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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Als Sutthausen Teil der Stadt wurde
Zwischenüberschrift:
Beginn der Gebietsreform vor 50 Jahren: Osnabrück erhält einen neuen Teil
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück In den 1960er-Jahren wurde immer dringlicher diskutiert, die Gemeindegrenzen neu festzulegen. Kleine Landgemeinden waren oft nicht in der Lage, die stürmischen Entwicklungen angemessen zu gestalten. Das Oberzentrum Osnabrück hingegen sah sich durch die Raumenge in seinen Entwicklungsmöglichkeiten beschnitten. In einem ersten Schritt bescherte die niedersächsische Gebiets- und Verwaltungsreform Osnabrück vor 50 Jahren Zuwachs: Sutthausen wurde am 7. März 1970 ein Stadtteil Osnabrücks.

Sonderrolle

Dabei spielte Sutthausen insofern eine Sonderrolle, als der Anschluss zwei Jahre eher erfolgte als bei den übrigen Randgemeinden Atter, Darum, Gretesch, Hellern, Lüstringen, Nahne, Pye und Voxtrup. Warum war das so? Auskunft geben kann Alfons Worpenberg. Der heute 83-Jährige saß ab 1968 für die CDU im Gemeinderat von Holzhausen, zu dem Sutthausen zu der damaligen Zeit noch gehörte, und nahm an den Verhandlungen teil.

Ich war damals das jüngste Ratsmitglied und habe sicherlich nicht alle Hintergrundgespräche der alten Hasen″ mitbekommen, aber so viel war wohl klar: Treiber war die sich formierende Großgemeinde und spätere Stadt Georgsmarienhütte″, sagt Worpenberg.

Das Stahlwerk in Alt-Georgsmarienhütte dehnte sich weiter in Richtung Oesede aus, die alten Kommunalgrenzen wurden hinderlich. Gleichzeitig wuchs die Sorge vor einer zu großen Abhängigkeit von nur einem Arbeitgeber. Alternative Gewerbeansiedlungen in den Dütetal-Gemeinden schienen kaum möglich. Anders in Harderberg mit viel Freiraum und günstiger Verkehrsanbindung. Und so einigten sich die Kommunalpolitiker der sechs Nachbargemeinden Georgsmarienhütte, Oesede, Kloster Oesede, Holsten-Mündrup, Harderberg und Holzhausen Anfang 1970 auf einen Zusammenschluss.

Holzhausen war allerdings ein Sonderfall: Der südliche Teil, also das eigentliche alte Holzhausen, strebte ganz klar zur Hütte″, so Worpenberg. Dabei mögen die Verlockungen des starken Gewerbesteuerzahlers, der die Hütte damals auf jeden Fall war, eine Rolle gespielt haben. Der nördliche Teil, also unser Sutthausen, tendierte hingegen aufgrund alter Wirtschafts- und Verkehrsverbindungen zu Osnabrück.″

Es gab natürlich den Haken, dass Osnabrück wie die meisten Großstädte arm war. Die Pro-Kopf-Verschuldung in Osnabrück war wohl zehnmal so hoch wie die in Holzhausen. Andererseits fehlte in dem ländlich geprägten Holzhausen vieles an Infrastruktur, was für eine Großstadt selbstverständlich war. Da bot der Gebietsänderungsvertrag die Chance, der Stadt manches abzutrotzen.″

Der Vertrag vom 30. Dezember 1969 regelt in 16 Paragrafen den Übergang Sutthausens in die Stadt Osnabrück. Weitgehend verbindlich wird darin der Anschluss an die Frischwasserversorgung der Stadtwerke und an die Abwasserkanalisation festgeschrieben, die Schaffung des Sportplatzes am Ernst-Stahmer-Weg zugesagt und der zügige Ausbau der Kreisstraße 1 nach Hagen (Hermann-Ehlers-Straße/ Sutthauser Straße) gewährleistet. Regenwasserkanalisation, Straßenbeleuchtung, Hauptschule und Erweiterung der Friedhofskapelle sind weitere Punkte.

Alfons Worpenberg gehörte dem Übergangsortsrat für Sutthausen bis 1972 an, dann wurde er in den Rat der Stadt gewählt. Die Stadt tat sich in den ersten Jahren sehr schwer, die gemachten Zusagen auch umzusetzen. Wir Sutthauser mussten immer wieder bohren″, sagt der Ehrenringträger der Stadt, der bis 1991 Ratsmitglied und bis 2002 Ortsbürgermeister für Sutthausen war. Sein Rückblick fällt versöhnlich aus: Das Zusammengehen mit Osnabrück war richtig. Alles andere wäre ein Fehler gewesen.″

Schön wäre es ja, wenn man die historische Beziehung Sutthausens auf Osnabrück auch aus dem Namen sudhusen″, also Südhausen″, herleiten könnte. Wenn man Sutthausen schon seit dem 13. Jahrhundert als den südlich der Stadt gelegenen Ort bezeichnete, dann wurde also vor 50 Jahren alles richtig gemacht, als man zusammenwachsen ließ, was zusammengehört? Nein, sagen die Historiker, so darf man das wohl nicht sehen. Die Gutshöfe in Südhausen″ bezogen sich ebenso wie die Nordhaus-Höfe in Hellern auf den etwa in der Mitte liegenden Siedlungskern der Bauerschaft Hörne, den alten Meierhof auf dem Gesmoldsberg.

Historische Schätze

Sei′s drum, heute bereut wohl niemand mehr, dass Osnabrück mit dem 7. März 1970, dem offiziellen Beitrittsdatum, einen Stadtteil mit 3700 Einwohnern, landschaftlich hübsch eingebundenen Wohngebieten, aufstrebenden Gewerbegebieten und reicher kultureller Vergangenheit hinzugewann. Gleich drei historische Schwergewichte zeichnen Sutthausen aus: Der Wulfter Turm aus der Zeit um 1300 ist letzter steinerner Zeuge der Landwehr, die Osnabrück einst umgab. 1147 wird Gut Wulften erstmals erwähnt, die heutige Anlage des Barockschlosses wurde 1684 errichtet. Und schließlich das Schlossgut Sutthausen, 1283 bezeugt, von dem das barocke Herrenhaus von 1696 erhalten ist. Es bildet heute als Berufsfachschule Marienheim mit der neugotischen Schlosskapelle von 1894, der Wassermühle von 1589 und dem weitläufigen Park ein attraktives Ensemble.

Sutthausen feiert

Die adligen Gutsbesitzer auf Wulften und Sutthausen beherrschten und verwalteten noch bis ins 19. Jahrhundert den ganzen Bezirk. Erst durch die Gemeinde- und Kreisreform von 1850 im Königreich Hannover wurde deren Vorherrschaft beendet. Zu dieser Zeit entstand die politische Gemeinde Holzhausen mit den Ortsteilen Holzhausen und Sutthausen. Über die Jahrzehnte wuchs Holzhausen mit 6650 Bürgern zur drittgrößten Gemeinde im Kreis Osnabrück heran. Der Gemeindedirektor erledigte die Gemeindegeschäfte von seinem Hof aus. Erst nach dem letzten Krieg gab es bescheidene Mieträume in der Straße Im Erlengrund.

1963 hatte man die Mittel zum Bau eines vergleichsweise repräsentativen Rathauses zusammengebracht. Es entstand neben dem Sutthauser Bahnhof an der heutigen Hermann-Ehlers-Straße 61 etwa in der Mitte der Gemeinde und sollte als neues Zentrum wohl auch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Holzhausener stärken. Die Verwaltung mit Gemeindebücherei, Leseraum und einem Erste-Hilfe-Raum zog ein, und auch der Feuerlöschverband Holzhausen-Ohrbeck bekam endlich angemessene Bereitschaftsräume und Garagen. Wenn man 1963 geahnt hätte, dass bereits sieben Jahre später die Großgemeinde Holzhausen ein Ende haben würde, hätte man sich den Kraftakt von fast einer halben Million DM vermutlich erspart. Heute nutzt neben der Feuerwehr die evangelisch-lutherische Apostel-Kindertagesstätte das Haus.

Am kommenden Wochenende feiert Sutthausen die 50 Jahre seiner Zugehörigkeit zur Stadt. Der sehr rührige Bürgerverein unter seinem Vorsitzenden Friedrich H. Petersmann ist Initiator eines bunten Nachmittags am 8. März ab 15 Uhr im HHO-Saal, Industriestraße 17, auf dem auch Alt-Bundespräsident Christian Wulff sprechen wird. Bereits am 6. März geben Stadt und Bürgerverein im Friedenssaal des Rathauses ab 17 Uhr einen Empfang. Die niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU) hat ihr Kommen zugesagt.

Bildtexte:
Kulturelle Schätze aus der fast 900-jährigen Geschichte Sutthausens schmücken seit 1970 auch die Stadt Osnabrück wie etwa Schloss Wulften (oben) und der Wulfter Turm (unten links). Das Rathaus der Altgemeinde Holzhausen (unten Mitte) wurde 1964 in Nachbarschaft des Sutthauser Bahnhofs eingeweiht. Mit der Aufteilung Holzhausens 1970 verlor es seine Hauptfunktion. Die Verhandlungen über die Eingemeindung hat Alfons Worpenberg als jüngstes Mitglied des alten Holzhausener Gemeinderates damals miterlebt.
Das Rathaus der Altgemeinde Holzhausen wurde 1964 in Nachbarschaft des Sutthauser Bahnhofs eingeweiht. Mit der Aufteilung Holzhausens 1970 verlor es seine Hauptfunktion.
Fotos:
Fotoflug Schürmann, Hans Hasekamp, Archiv/ Kurt Löckmann, Bürgerverein Sutthausen, Archiv NOZ.
Autor:
Joachim Dierks


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