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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
An unsere Leser!
 
Politische Nachrichten.
 
Die Reifenden.
Zwischenüberschrift:
Deutschland.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In einer ereignißreichen Zeit, wie der gegenwärtigen, haben wir kaum nöthig, die Gründung eines neuen Zeitungsunternehmens zu rechtfertigen. Es giebt unstreitig in Deutschland schon viele Zeitungen, aber es ist auch noch für viele Raum. Unser Vaterland zeichnet sich vor andern Ländern dadurch aus, daß die Bildung und somit auch das Bedürfniß nach Aufklärung über die herrschenden Zustände und die brennenden Tagesfragen ziemlich gleichmäßig über das ganze Land verbreitet sind, und daß wir deshalb nicht, wie es in England und Frankreich der Fall, einen Mittelpunkt des politischen Geisteslebens haben, wo sich alle Strahlen vereinigen, während der Rest des Landes nur den mehr oder weniger schwachen Abglanz empfängt. An sich ist dies ohne Zweifel ein großer Vortheil, obgleich das Uebel der politischen Zersplitterung innig damit zusammenhängt. Allein diesem Uebel läßt sich vorbengen, und unser deutsches Vaterland kann sich die politische Einheit erringen, ohne dem Uebel der Centralisation zu verfallen. Ja, in einer weisen Verbindung der nationalen Einheitsidee und der localen Unabhängigkeit liegt wesentlich unsere nationale Aufgabe.
Warum sollte aber gerade unsere Stadt keine Zeitung besitzen, da in mancher anderen weit unbedeutenderen Stadt Zeitung nicht blos besichen, sondern nicht zur Blüthe gelangt sind? Der Wunsch nach einer Zeitung, welche die allgemeinen Fragen der Politik behandelt, der Literatur und Kunst ihre Aufmerksamkeit schenkt, und die örtlichen Interessen befürwortet, hat sich hier schon häufig geltend gemacht, und wenn ihm nicht früher Rechnung getragen werden konnte, so ist das verschiedenen Umständen zuzuschreiben, deren Auseinandersetzung man uns erfahren wird. Wir glauben, die entgegenstehenden Schwierigkeiten überwunden zu haben, und rechnen um so sicherer auf Erfolg, als man uns von den verschiedensten Seiten die wärmste Unterstützung zugesagt hat.
Unsere Zeitung tritt nicht als Parteiorgan in die journalistische Rennbahn. Die Kristo, in der Deutschland sich jetzt befindet, zeigt zur Ceusige die Mangelhaftigkeit und theilweise Unfähigkeit der Partein, welche in diesem Moment die Bühne einnehmen. Wenn wir uns an keine dieser Parteien anlehnen, so thun wir es, weil wir nach allen Richtungen hin gerecht sein, weil wir ungefesselt und unbeirrt die Interessen unseres deutschen Vaterlandes verflechten wollen. Unser Vaterland ist unsere Partei.
Wir werden national sein. Nicht als ob wir für das sogenannte Nationalitätsprincip schwärmten, mit dem neuerdings soviel Mißbrauch getrieben wird, und das in seiner heutigen Form eine Erfindung und ein Werkzeug eroberungslustiger Desporten ist. Die Freiheit geht uns über das Nationalitätsprincip. Aber wir leben der Ueberzeugung, daß unser deutsches Volk, welches die moderne Cultur geschaffen hat, dazu bestimmt ist, diese Cultur gegen westliche Säbelherrschaft und östliche Barbarei zuvertheidigen, und daß es diese seine Bestimmung blos erfüllen kann, indem es zur vollsten nationalen Entfaltung kommt. -- Wir haben uns die Aufgabe gesetzt, nach Kräften an der Wiedergeburt unseres Vaterlandes mitzuarbeiten, und werden Alles anerkennen und unterstützen, was auf dieses Ziel hinstrebt; Alles bekämpfen, was es verdunkeln oder von ihm ablenken will. Und darum zählen wir zuversichtlich auf die Hülfe aller Derjenigen, ohne Unterschied der Partei, denen das Wohl des gemeinsamen Vaterlandes und ihrer engen Heimath am Herzen liegt.

Berlin, 17. Mai. Ueber die Sitzung der Londoner Confereu; vom 12. Mai sagt die Wiener " Presse": " Es sollte bekanntlich in der eigentlichen Friedensverhandlung eingetreten werden, doch hat nur ein allgemeiner Meinungsaustausch über die Sachlage stattgefunden und es kam kaum zu einer principjellen Erörterung, geschweige denn zur Stellung bestimmter Anträge. Von England und Frankreich war allerdings an die deutschen Großmächte das Ansinnen gestellt, möglicherweise schon in der heutigen Sitzung ein Programm zur Lösung der schleswig-holsteinischen Angelegenheit vorzulegen. Wie verlautet, wird denn auch zwischen Wien und Berlin einer Art von Verständigung über die Grenzen und den Umfang der Bedingungen, an welche die deutschen Großmächte den Friedensschluß mit Dänemark knüpfen werden, angestrebt; aber wie dies vorauszusehen war, ist diese Verständigung noch nicht zu einem bestimmten Programm geziehen. Man hat sich daher, wie es scheint, zwischen Wien und Berlin dahin geeignet, vorerst so lange wie möglich mit eigenen Vorschlägen zurückzuhalten und den Compromiß Vortritt zu lassen. Namentlich will man vorerst in Erfahrung bringen, welche Lösung England beabsichtigt, das ja die Conferenz zur Wiederherstellung des Friedens im Norden Europas hauptsächlich veranlaßt hat. Es ist jedenfalls von den deutschen Großmächten klug, vorerst die andern Mächte zu hören, namentlich so lange sie selbst noch nicht darüber fixirt sind, zu welchen politischen Consequenzen sie ihren militärischen Sieg verwerthen sollen." -- Zur Ergänzung des Vorstehenden fügt die " R. Z." hinzu, daß die Vertreter Oesterreichs und Preußens die Weisung haben, falls die Erhaltung der Integrität Dänemarks als die bestimmte und unwandelbare Voraussetzung der zu treffenden Vereinbarungen aufgestellt werden sollte, die ausdrückliche Erklärung abzugeben, daß der Entscheidung über die in Betracht zu ziehenden rechtlichen Momente, soweit diese Entscheidung in die unzweifelhafte Competenz des deutschen Bundes gehöre, dadurch in seiner Weise präsudiziert werden könne und dürfe. -- In Gemäßheit der Klausel der Vereinbarung über die Einstellung der Feindseligkeiten, daß während der Dauer der Waffenruhe die beiderseitigen militärischen Positionen weder verändert noch verschärft werden dürfen, hat das Gros der österreichischen Flotte unter Admiral Wüllersdorf Befehl erhalten, zunächst nicht in die Nordsee einzulaufen. (Ein österreichisches Linienschiff, eine Fregatte und ein Kanonenboot sind am 13. Mai in Cherbourg angekommen). Wie mehrere Blätter berichten, hätte Oesterreich ebenfalls darauf verzichtet, die Integrität Dänemarks als Friedensgrundlage aufzustellen. Dieses Gerücht trat schon öfter auf, beruhte aber bisher auf eine Verwechslung des Londoner Vertrages mit den Vereinbarungen von 1851 und 1852, welche letztere Oesterreich allerdings bereits für ungenügend erklärte, ohne aber deshalb sich von Londoner Traktate loszusagen. Nach der Wiener " Presse" würde Oesterreich auch jetzt nur die Competenz des deutschen Bundes in Betreff gewisser rechtlicher Momente referviren.
Aus Pillau liegt nunmehr auch die Nachricht vor, daß sowohl von der diesseitigen Regierung als auch durch einen Officier vom dänischen Blockadeschiff " Diana" am 12. die Anzeige von der auf vier Wochen eingetretenen Aufhebung der Blockade erfolgte, in Folge dessen auch das dortige Leuchtfeuer wieder wie gewöhnlich, angezündet worden ist. -- In Kopenhagen sollte am 14. die Angelegenheiten folgender ausgebrachten Schiffe vor dem Admiralitäts Gericht zur Verhandlung kommen: " Estella" (Wroe). " Herzog vom Cambridge" (Thode).
Der Kronprinz trifft heute Nachmittag 4 Uhr zunächst von Lübeck kommend hier ein.
Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland werden den neusten Nachrichten zufolge am 10. Juni von Petersburg hier eintreffen, zu welcher Zeit auch der Großfürst Konstantin zum Empfange des kaiserlichen Paares von Goslar hierher kommen wird. Der Kaiser wird, soviel man hört, die Kaiserin bis Kissingen begleiten.
Die Adresse, durch welche Graf Arnim Bohtzenburg und Genossen den König von Preußen auffordern wollen, Schleswig-Holstein in der einen oder anderen Form seiner Ober- ....

Aus dem Dänischen.

Vor einer Reihe von Jahren reifte ich einst im Winter durch West-Jütland, um meinen Bruder, der in Varde wohnhaft war, zu besuchen. Der Winter war ungewöhnlich rauh und scharf. Der Schnee stob hin über die fahlen Ebenen, durch die unser Weg uns führte, verbarg uns die Straße, thürmte sich über jeden Feldraln, um die Hünengräber, die Bauerhäuser, um alles, was den Reisenden den geringen Schutz gewährte gegen den scharfen, durchdringenden Nordostwind, der vom Meere hereinraste. Diese Unannehmlichkeiten indessen wogen bei mir nur leicht, ich freute mich über den Anblick aller dieser bekannten Oerter, die wir passirten, über die frische Luft, über das lang gezogene hohle Dröhnen, das dann und wann vom Meere her über die Halde ertönte, kurz über Alles. Die Pferde schnauften der Kutscher fluchte, ich sang; er verzweifelte, ich war vergnügt, seelenfroh, -- mit einem Worte ich war damals jung.
Wir fuhren auf´s Geradewohl, über Wiesen und Haiden, über Hügel und durch Büsche, denn der tiefe Schnee verbag uns Alles, den gebahnten Weg, die Gräben und Deiche, die ihn bezeichnen sollte.
Jenseits Foldingbro mußten wir endlich anhalten. Der Wagen blieb wiederholt in dem losen Schnee sitzen, der Kutscher versicherte, daß er unmöglich weiter könne mit den müden Pferden. Wahrscheinlich hatte ihm der Anblick eines Häuschens diese Ueberzeugung beigebracht, das ungefähr einen Wichsenschutz entfernt und zwischen den Hügeln halb verborgen lag und aus dessen schwarzem Schornstein der hellblaue Rauch mit einem durchdringenden Geruch von verbranntem Haidekraut von dem Dache herabwirbelte. Der Sturm schien im Zunehmen und es begann zu dunkeln. Die Kirchenglocken in Gödeburg ließen ihr Abendgeläut hören. Wir beschlossen also unsere Reise aufzuschieben und Nachtquartier zu suchen.
Das erwähnte Haus lag unten in einem langgestreckten Thal, das von einem sich schlängelnden und rohrbewachsenen Bach durchzogen wurde: derselbe war nun freilich gefroren und vom Schnee halbbedeckt, aber der Lauf desselben war noch durch eine Reihe verkrüppelter Weiden und Erlen bezeichnet. Es war einer jener kleinen Krüge, die mit so mancher andern Eigenthümlichkeit der Westgegend Jüdlands in den letzten Jahren nach und nach verschwunden sind. In meiner Kindheit dagegen fand man sie recht oft, mit ihren halbeingestürzten Brunnen, dem Reckwerk an der Mauer entlang, voll geschnitzter Sinnbilder und Namen, und einem prengenden Schilde über den Eingange, mit unbegreiflichen Hivroglyphen bemalt. Der Storchbaute auf dem Dache und in demselben hatte ein Schwarm lärmender Sperlinge sich tiefe Löcher zum Nisten gemacht. Anstatt mit einem Pflaster war der Weg um das Haus gewöhnlich mit einer dicken Lage abgeschnittenen Haidekrautes belegt, das dazu diente, die tiefen Radspuren auszufüllen, die sich im Sande bildeten und durch die man, um zum Eingange zu gelangen, hindurch waten mußte.
Als der Wagen vor dem Kruge anhielt, kam ein Mann zur Thür, öffnete die beiden Klappen, woraus dieselbe bestand, und zupfte zum Willkommen an der Zipfelmütze.
Dies war der Wirth in eigener Person; eine bunte Nachtjacke, rothe wollene Weste, und stramme hirschlederne Kniehosen, deren ursprünglich gelbe Farbe die Zeit und der Gebrauch geschwärzt hatte, zierten den Mann. Die Füße steckten in Holzschuhen mit Stroh gefüllt. Seinen Kopf bedeckte eine rothe Mütze, deren Zipfel über das .... Ohr herab hing und eine Fülle aschfarbener Haare wollen unter derselben hervor. Er hatte eine dicke, kupferfarbige Nase, ein breites und gespaltenes Kinn, geschmückt mit einem kurzen graulichen Barte.
So stand er da während ich vom Wagen stieg und hielt einen großen Pudel am Halsbande fest, den er vergebens zu beruhigen strehte.
" Kommt nur", sagte er zu mir. " Braucht nicht bange zu sein; es ist des Kesselstickers Karo, der beißt lange nicht, weil er keine Zähne mehr hat."
Mit dieser Versicherung zog er sich etwas zurück und macht Platz in der schmalen Thür.
In der Stube selbst flammte ein großer Scheit auf dem Herde und warf zugleich mit der Lampe, die von der Decke herabhing, ein röthliches, starkes Licht auf die nächsten Gegenstände. Dem Feuer zunächst saß ein Bauerkerl, der wohl soeben an einem wollenen Strumpfe gestrickt hatte und nun zur Abwechselung ein großes, irdenes Gefäß voll Milchgrütze, es zwischen den Knien haltend, leerte. An der Wand, der Thür gegenüber, hingen vier Gemälde in großen, schwarzen Holzrahmen. Das eine war ein Hochzeitsgedicht von flammenden Herzen, Tauben und Vergißmehrnicht umgeben und gewidmet den Eltern des Krugwirthes an ihrem Hochzeitstage von Lauft, Espesen, Schullehrer, 41 Jahr alt. Eine Schleife von Rothem Geldband hing über dem Rahmen. Diese flehte, verblichene und zerdrückte Schleife, die sich wohl von demselben Festtage herschrieb, war ohne Zweifel derchsamer als das ganze Gedicht. Das zweite Gemälde mit einer Fastnachtsruthe darüber, stellte einen grimmigen Reiter auf einen sich bäumenden Pferde vor, darunter las man folgende Erklärung: " Albrecht Herzog zu Friedland, Obrister Veldhauptmann, wie auch des Oceanischen und Baltischen Meeres General." Das dritte Bild zeigt die Flucht der heiligen Jungfrau, mit der aufgehenden Sonne, wie eine gelbe Oblade, im Hintergrunde, Auf dem vierten Bilde sah man Friedolin in der Gewalt zweier halbnackter Ungeheuer, die ihn in einen glühenden Ofen zu werfen suchten. Von dem letzten Bilde sah man indeß nicht viel, denn eine Menge farbiger Chocoladevignetten und ein Neujahrswunsch: " An meine Liebe Tante", waren zwischen Glas und Rahmen gesteckt.
Von diesen und ähnlichen Merkwürdigkeiten wurde indessen die Aufmerksamkeit durch die laute Unterhaltung zwischen mehreren am Tische sitzenden Personen abgezogen. Der Eine....
Autor:
W.


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