraketen gen Himmel schießen, wird gleichzeitig in Deutschland der Feldversuch mit Gigalinern eingeläutet.

Neujahr ist der offizielle Start für die überlangen Lastwagen, tatsächlich losrollen werden sie im Frühjahr, wenn Schnee und Eis den Verkehr nicht mehr behindern. Umstritten sind die Gigaliner schon jetzt wie kaum ein anderes von der Politik vorangetriebenes Verkehrsprojekt. Das führte dazu, dass glühende Befürworter diesen Fahrzeugtyp Ökoliner tauften und erbitterte Gegner ihn zum Monstertruck erklärten.
Per Ausnahmeverordnung ermöglicht die schwarzgelbe Bundesregierung den Feldversuch, ohne Bundestag und Bundesrat an der Entscheidung zu beteiligen. 400Lkw mit einer Länge von bis zu 25, 25 Metern sollen fünf Jahre lang unter wissenschaftlicher Begleitung der Bundesanstalt für Straßenwesen ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen. Das Testgebiet gleicht einem Flickenteppich. Denn nur sieben Bundesländer machen überhaupt mit: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen, Thüringen, Bayern und Hessen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wirbt unmittelbar vor Beginn des Feldversuchs mit den Gigalinern für die Vorzüge der überlangen Lastwagen. Vor allem machten Lang-Lkw den Güterkraftverkehr wirtschaftlicher, sagtDieter Schweer, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Zwei Lang-Lkw könnten die Frachtmenge von drei gewöhnlichen Lkw transportieren. Dadurch ließen sich Fahrten sparen, erklärt Schweer. Die Anzahlder Lkw, die zum Transport von Kühlschränken in Deutschland jeden Tag eingesetzt werden, könnte von rund 300 auf 200 Fahrzeuge sinken″, nennt Schweer ein Beispiel. Auch zwischen 15 und 30 Prozent an Kraftstoff ließen sich pro Transporteinheit im Vergleich zum bisherigen Lkw sparen. Das entspreche einer Reduzierungder CO2-Emission um bis zu 30 Prozent, sagt der BDI-Geschäftsführer. Die eingesparten Fahrten entlasteten zudem den Verkehrsfluss auf den Autobahnen, die Stau- und Unfallgefahr sinke.
Schweer sagt, dass Lang-Lkw für Verkehre zwischen Logistikzentren und Häfen besonders gut geeignet seien. Ihr Einsatz verbessert den Anschluss an die Weltwirtschaft.″ Lang-Lkw seien ein wichtiger Baustein, um die intelligente Vernetzung von Verkehrsträgern voranzutreiben, ergänzt Schweer. Außerdem seien die Sicherheitsstandards dieser Fahrzeuge zu Recht sehr hoch.

Überholen dauert länger

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) warnt dagegen vor den Risiken der Gigaliner. Er befürchte massive Sicherheitseinbußen auf Landstraßen, sagt der ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker, unserer Zeitung. Er begründet dies damit, dass Pkw-Fahrer mehr Zeit benötigten, um die überlangen Lkw zu überholen. Becker fügt hinzu: Besondere Gefahren befürchten wir etwa bei Ortsdurchfahrten, auch an Kreisverkehrsplätzen und beim Ein- bzw. Abbiegen an Kreuzungen.″ Zu klären seien auch Fragen, wie viel Zeit so ein Riesen-Laster benötige, bis er Ampelanlagen geräumt oder Bahnübergänge überquert habe.
Der ADAC spreche sich darüber hinaus wegen der Auswirkungen eines Unfalls vehement gegen jede Gewichtserhöhung über die heute gültigen maximalen 44 Tonnen bei schweren Lkw aus, sagt Becker. Er begrüße daher die Festlegung der Bundesregie-ung, mit dem Feldversuch keine Erhöhung der Achslasten oder Gesamtgewichte zuverbinden. Er erwartet aber, dass sich daran auch nachdem Feldversuch nichts ändert. Was das Sparpotenzial der Gigaliner betrifft, stellt Becker die Frage nach der volkswirtschaftlichen Gegenrechnung: Ist es wirklich gewollt und zu verantworten, wenn gerade lang laufende Verkehre von der Schiene auf die Straße zurückverlagert würden? Ich meine nein.″
Siegfried Serrahn hält nichts davon, die Verkehrsträger gegeneinander auszuspielen. Der Inhaber der gleichnamigen Osnabrücker Spedition formuliert seine größte Überzeugung so: Wir brauchen Antworten, um die Verkehrsprobleme der Zukunft zu lösen. Das gilt für Deutschland und Europa, für alle Verkehrsträger Straße, Schiene, Wasser und Luft.″
Serrahn betrachtet den Gigaliner als Teil der Lösung. Doch er wird am Feldversuch nicht teilnehmen. Er dürfe sein Spezialfahrzeug nicht in allen Bundesländern fahren lassen, begründet der Spediteur die Haltung. Das Lotter Kreuz ist wegen seiner Lage in Nordrhein-Westfalen für ihn ebenso wenig befahrbar wie die A 1 in Bremen. Was soll der Osnabrücker Logistikstandort mit so einer Ausnahmeverordnung?″, fragter. Sein Fazit: Die Länder, die den Test blockieren, beschädigen den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Bildtext:
Zugmaschine, Sattelauflieger und Anhänger ergeben einen Gigaliner, der bis zu 25, 25 Meter lang sein kann.
Foto:
dpa
Autor:
Robin Fehrenbach


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