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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Erinnerung an Hexenverfolgung
Zwischenüberschrift:
Modehaus L & T enthüllt Gedenktafel an der Hase
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Frauen wie wir Damals als Hexen verfolgt und verurteilt″, heißt es auf dem Mahnmal, das das Modehaus L& T auf der Rückseite des neuen Sporthauses enthüllt hat. Wo früher der Hexenturm″ an die Verfolgung von Hexen im Mittelalter erinnerte, hängt nun eine Gedenktafel, die zugleich ein Zeichen für Gleichberechtigung sein soll.

Für den Neubau des L& T Sporthauses war der Hexenturm″ an der Hase entfernt worden. Der Hexenturm war keine historische Sehenswürdigkeit, sondern der Notausgang aus dem L& T-Parkhaus. Die Schöpfer des Hexenturms hatten sich vom Kümpersturm″ inspirieren lassen, einem Turm, an dem im Mittelalter der Hexerei beschuldigte Frauen ertränkt wurden. Überlebten sie, so wurden sie als Hexe zum Tode verurteilt.

Der Hexenturm

Der Kümpersturm″ hatte tatsächlich an derselben Stelle gestanden wie später der Hexenturm. Der Geschäftsführer des Modehauses L& T, Mark Rauschen, versprach, an dessen Stelle eine Gedenktafel aufzustellen. Dieses Versprechen erfüllte er nun, als er das Mahnmal enthüllte.

Vor zwei Jahren ist das Sporthaus eröffnet worden. Mark Rauschen sagte, erst mit der Enthüllung der Gedenktafel sei für ihn der Bau des Sporthauses wirklich abgeschlossen.

Auf der Gedenktafel sind keine Hexen zu sehen, sondern Frauen wie wir″. Holger Moths, Architekt des Sporthauses und Gestalter der Tafel, erklärte den Hintergrund: Die heutige Gesellschaft zeichnet sich durch ein hohes Maß an Gleichberechtigung aus.″ Dies sei jedoch nicht immer so gewesen. Im Mittelalter gerieten Frauen in den Ruf, eine Hexe zu sein, die als intelligente, selbstbewusste und gebildete Frauen hervorstachen. Heute würden wir sie schlichtweg als Prototyp einer modernen Frau″ verstehen. Im Mittelalter sei ihnen das zum Verhängnis geworden.

Von Weitem wirkt die Gedenktafel ein wenig wie die Ankündigung einer neuen Modekollektion. Doch das solle Neugierde wecken, sagte Moths. Die Gedenktafel wendet die Lentikulartechnik an, das heißt, sie funktioniert ähnlich wie ein Wackelbild. Je nachdem, wie man den Blickwinkel verändert, tun sich historische Bilder auf″, erklärte Moths. Hinter dem heute als selbstverständlich angesehenen Frauenbild entdecke man die grausame Wahrheit aus der Vergangenheit. Hinter den sympathischen Gesichtern der Frauen verstecken sich Aufnahmen der Hexenverfolgungen, Namen der Opfer und wissenschaftlich geprüfte Daten. Bei der Konzeption der Tafel hat der Historiker und Leiter des Landesarchivs Hannover, Nicolas Rügge, geholfen.

Ein langer Kampf

Die Tafel soll aufzeigen, dass die Freiheit der Frau nicht immer selbstverständlich war. Noch in den Fünfzigerjahren waren Frauen nur eingeschränkt geschäftsfähig. Wenn eine Frau sich zum Beispiel ein Kleid gekauft hat, hätte der Mann diesen Kauf annullieren können. Die Ehefrau war per Gesetz nicht berechtigt, derartige Käufe ohne Einverständnis des Ehemannes zu tätigen″, erinnerte Moths. Der Kampf der Frauen″ für Gleichberechtigung sei erst im letzten Jahrhundert erfolgreich gewesen. Zweck der Tafel sei, die Menschen nachdenklich zu machen. Man solle sich nicht nur erinnern, sondern einen Moment innehalten.

Unter dem Namen Frauen wie wir″ hängt die Gedenktafel auf der Rückseite des L& T Sporthauses direkt an der Hase.

Bildtexte:
" Frauen wie wir": Das Ehrenmal zur Erinnerung an die Hexenverfolkung ist zugleich ein Zeichen für die Gleichberechtigung der Frau.
Schlusspunkt des Sporthaus-Projektes: Bürgermeisterin Birgit Stangmann und Mark Rauschen enthüllen die Gedenktafel.
Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Merle Deeken


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