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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nach tödlichem Unfall: Stadt baut Radwege
 
Pagenstecherstraße wird Vorzeige-Radroute
Zwischenüberschrift:
Nach Tod von junger Radfahrerin / Große Mehrheit im Rat sicher
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Eine der wichtigsten Einfallstraßen Osnabrücks wird in den nächsten Jahren umgebaut. Die Pagenstecherstraße soll auf beiden Seiten breite Radwege erhalten. Dafür müssen die Parkstreifen entfallen und einige Bäume gefällt werden. Das sieht ein Antrag von CDU/ BOB und Grünen zur nächsten Ratssitzung vor. Eine Mehrheit im Rat zeichnet sich ab, da sich auch die SPD für einen Umbau der vierspurigen Straße ausgesprochen hat. Im Januar war eine 18-jährige Schülerin auf einem kombinierten Rad-Gehweg an der Pagenstecherstraße gestürzt und unter einen Lastwagen geraten. Der Radweg entlang der vierspurigen Straße ist nur einen Meter breit. Die Verwaltung solle das Pagenstecher-Projekt vordringlich bearbeiten, so CDU-Chef Fritz Brickwedde. Im April könnten erste Skizzen vorliegen.

Osanabrück Der Tod einer 18-jährigen Radfahrerin auf der Pagenstecherstraße hat Konsequenzen: Die wichtige Einfallstraße soll auf ganzer Länge neue, breite Radwege erhalten. CDU/ BOB und Grüne sind bereit, dafür Parkplätze und Bäume zu opfern.

Es muss etwas passieren an der Pagenstecherstraße darüber sind sich die großen Fraktionen einig. Es bahnt sich für die Ratssitzung am Dienstag, 17. März, eine breite Mehrheit für einen groß angelegten Umbau der vierspurigen Einfallstraße an. Die SPD und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) stellten am Wochenende Entwürfe für eine radfahrtaugliche Pagenstecherstraße vor. Parallel dazu stimmten sich CDU/ BOB und Grüne über einen Ratsantrag ab.

Schwarz-Grün fordert darin den Bau von zwei Meter breiten Radwegen beiderseits der Straße. Und das möglichst schnell. Dabei müsse auch der umfassende Verzicht auf öffentliche Parkflächen geprüft″ werden, wie es im Ratsantrag heißt. Auch Bäume und Bewuchs sollen, soweit nötig, den Radwegen weichen.

Den Anstoß gab der schlimme Unfall im Januar, als eine 18-jährige Schülerin auf dem kombinierten Rad-Geh-Weg stürzte und unter einen Lastwagen geriet. CDU-Chef Fritz Brickwedde will den Vorstoß nicht als Antwort auf den Unfall verstanden wissen, weil dessen Ursache bis heute nicht geklärt ist. Aber der Tod der Schülerin habe die Aufmerksamkeit auf die kritische Situation an der vierspurigen Straße gelenkt.

In der ersten Fraktionssitzung nach dem Unglück stellte CDU-Radpolitiker Marius Keite seine Ideen für die Umgestaltung der Pagenstecherstraße vor. Brickwedde trug die Ideen am nächsten Tag in den Verwaltungsausschuss. Gleichzeitig nahm die CDU/ BOB-Fraktion Kontakt mit den Grünen auf. Wir haben einen Ortstermin gemacht und sind die Straße mit dem Rad abgefahren″, erzählte Brickwedde unserer Redaktion.

Der Radweg ist nur einen Meter breit und bietet Radfahrern wenig Sicherheit. Lastwagenfahrer müssten auf die linke Spur wechseln, um Radler im vorgeschriebenen Abstand von 1, 5 Metern überholen zu können. Aber das macht keiner. Auch der Pkw-Parkstreifen birgt Risiken: Beim Rangieren kommen sich Auto und Radler manchmal zu nahe, und sehr breite Autos ragen wenn sie nicht optimal eingeparkt sind in den Radweg hinein.

CDU/ BOB und Grüne sind sich einig, dass die Parkstreifen nicht unbedingt gebraucht werden, weil alle Gewerbebetriebe an der Pagenstecherstraße eigene Stellpätze auf ihren Grundstücken haben. Die Parkstreifen befinden sich alle auf öffentlichem Grund. Ein wenig Bedauern kommt bei den Grünen auf, dass wohl einige alte Bäume geopfert werden. Aber wir müssen abwägen, was uns wichtiger ist″, so Grünen-Fraktionschef Volker Bajus. Sicher sei: Jeder Baum, der wegmuss, wird durch eine Neuanpflanzung ersetzt.″

Die schwarz-grüne Rad-Koalition will, dass die Verwaltung die Pagenstecherstraße jetzt prioritär″ behandelt, wie es im Antrag heißt. Bei den Planungen sei es wichtig, die Anlieger und die betroffenen Interessenvertretungen wie die IHK und andere einzubeziehen, so Marius Keite.

Das Geld für die Radwege ist da. Die Fraktionen stockten 2018 einvernehmlich die Mittel für den Radwegebau für die folgenden Jahre auf jeweils eine Million Euro auf. Die Verwaltung hat die 2019er-Mittel noch nicht vollständig ausgegeben, weil es an Personal zur planerischen Umsetzung mangelte. Wir haben das Geld und zusätzliches Personal bereitgestellt″, sagt Brickwedde, jetzt muss die Verwaltung liefern.″

Stadtbaurat Frank Otte will zur nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 16. April erste Skizzen mit dickem Bleistift″ vorlegen. Er ließ gestern im Gespräch mit unserer Redaktion die Bemerkung fallen, dass er seine Leute schon beauftragt habe, bevor Forderungen aus der Poltik laut wurden. Wir sind da schon lange dran″, so Otte. Ihm schwebt ein breiter Radweg mit Flachbord wie bei der Protected Bike Lane″ am Heger-Tor-Wall vor. Für einen geschützten Radweg dieser Güte fehlt an der Pagenstecher aber der Raum.

Bildtexte:
Für Radfahrer nicht ungefährlich: die Pagenstecherstraße (auf Höhe der Klöcknerstraße).
Das soll sich niemals wiederholen: Blumen und Kerzen erinnern an der Pagenstecherstraße an die junge Osnabrückerin, die hier tödlich verletzt wurde.
Bislang eine klassische Autostraße: Die Pagenstecherstraße in Osnabrück.
Fotos:
Archiv/ Jörn Martens

Kommentar
Der schwarz-grüne Fahrradkonsens

Die Pagenstecherstraße ist die Autostraße Osnabrücks schlechthin: vierspurig, gesäumt von Autohäusern und einst Schauplatz des Car-Freitags, einer Show aufgemotzter Schlitten. Wie sich die Zeiten ändern. Nun wird die Page″ radgerecht gemacht, und CDU/ BOB und die Grünen schwingen sich gemeinsam in den Fahrradsattel. Der schwarz-grüne Fahrradkonsens zur Pagenstecherstraße sendet zwei Signale aus, die weit über diesen konkreten Einzelfall hinaus ausstrahlen.

Das verkehrspolitische Signal: Die neue Pagenstecherstraße kann zum Muster für andere Hauptverkehrsstraßen in Osnabrück werden. Was sich dort bewährt, kann gewiss auch die Sicherheit auf dem Wallring, der Hannoverschen oder der Mindener Straße erhöhen. Der Anfang ist gemacht.

Das gesellschaftliche Signal: Es ist bemerkenswert, dass die CDU/ BOB-Fraktion zunächst die Grünen angesprochen hat, um im Rat eine Mehrheit zusammenzubringen. Die SPD, die kaum minder vehement für die Verbesserung des Radverkehrs eintritt, bleibt zunächst außen vor. CDU-Chef Fritz Brickwedde will dieses Vorgehen ausdrücklich als Signal in die Stadtgesellschaft″ verstanden wissen. Das Signal ist: Schwarz und Grün können miteinander, und sie sind zu Kompromissen fähig, wenn es um das große Ganze geht. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass 2021 Kommunalwahlen anstehen.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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