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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Lehrgeld bezahlen statt Azubi-Vergütung kassieren
Zwischenüberschrift:
100 Jahre Pflegeausbildung am Marienhospital
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die größte und zweitälteste Krankenpflegeschule Niedersachsens wird 100 Jahre alt. Auch wenn sich Name, Organisationsstruktur und Ausbildungsziele mehrfach geändert haben, so ist das Niels-Stensen-Bildungszentrum seinem Gründungsstandort am Marienhospital treu geblieben. Unterrichtsräume und Verwaltung befinden sich heute in der Detmarstraße, kaum hundert Meter vom Hospital entfernt.

Corona stoppt Festakt

Eigentlich sollte das runde Jubiläum am 23. März mit einem Festakt mit Bischof Bode im Alando-Ballhaus gefeiert werden, aber Corona machte auch durch diesen Plan einen dicken Strich. Wir treffen uns stattdessen zu einem kleinen internen Frühstück, um den Gründungstag wenigstens etwas zu würdigen″, sagt Schulleiter Martin Pope. Und einer weiteren Jubiläumsaktivität kann Corona rein gar nichts anhaben: Eine Wanderausstellung zur Geschichte der Krankenpflegeschule, die bis vor wenigen Monaten noch Bildungszentrum St. Hildegard hieß, wird am 23. März im Foyer des Bildungszentrums eröffnet, bevor sie dann ab April auf Wanderschaft durch die verschiedenen Standorte des Niels-Stensen-Klinikverbundes geht.

Alles fängt damit an, dass der Minister für Volkswohlfahrt in Berlin unter dem 23. März 1920 die Einrichtung einer Krankenpflegeschule genehmigt. Erster Unterrichtsraum ist der sogenannte Festsaal des Marienhospitals. Er liegt über der Durchfahrt aus dem Innenhof auf die Johannisfreiheit. Es ist dies der historische Verlauf der Pfaffenstraße, die später in diesem Bereich entwidmet und zu einem internen Verkehrsweg des Hospitals abgestuft wird. Wenn der Festsaal über der Durchfahrt nicht ausreicht, weicht man in den Kellerraum neben der Bäckerei aus.

Unterrichtet werden die medizinischen Hauptfächer Innere Medizin, Chirurgie und Gynäkologie durch Ärzte und durch Schulleiterin Schwester Maria Hellwig. Sie dient dem Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Karl Borromäus. Die Borromäerinnen gehören zu den ersten katholischen Ordensfrauen, die eine spürbare Verbesserung der Krankenpflege in die Hospitäler bringen. Sie sind 1859 aus dem Mutterhaus Trier nach Osnabrück gekommen und seit seiner Gründung am Marienhospital tätig. Sie prägen darüber hinaus auch die ersten 70 Jahre in der Pflegeausbildung.

Der erste Lehrgang startet im April 1920. Die praktische Ausbildung obliegt den Ordensschwestern auf den Stationen. Jeder Schwester ist eine Schülerin zugeteilt. Neben der Krankenbetreuung werden die Schülerinnen auch zu hauswirtschaftlichen Tätigkeiten herangezogen. Das Geschirrspülen geschieht am Krankenbett. Die Mädchen gehen mit einem Eimer Wasser von Bett zu Bett.

Die Arbeitswoche hat sieben Tage, nur alle zwei Wochen gibt es einen Nachmittag frei. Der Jahresurlaub beträgt 14 Tage. Die theoretische Unterweisung erfolgt einmal in der Woche nach Dienstschluss, also in der Freizeit der Schülerinnen. Der Unterrichtsinhalt muss gänzlich mitgeschrieben werden, Lehrbücher stehen noch nicht zur Verfügung. Die Schülerinnen haben zudem Schulgeld für die Ausbildung zu bezahlen, außerdem die Kosten für Verpflegung, Logis und Krankenversicherung. Untergebracht sind sie in Vier- oder Sechs-Bett-Zimmern. Jeden Morgen ist der Besuch der heiligen Messe verpflichtend. Die Dienstkleidung, bestehend aus blauem Kittel, weißer Schürze und Haube, muss eine jede nach festgelegtem Muster selber beschaffen. Das Waschen erfolgt zentral, das Stärken mit Kastanienstärke und Bügeln macht jede wieder selber.

Nach knapp einem Jahr legen neun von elf gestarteten Schülerinnen am 1. Februar 1921 das Examen zur staatlich anerkannten Krankenpflegeperson″ ab. Dagegen sehen wir mit unserer heutigen Abbrecher-Quote ja gar nicht so schlecht aus″, stellt Martin Pope amüsiert fest.

Was heute alles anders ist als vor 100 Jahren: Nicht 11, sondern 700 Auszubildende streben das Examen an. Statt Lehrgeld bezahlen zu müssen, erhalten sie eine Ausbildungsvergütung. Die Frauenquote beträgt nicht mehr 100, sondern nur noch″ 85 Prozent. Die Ausbildungen, die in der Regel drei Jahre dauern, zielen auf eine Vielzahl von Gesundheitsberufen ab, von der Kinderkranken- bis zur Altenpflege, von der generalistischen Pflegefachkraft bis zur anästhesietechnischen Assistenz. Neben den Ausbildungsberufen bietet das Bildungszentrum berufsbegleitende, staatlich anerkannte, zweijährige Fachweiterbildungen und eine Vielzahl von Fortbildungen an.

Hohe Dynamik

Die enorme Steigerung der Ausbildungszahlen in den vergangenen Jahren hängt in erster Linie mit der Integration anderer Krankenpflegeschulen zusammen, erläutert Ulrich Barlag. Als Vorgänger von Martin Pope stand er ab 1990 an der Spitze der Krankenpflegeschule am MHO beziehungsweise (nach 2007) des Bildungszentrums St. Hildegard.

Nachdem man zuvor schon in einer Arbeitsgemeinschaft kooperiert hatte, geschah 2007 der große Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Schulen am Marienhospital Osnabrück, am Franziskus-Hospital Harderberg, am St.-Raphael-Krankenhaus Ostercappeln, am Kinderhospital Osnabrück und am Haus St. Marien des Diözesan-Caritasverbandes in Belm unter dem Dach des Bildungszentrums St. Hildegard.

2011 startete der erste duale Studiengang Pflege in Kooperation mit der Hochschule Osnabrück. Die hohe Dynamik des Gesundheitswesens hat sich in häufigen Strukturänderungen der Pflegeschulen niedergeschlagen. In ihrer hundertjährigen Geschichte gelang es der Schule am Marienhospital, welchen Namen sie auch gerade trug, stets flexibel auf die neuen Gegebenheiten zu reagieren. Und schon steht die nächste Neuerung an: Martin Pope verabschiedet sich rasch, weil er zu Vorgesprächen für die Eröffnung einer Außenstelle der Schule in Fürstenau-Schwagstorf fahren muss.

Bildtexte:
Entspannung nach Dienstschluss: Lernschwestern mit der Schulleiterin, Ordensfrau Schwester Hiltrud Diancourt, um 1962 beim Mensch ärgere Dich nicht″-Spiel.
Erster Schulungsraum der Krankenpflege am Marienhospital war der Festsaal oberhalb der Durchfahrt zur Johannisfreiheit, hier auf einem Foto aus dem Jahr 1934.
Schulleiter Martin Pope (links) und sein Vorgänger Ulrich Barlag.
Fotos:
Rosemarie Lohmann/ Archiv Marienhospital Osnabrück, Archiv Marienhospital Osnabrück. n.n., Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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