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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
So waren die 70er-Jahre in Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Erinnerungsstücke gesucht: Zwei Forscher tauchen in die Zeit der Bee Gees und Schlaghosen ein
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Man trug Schlaghose und Batikhemd, hörte die Bee Gees aus dem Cassettenrecorder, das Telefon war knallorange, aber noch mit Wählscheibe, und das Fernsehprogramm endete am späten Abend mit dem Testbild. Heiko Schulze und Reiner Wolf bereiten eine Ausstellung über die 70er-Jahre in Osnabrück vor und suchen Erinnerungsstücke.

Das Protest- und Revolutionsjahr 1968 haben sie schon aufgearbeitet, jetzt wollen sie sich den 70ern widmen. Heiko Schulze (Jahrgang 1954) war damals mittendrin als Juso, als Student und als Teil der sich entwickelnden Osnabrücker Szene. Für den 1969 geborenen Reiner Wolf ist das Projekt eher ein Revival seiner Kindheit. Für eine Ausstellung und einen Sammelband wollen sie authentisches Material aus Osnabrück zusammentragen. Und interessante Orte suchen sie auch.

Erlebnisberichte gefragt

Besonders erpicht sind die beiden Vergangenheitsforscher auf Erlebnisberichte, zum Beispiel über die Stadtsanierung und die Besetzung des Hauses Schöningh, die ersten Arbeitsmigranten in Osnabrück und die ersten Discos. Die Musik ist für Reiner Wolf ein wichtiger Anknüpfungspunkt. In Osnabrück etablierte sich Folk alternativ, es kristallisierte sich nach und nach eine Reggae-, Hardrock- und Punkszene heraus.

Erste Wohngemeinschaften taten sich zusammen, gerne noch als Kommunen″ verschrien. Die Umweltbewegung kam auf die Beine, zum Einkaufen wurden die grob zusammengenähten Jute-statt-Plastik″-Beutel verwendet. Die Mode bewegte sich damals zwischen selbst gemachten Batik-T-Shirts und Polyesterhemden. Reiner Wolf bedauert, dass damals noch nicht viel fotografiert wurde. Fotos oder Dias, aber auch Super-8-Filme sind sehr willkommen für das Ausstellungsprojekt.

Für Heiko Schulze waren die 70er-Jahre vor allem in politischer Hinsicht eine Zeit des Aufbruchs. Ihm fällt dazu der Hype um Willy Brandt ein, und dazu zaubert er einen orangefarbenen Button mit dem Aufruck Willy wählen″ aus der Tasche. Maoistisch orientierte Gefährten schlossen sich dem Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) an und verteilten Flugblätter vor den Werkstoren von Karmann. Die Osnabrücker Uni wurde gegründet, junge Leute forderten ein Unabhängiges Jugendzentrum, aus dem schließlich die Lagerhalle hervorging.

Ausstellung geplant

Dem Aufbruch folgten aber Ernüchterung, Krise und strukturelle Arbeitslosigkeit. Zu den weniger erbaulichen Zeiterscheinungen der 70er-Jahre zählt Heiko Schulze auch die Berufsverbote, mit denen der Staat eine linke Unterwanderung seiner Institutionen verhindern wollte. Die beiden Historiker wollen in ihrer Ausstellung aber ausdrücklich nicht mit dem Blick von links auf die 70er-Jahre schauen, sie hoffen auch auf Material oder Erfahrungsberichte von Zeitgenossen, die sich damals zum Beispiel in der Jungen Union oder für die Stadtsanierung engagierten.

Die Ausstellung soll im August oder September fertig sein und unter anderem im Stadthaus gezeigt werden. Vorschläge für andere Orte sind willkommen.

Bildtext:
Das Herz schlug damals links: Reiner Wolf (links) und Heiko Schulze suchen weitere Exponate, die für die 70er-Jahre stehen.
Foto:
Rainer Lahmann-Lammert
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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