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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Aufschwung kommt nicht auf Kommando
 
Er bringt die Schulen ans Netz
 
In Twer steht der Atomstrom weiter hoch im Kurs
Zwischenüberschrift:
Waggonwerk Twer kann 100 Reisezugwagen pro Monat bauen, ist aber bei Weitem nicht ausgelastet
 
Der IT-Unternehmer Alexej Andreew
 
Energieagentur achtet vor allem auf stabile Preise
Artikel:
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Originaltext:
TWER. 100 Reisezugwagen könnte das Waggonwerk Twer jeden Monat bauen. Aber die Aufträge reichen nur für 58. Vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, waren es noch weniger. Dann kam Premierminister Putin, sah die Kurzarbeit und versprach neue Aufträge. Aber der Aufschwung kommt nicht auf Kommando.

Was VW für Osnabrück ist, ist Tverskoj Vagonostroitelnyj Zavod für die russische Partnerstadt. Seit 1889 werden auf dem Fabrikgelände an der Wolga Eisenbahnwaggons gebaut. Schon damals als Aktiengesellschaft und heute wieder, in einem Verbund mit großen Konzernen wie Siemens und Alstom.
7000 Mitarbeiter sind derzeit im größten Waggonwerk Russlands beschäftigt. Es waren schon einmal 12 000, wie Peter Gorelow, der stellvertretende Direktor, vorrechnet. Von 2003 bis 2008 wurde der Betrieb mit internationalem Kapital modernisiert. Roboter aus Deutschland, aber auch aus Schweden, lasern, bohren, sägen und schweißen vollautomatisch Profile für Karosserie und Innenausstattung der Personenwaggons.
Mit der Modernisierung stieg die Kapazität auf 1200 Reisezugwagen pro Jahr. Aber kann kam die Wirtschaftskrise und erwischte auch die russische Staatsbahn. Seitdem geizt sie mit Aufträgen. Auch die Nachfrage aus Lettland, Weißrussland, Kasachstan und der Ukraine konnte die Flaute nicht ausgleichen. Kürzlich hat Kuba ein paar Waggons geordert, wie Peter Gorelow vermerkt, und gelegentlich beliefert sein Betrieb auch afrikanische Eisenbahngesellschaften.
Das Waggonwerk ist stolz auf seine Neuentwicklung, einen modernen zweistöckigen Schlafwagen. Ein Prototyp des 5, 30 Meter hohen Waggons steht seit zwei Jahren auf dem Werksgelände, die Produktion ist noch nicht angelaufen. Soll sie aber demnächst: Für die Olympischen Spiele in Sotchi hat die Staatsbahn 50 Stück geordert. 2013 sollen sie ausgeliefert werden. Leider nur 50 Stück, verrät der Blick von Peter Gorelow.
Insgesamt habe sich die Situation aber schon verbessert, fügt der Vizedirektor hinzu. Das große Waggonwerk hat gelernt, auch kleine Aufträge zu schätzen: Mal sind es Waggons und technische Bauteile für die Moskauer Metro, Radsätze für Reisezugwagen oder Drehgestelle für andere Hersteller.
Peter Gorelow ist zuversichtlich, dass es bald wieder bergauf geht mit dem Waggonwerk Twer. Bei der russischen Staatsbahn müssten demnächst viele Züge ersetzt werden. Da winkten schon neue Aufträge für das Werk in Twer. Und wenn es gut laufe, könne auch wieder in zwei Schichten gearbeitet werden, in einigen Abteilungen sogar in drei Schichten.

Bildtexte:
Endmontage im Waggonwerk Twer: Hier werden die Batterien eingebaut. 58 Reisezugwagen verlassen im Monatsschnitt den Betrieb.
Hier wird noch von Hand geschweißt. Das ist die Ausnahme im Waggonwerk Twer. Überall stehen deutsche Roboter.
Das Vorzeigemodell ist ein neuer doppelstöckiger Schlafwagen, hier präsentiert von Vizedirektor Peter Gorelow.
Fotos:
R. Lahmann-Lammert

Twer: Osnabrücks russische Partnerstadt liegt 170 km nordwestlich von Moskau, hat etwa 405 000 Einwohner und ist Hauptstadt der Oblast Twer, einer Art Bundesland. Die Städtepartnerschaft besteht seit 20 Jahren.

Eindrücke aus der Wolgastadt

Heute erscheint der dritteTeil unserer Reportageserie über Osnabrücks russische Partnerstadt Twer. Drei Tage lang war unser Redakteur Rainer Lahmann-Lammert dort, um über seine Eindrücke vom Leben in derStadt an der Wolga zu berichten. Ein vierter Beitrag mit einem sozialen Schwerpunkt wird demnächst folgen. Weitere Reportagen über die Partnerstädte Osnabrücks sind geplant: Auf der Agenda stehen Çanakkale (Türkei), Derby (England), Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) und Vila Real (Portugal). Bereits erschienen sind Berichte über Haarlem (Niederlande), Angers (Frankreich) und Gmünd (Österreich).
Foto:
Rainer Lahmann-Lammert in Twer

TWER. Im Vorzimmer seines Büros hängt ein Foto, das ihn Hände schüttelnd mit Barack Obama zeigt. Über seinem Schreibtisch lächelt Henry Ford von einem Porträt herunter. Alexej Andreew ist IT-Unternehmer in Twer. Seine Mission heißt Ausbilden. Und damit beginnt er schon in den Schulen.
Alexej Andreew (51) ist Kooperationspartner von Microsoft. Sein Unternehmen bietet maßgeschneiderte Systemlösungen an. Zu seinen Kunden gehören das Waggonwerk, die Stadtverwaltung und das Atomkraftwerk, aber auch Banken und viele Schulen, die mit drahtlosen Internetzugängen ausgestattet werden.
300 Mitarbeiter sind bei Andreew Soft beschäftigt. Jeder Zweite von ihnen schult Kinder und Jugendliche im Umgang mit Computer und Internet. Wir haben ein eigenes Bildungszentrum″, sagt der IT-Unternehmer, der selbst Vater von vier Kindern ist. Andreew Soft bietet zum Beispiel Ferienlager an, in denen die Kids im Alter von 7 bis 17 lernen, mit Programmen wie Word, Excel oder Photoshop umzugehen. Bezahlt werden die Kurse von den Eltern, denn Alexej Andreew weiß, dass der Staat dafür kein Geld hat.
Auch mit den staatlichen Schulen würde der IT-Spezialist gern zusammenarbeiten. Mit viel Überzeugungsarbeit und Lobbying″, wie er es ausdrückt, hat es immerhin für ein Pilotprojekt gereicht, das in der Schule einer Kleinstadt für vier Jahre eingerichtet wurde. Falls der Staat Geld für eine Fortsetzung bewilligt, wird das Projekt ausgeschrieben. Ob seine Firma dann noch im Rennen ist, weiß der Unternehmer nicht. Wir gewinnen auch nicht jede Ausschreibung″, sagt er.
Alexej Andreew findet nicht, dass Unternehmern in Russland rote Teppiche ausgebreitet werden. Vor zehn Jahren habe es noch viele Neugründungen gegeben. Heute strebten die jungen Menschen doch mehr in staatliche Strukturen. Es ist schwieriger geworden, sich selbstständig zu machen″, resümiert Andreew. Und das hänge von der gesamten Politik ab.
Bleibt noch die Frage, wie der Unternehmer aus Twer mit Barack Obama aufs Foto gekommen ist. Alexej Andreew lacht: Das ist ein Fake. Das können schon die Kinder!

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Vor 20 Jahren hat Alexej Andreew in Twer sein IT-Unternehmen gegründet. Heute beschäftigt er 300 Mitarbeiter.

TWER. Deutschland steigt aus der Atomenergie aus. Und für das Kernkraftwerk Kalinin bei Twer wird jetzt ein vierter Block gebaut. In der Zeit von Gorbatschows Perestroika sollte es schon abgeschaltet werden. Die Energieagentur Twer verkauft den Strom an 1, 5 Millionen Einwohner, in einem Gebiet so groß wie Österreich.
Wir liefern den Strom bis in die Häuser″, sagt Peter Konyushenko (36), der Generaldirektor der Energieagentur. Die Netze seien in einem guten Zustand, weil die Kontrollen sehr streng sind″. Schon vor 60 Jahren, also zu Sowjetzeiten, wurde das Unternehmen gegründet. Seit 2006 ist es als Aktiengesellschaft organisiert, alles privat″, wie der Energiemanager betont, aber mit einem Gebietsmonopol.
Seine Hauptaufgabe sieht Konyushenko darin, den Strompreis stabil zu halten. Privatkunden zahlen für die Kilowattstunde 2, 87 Rubel, das sind etwa 7 Cent. In Deutschland kostet der elektrische Saft fast das Vierfache.
Hauptlieferant ist das Atomkraftwerk Kalinin, das zu Twer gehört und etwa 150 km entfernt ist. Ein kleinerer Teil kommt aus dem Wasserkraftwerk Konakovo.
Generaldirektor Konyushenko bekennt auf Anfrage, dass die Atomenergie wohl nicht die Energie der Zukunft sei. In Russland werde auch schon ein ganz bisschen″ über mögliche Risiken diskutiert, aber die Bevölkerung achte vor allem auf die Preise. Schon deshalb werde es in absehbarer Zeit bei der Kernkraft bleiben.

Bildtext:
So groß wie Österreich ist das Gebiet, das die Energieagentur beliefert. Das Foto zeigt Generaldirektor Peter Konyushenko.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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