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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kein Platz für Familie Liebe: „Es ist nervenzerreibend″
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker verzweifeln bei Krippensuche
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Versorgungslage mit Kita-Plätzen in Osnabrück spitzt sich weiter zu. Fast 1000 Osnabrücker Kinder haben in der ersten Runde des Verfahrens Absagen von ihren Wunsch-Kitas bekommen so viele wie nie zuvor. Die Osnabrücker Familie Liebe hat Angst, das zweite Jahr in Folge keinen Krippenplatz zu bekommen.

Mit einem Kind ist es derzeit schon schwer, einen Krippen- oder Kitaplatz zu ergattern. Doch Imke und Jan Liebe haben Zwillinge. Mats und Oskar werden im Mai zwei Jahre alt. Schon voriges Jahr sind die beiden Jungen bei der Krippenplatzvergabe leer ausgegangen.

Imke Liebe beschloss, ihre Elternzeit zu verlängern. Die Jungen hätten zwar einen Platz bei einer Tagesmutter haben können, doch Familie Liebe möchte einen Krippenplatz aus einem ganz einfachen Grund: Wir haben Angst, ohne Krippenplatz nächstes Jahr keinen Kitaplatz zu bekommen″, sagt Imke Liebe. Und diese Sorge sei durchaus berechtigt, habe eine Mitarbeiterin im städtischen Familienservicebüro ihr und ihrem Mann bestätigt. Krippenplätze sind für Kinder bis drei Jahre, danach wechseln sie meist in derselben Einrichtung von der Krippen- in eine Kita-Gruppe.Alles richtig gemacht?

Die Liebes haben versucht, alles richtig zu machen, als im November 2019 die Anmeldephase für das Kitajahr 2020/ 21 startete: Sie gingen erneut zu den Info-Terminen der Kitas und versuchten, sich interessant zu machen. Parallel klapperten sie die kleineren Elterninitiativen ab, brachten Bewerbungsbriefe samt Familienfoto vorbei. Doch bei einer Krippe erfuhren sie, dass es dort schon zu viele Zweijährige gebe, bei einer anderen hieß es, es gebe zu viele Jungen. Sie erkundigten sich bei ihrer Wunschkita und erhielten die Auskunft, sie bekämen im Vergabeverfahren einen Extrapunkt, weil sie es ja schon ein Jahr zuvor versucht hätten.

Also entschied sich das Paar, diese Kita erneut als Erstwunsch anzugeben und bekam jetzt schon wieder eine Absage. Warum, wissen sie nicht. Die Eltern sind zutiefst verunsichert: Vielleicht hätten wir bei unserem Zweitwunsch bessere Chancen gehabt, wenn wir ihn als Erstwunsch angegeben hätten″, sagt Imke Liebe. Sie rief direkt nach der Absage von Wunschkita Nummer eins bei Wunschkita Nummer zwei an und bekam die Info, dass auch diese Einrichtung eigentlich voll″ sei. Die weiteren Absagen stehen noch aus, aber große Hoffnungen machen sie und ihr Mann sich nicht.

Die Sorge ist berechtigt: Mitte Februar hatten bereits 995 Kinder Absagen von ihren Erstwunsch-Kitas bekommen. Im Vorjahr waren es zur selben Anmeldephase 768 Kinder, deren Erstwunsch nicht erfüllt wurde. Bis Mitte April 2019 sank die Zahl auf 699 Kinder. Die Eltern von 244 Mädchen und Jungen meldeten sich letztlich beim Familienservicebüro, das dann versucht hat, ihnen noch Betreuungsplätze zu vermitteln. Was aus den übrigen 455 Kindern geworden ist, das weiß die Stadt nicht.

In diesem Jahr liegen die Bewerbungen seit dem 9. März bei der Zweitwunschkita. Bis Mittwoch war die Zahl der Kinder ohne Platz laut Fachdienstleiter Marcus Luttmer schon gesunken, ist mit 891 Kindern aber immer noch höher als im Vorjahr. Auch die Anmeldezahlen insgesamt sind gestiegen. Dieses Jahr gab es 2542 Anmeldungen, im Vorjahr waren es 2297.

Jan und Imke Liebe geben nicht den Kitas die Schuld. Uns ist bewusst, dass es ein strukturelles Problem ist. Es bleibt der Eindruck, dass das alles schlecht gemanagt ist″, sagt Jan Liebe. Das Vergabesystem ist intransparent und fehleranfällig.″ Im Januar hatte die Stadt Hunderten Familien versehentlich gleich zweimal nacheinander Absagen geschickt. Das ist nervenzerreibend″, sagt Imke Liebe. Sie sorgt sich darum, ob sie ab August wieder arbeiten kann und ob ihre Kinder endlich mehr Kontakt zu Gleichaltrigen haben können, der über den Spielplatzbesuch oder die Krabbelgruppe hinausgeht. Die Zwillinge voneinander zu trennen und in unterschiedliche Kitas zu schicken kommt für das Ehepaar nicht infrage.Das sagt die Politik

Im städtischen Jugendhilfeausschuss winkten die Ratsmitglieder am Mittwoch wieder mehrere Beschlüsse für weitere Krippen- und Kitaplätze durch. Die aktuellen Anmelde- und Absagezahlen waren nur kurz Thema. Neben der Info, dass 891 Kinder noch unversorgt seien, teilte Fachdienstleiter Luttmer mit, dass das Vergabeverfahren am 27. April schließe und die Stadt erst dann genau sagen könne, wie viele Kinder zum 1. August 2020 keinen Platz bekämen. Fragen und Diskussionen gab es nicht.

Stadtrat Wolfgang Beckermann betonte: Wir sind mit Hochdruck unterwegs, um diese schwierige Situation zu lösen. Da steckt viel Herzblut und Engagement drin.″ Und: Hier wird hervorragende Arbeit geleistet.″ Dem schloss die Ausschussvorsitzende Eva-Maria Westermann (CDU) sich an: Ich möchte ein großes Lob aussprechen, was hier geleistet wird.″

Bildtext:
Jan und Imke Liebe suchen für ihre Zwillinge Oskar und Mats schon das zweite Jahr in Folge einen Krippenplatz.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Zu intransparent

Angesichts der Not Hunderter Eltern ist es nicht angemessen, dass sich Ratsmitglieder und Stadtverwaltung im Jugendhilfeausschuss gegenseitig auf die Schultern klopfen und betonen, dass sie gute Arbeit leisten.

Es stimmt, dass sich die Osnabrücker Stadtverwaltung derzeit wirklich anstrengt, um möglichst schnell möglichst viele neue Kitaplätze zu schaffen, um die Not irgendwie zu lindern. Das dürfen Stadtrat und die Ausschussvorsitzende auch gerne betonen.

Aber nicht hinnehmbar ist, dass das Platzvergabeverfahren wieder genauso chaotisch und intransparent abläuft wie im Vorjahr und dass die Ratsmitglieder im zuständigen Fachausschuss kein Wort darüber verlieren.

Für die Eltern bedeutet das nämlich ein permanentes Auf und Ab. Sie haben keine Ahnung, nach welchen Kriterien die Kitas eine Auswahl treffen, keine Ahnung, wo die Chancen gut und wo sie schlecht sind. Keine Informationen darüber, ob es sich überhaupt lohnt, ihre Wunschkita beim Online-Anmeldeverfahren auf Platz eins zu setzen.

Wenn Kindergartenplätze eine so große Mangelware sind, sind einheitliche Kriterien und Transparenz bei der Vergabe nötig. Es ist inakzeptabel, dass die Stadt sich immer wieder mit der Trägerautonomie herausredet und betont, dass jede Kita ihre eigenen Entscheidungen treffe. Solch eine Regelung mag funktionieren, wenn es genügend Plätze gibt. Sie führt zu Chaos, wenn so wie jetzt Hunderte Plätze fehlen.

s.dorn@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn


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