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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
An diesem Samstag endet die Ära Real in Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Fast alles leer: Letzte Chance, beim Schlussverkauf zuzuschlagen / Einige Kunden benehmen sich daneben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Für die Kunden und einen großen Teil der Mitarbeiter wird der Osnabrücker Real-Markt an der Carl-Fischer-Straße an diesem Samstag, 29. Februar, das letzte Mal seine Türen öffnen. Doch schon in den Tagen davor erinnert im Inneren des Marktes nur noch wenig an einen Supermarkt.

Nein, wirklich leer sind die Regale im Real nicht. Allerdings auch nur deshalb, weil kaum noch welche auf der etwa 5000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche stehen. Anders ausgedrückt: Wer Endzeitstimmung mag, ist hier genau richtig. Kabel hängen von der Decke, auf dem Boden ist teilweise noch zu erkennen, wo einst die Gänge zwischen den Tausenden Waren verlaufen sind.

Nun können die Besucher nur noch Schnäppchen machen: Lebensmittel, Küchenutensilien, Hygieneprodukte, Kleidung, Spirituosen werden mit Rabatten oder heruntergesetzt verkauft. Es sind allerdings nur noch die Reste, die sich hier finden: Ausgesuchte Schreibwaren, Kerzen oder Brennpaste. Etwas Spielzeug, einige Getränke, mehrere Dutzend Paletten-H-Milch, ein paar Käseprodukte und auch die Obst- und Gemüseabteilung füllt nur noch eine kleine Ecke in dem Laden.

Fatalistische Stimmung

Die angegliederten Geschäfte haben teilweise noch geöffnet und weisen auf den letzten Öffnungstag am Samstag hin. Andere, wie das Reisebüro, sind schon umgezogen. Ein großer Teil der Angestellten wird nach diesem Samstag auf andere Filialen verteilt werden, wie unsere Redaktion bereits in der Vergangenheit berichtete.

Die Real-Mitarbeiter sind derweil mit dem Abbau der Regale beschäftigt oder an den Kassen dabei, die Waren nebst Vergünstigungen einzuscannen. Die Stimmung ist fatalistisch: Wir wussten es ja schon länger″, sagt eine, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Zudem konnte in Osnabrück anders als in den meisten anderen deutschen Real-Märkten für die festangestellten Mitarbeiter ein Sozialplan vereinbart werden. Und der gäbe eine gewisse Sicherheit.

Im vergangenen November wurde bekannt gegeben, dass der Real in Osnabrück geschlossen wird. Die monatelangen Verhandlungen zwischen der Metro AG und den Interessenten zerrten auch in Osnabrück an den Nerven. Doch laut einer Mitarbeiterin des Marktes gehört der Osnabrücker Markt nicht zu den vom Finanzinvestor SCP übernommenen Märkten. Tatsächlich gehören nur die Immobilien von 60 Real-Märkten der Metro Properties, dem Immobilienunternehmen der Metro. Der Rest ist oder war gemietet″, sagt ein Sprecher der Presseabteilung von Real. So auch die Immobilie in Osnabrück.

Das bestätigt ein Mitarbeiter der Firma der Gebrüder Viehof in Mönchengladbach: Besitzer des Gebäudes war bis zum Verkauf eine Leasinggesellschaft aus München, an der die Gebrüder Viehof Beteiligungen haben. Wer die Immobilie an der Carl-Fischer-Straße 1 gekauft hat, verrät er jedoch nicht. Zum Hintergrund: Eugen Viehof gründete im Jahr 1968 die SB-Warenhauskette Allkauf und sein Sohn Michael war 1997 vor Ort, als hier der Real-Vorgänger Allkauf eröffnet wurde.

An dem Tag herrschte großes Gedränge in der Carl-Fischer-Straße 1. Michael Viehof war stolz auf das neue Gebäude, denn unter dem Namen Allkauf war der Supermarkt schon länger am Huxmühlenbach in Osnabrück heimisch. Doch man wollte es größer haben, investierte 30 Millionen Deutsche Mark und bezog im November dann die 6000 Quadratmeter große Verkaufsfläche.

5000 der Quadratmeter dienten dem Supermarkt, 1000 wurden an Konzessionäre wie einen Bäcker, einen Schlüsseldienst, eine Eisdiele und sogar eine Filiale der Commerzbank untervermietet.

Allkauf als Supermarktkette ist allerdings längst schon wieder Geschichte: Eugen Viehof verkaufte sie 1998 an die Metro AG. Im Zuge der Übernahme wurden die Namen der Supermärkte nach und nach in ganz Deutschland durch Real ersetzt.

Seit 2018 will sich der Mutterkonzern Metro von seiner Tochter Real trennen. Doch erst nach monatelangem Verhandeln einigten sich Metro und der Finanzinvestor SCP im Februar 2020 auf den Verkauf. Ein Großteil der 276 Real-Märkte soll an Wettbewerber wie Kaufland, Globus oder Edeka verkauft werden. Nur ein Kern von 50 Filialen soll noch 24 Monate unter dem Namen Real weitergeführt werden. Rund 30 Filialen sollen mangels Zukunftsperspektiven geschlossen werden.

Für viele der 10 000 Real-Mitarbeiter endet mit dem Verkauf die Hängepartie nicht: Der Weiterverkauf jeder Filiale muss vom Bundeskartellamt geprüft werden, daher kann es noch dauern, bis Klarheit über die Arbeitsplätze herrscht. Anders sieht es in Osnabrück aus: Da der Markt nicht zur Verkaufsmasse gehörte, herrschte schneller Klarheit, und es konnte verhandelt werden, sagt Bianka Haller, Betriebsratsvorsitzende des Osnabrücker Real-Markts. Sie ist sich sicher: Wir haben für uns und unsere Kollegen das Beste aus dem Sozialplan herausgeholt″, sagte.

Emotionen kommen hoch

Trotzdem: Die letzten Tage zehren auch emotional an den Mitarbeitern. Zur Trauer über den Verlust ihres gewohnten Arbeitsplatzes komme Wut über das Verhalten einiger Marktbesucher. Ein großer Teil der jetzigen Kunden guckt nur noch, was sie günstig mitnehmen können. Das kann ich verstehen. Aber dass einige dann noch versuchen zu betrügen oder sogar unhöflich werden, weil ihnen die Rabatte nicht ausreichen, da hört mein Verständnis auf″, sagt eine Mitarbeiterin, die gerade auf dem Weg in den Feierabend ist.

Sie berichtet von Frischfleisch, das in eine mit Centbeträgen markierte Schachtel eines ganz anderen Produktes umgepackt″ wurde. Und von einer Kollegin an der Kasse, die von einem wütenden Kunden eine Mülltüte an den Kopf geworfen bekam, weil diesem die Preise zu hoch erschienen. Diese Leute sind nicht unsere Stammkunden″, sagt sie. Die kämen auch, aber blieben höflich, äußerten ihr Bedauern und hätten sogar zugesagt, noch einmal am letzten Öffnungstag vorbeizuschauen. Das habe sie gerührt.

Ich habe am Samstag eigentlich frei. Aber ich komme vorbei, denn ich will dabei sein, wenn hier die Lichter ausgehen″, sagt Bianka Haller. Am Samstag schließt der Markt um 20 Uhr seine Türen dann werden die Kassen heruntergefahren, und Real in Osnabrück ist Geschichte.

Bildtexte:
Was bleibt, 23 Jahre nach der Eröffnung von Allkauf in Osnabrück? Im Real-Markt finden sich an den letzten Tagen leere Regale, traurige Mitarbeiter und teilweise auch unverschämte Kunden.
Fotos:
Corinna Berghahn, Archiv/ Gert Westdörp

Metro und Real

Real war zuletzt das Sorgenkind bei dem Düsseldorfer Handelsriesen Metro und hatte im Geschäftsjahr 2018/ 19 für rote Zahlen gesorgt. Die meist auf der grünen Wiese gelegenen Hypermärkte litten seit Jahren unter den veränderten Einkaufsgewohnheiten in Deutschland. Immer öfter ließen die Kunden die Hypermärkte links liegen und kauften lieber in Supermärkten und bei Discountern in ihren Wohnvierteln.
Autor:
Corinna Berghahn, dpa


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