User Online: 1 | Timeout: 22:21Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Programm.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ein englicher Staatsmann hat den Ausspuch gethan: Man gebe mir einen despotisch gesinnten Fürsten, ein aristokratisches Oberhaus und ein bestochenes Unterhaus und lasse mir nur die Freiheit der Presse, so ist mir nicht bange. Daran hatte er Recht, und die Geschichte des englichen Volks hat es bewiesen; denn in der freien Presse ist das Mittel gegeben, die vorhandennen Übel und Mißstände, seien sie auch noch so tief eingewurzelt, an das Licht zu ziehen, die erkannten zu heben und die noch drohenden oft abzuwenden. Ist aber das freie Wort, in Schrift und Rede, gehemmt und unterdrückt, dann entsteht ein Mißverständniß zwischen Regierenden und Regierten, jene lernen die Wünsche und Bedürfnisse des Volkes nicht kennen, dieses wird stumpf oder murrt, jene verlieren die Liebe zum Volke, dieses faßt und nährt Haß gegen seine Oberen. Auf diesem faulen Boden erwächst jener unheilvolle Zustand, bei dem von einem Volke als Ganzem kaum noch die Rede sein kann; es bilden sich Standesunterschiede, durch eine oft sehr hohe Scheidewand von einander getrennt; und wo noch vielleicht durch ein Irrgewinde von Vorkehrungen ein freies Wort auftaucht, das eben, unter dem Drucke geboren, nicht ohne Zorn und Unmuth gesprochen ist, da wir es als unehrerbietiger Tadel verdächtigt und bestraft. So tritt der Fall ein, daß Männer, die unter glücklichen Verhältnissen das Vaterland zu seinen edelsten Söhnen gezählt haben würde, nicht durch ihre Schuld zum Äußersten getrieben, demselben mit blutendem Herzen den Rücken wenden. Daß dieser in wenigen Zügen angedeutete Zustand in unserm großen Vaterlande und in unserm biedern Volke mehr oder weniger hervorgetreten war, daß überhaupt zwischen Thronen und den vermeitlich einzigen Stützen derselben, den Beamten, einerseits und den Völkern andererseits vielfach ein Verhältniß des Scheins und -- man darf das Wort nicht scheuen -- der Lüge sich geltend gemacht hätte, das haben die letzten dreißig Jahre im Vergleich mit den Ereignissen des letzten Monats klar ans Licht gestellt. Diese Lüge fraß wie ein Krebsschaden weiter, vergiftete zuerst das eigene Herz auch redlich gesinnter Menschen, und nachher täuschte man wissentlich oder unwissentlich nach oben, wie nach unten. Das Übel wuchs täglich und griff in alle geselligen Verhältnisse so fruchtbar ein, daß an eine Heilung einzelner Schäden, an leichte Mittel nicht mehr zu denken war, und was besonnene Männer seit Jahren ahneren, aber kaum auszusprechen wagten, das geschah plötzlich. Ein Sturm aus Westen, und das bisherige Regierungssystem mit seinen Mißbräuchen und Mängeln wurde nicht etwa in einzelnen Theilen erschüttert, sondern stürzte mit allen längst veralteten Resten früherer Jahrhunderte gänzlich zusammen. Es ist eine gewaltige Zeit eingetreten. Seit dem 16. Jahrhundert hat Europa, Rußland ausgenommen, das der Geograph künftig vielleicht zu Asien rechnen wird, keinen größern Umschwung der Verhältnisse gesehen, als wir ihn schon in wenigen Wochen erlebt haben. Wohin wir blicken, in Staat und Kirche, da steht der Krieg der Geister in hellen Flammen; nun! den wollen wir ertragen; mag er auch immerhin den Einzelnen empfindlich berühren, er hat sein Gutes; Gott bewahre uns nur vor dem roheren und unheilvollen Kampfe der Waffen. Sollte aber dieser -- den wer vermag jetzt, wo alle menschliche Klugheit zu Schande wird, berechnen, was der nächste Morgen bringen wird -- sollte, sag´ ich, ein Kampf der Waffen hereinbrechen, so können wir nur dann einem solchen mit Muth und Gottesvertrauen entgegen gehen, wenn wir uns der großen Güter recht bewußt sind, für deren Erhaltung wir kämpfen sollen. Dabei denke ich nicht zunächst an Weib und Kind, die kann auch der Feigling durch die Flucht retten; ich denke nicht an Geld und Gut, nicht Amt und Würde, das Alles hat auch wohl der Verräther bei dem Feinde zu finden gehofft; ich denke aber an das Vaterland und die heiligen Güter, die dasselbe uns, unsern Angehörigen und Mitbürgern gewährt, ich denke an Freiheit und Recht, an deutsche Sitte, deutsche Sprache und deutsches Regiment. Wenngleich nun der Blick auf die Vergangenheit uns jene Güter, namentlich die erstgenannten vielfach getrübt erscheinen läßt, so hellt sich doch die nächste Zukunft höchst erfreulich auf. Jene Güter uns unverkümmert zu sichern und treu zu bewahren, dazu sind auch uns die wirksamsten Mittel in diesen Tagen gegeben. Das Wort ist frei, wir dürfen und sollen auch in größeren Ver- ....

Quelle: Heiko Schulze aus dem Buch " Zum Nutzen und Vergnügen 1766 bis 2016 Ein Streifzug durch 250 Jahre Osnabrücker Zeitungsgeschichte" 2016


Anfang der Liste Ende der Liste