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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Woher die Ghostbikes kommen
Zwischenüberschrift:
Mahnmale an Straßen erinnern an getötete Fahrradfahrer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück An diversen Orten in Osnabrück erinnern Ghostbikes an im Straßenverkehr tödlich verunglückte Radfahrer. Dabei hoffen die Aufsteller jedes Mal, dass es das letzte Rad ist, das sie organisiert und gestrichen haben.

Mittlerweile sind es acht weiße Räder, die in Osnabrück an im Straßenverkehr getötete Radfahrer erinnern. Zwei allein stehen an der einstmals als Todeskreuzung″ bezeichneten Ecke Kommenderiestraße/ Johannistorwall. Das erste wurde 2014 aufgestellt, das vorerst letzte im Januar an der Pagenstecherstraße, nachdem dort eine 18-jährige Radfahrerin auf die Straße stürzte, von einem Lkw überrollt wurde und im Krankenhaus verstarb. 2014 stand die Stadt Osnabrück den weißen Mahnmalen noch ablehnend gegenüber. Diese Skepsis währte allerdings nicht lange, und die Stadt gab grünes Licht für die weiß gestrichenen Räder.

Die Idee der Ghostbikes zu Deutsch Geisterräder stammt aus den USA. Die weiß lackierten Räder werden in der Nähe von Unfallstellen aufgestellt, um dort an die Opfer zu erinnern und zur Aufmerksamkeit aufzurufen. Besonders viele von ihnen stehen in Berlin. Aufgestellt werden sie dort vom örtlichen ADFC. Dieser hat aufgrund der vielen Unfälle sogar ein weißes Rad auf Vorrat, so Mitglied Nikolas Linck: Es ist traurig, aber wir wissen: Der nächste Unfall kommt bestimmt.″ Bis zum 14. Februar kamen allein 2020 in der Hauptstadt fünf Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben.

Die Berliner Ghostbikes bleiben immer für zwei Jahre an der Unfallstelle stehen, danach werden sie entweder eingelagert oder, und das ist häufiger der Fall, neu gestrichen und gemahnen an der nächsten Unfallstelle an einen Radfahrer. Die Berliner Ghostbikes werden über Spenden und den Fahrrad-Club finanziert.

In Osnabrück kümmert sich der Osnabrücker Fahrrad-Blogger Daniel Doerk seit 2014 um das Aufstellen der Räder. Unterstützt wird er dabei ebenfalls vom hier ansässigen ADFC. Die Räder selbst werden gespendet, meist handelt es sich um alte, nicht mehr fahrtüchtige Exemplare. Farbe und Schloss kommen dann von mir″, so Doerk. Er weiß, an wen er sich wenden kann, wenn ein tödlicher Unfall passiert ist: Das Rad an der Pagenstecherstraße stammt von der Radstation am Bahnhof.″ Die Räder werden von ihm und oftmals auch Mitstreitern gestrichen und dann gemeinsam zum Unfallort gebracht.

Anders als in Berlin werden die Räder nicht nach einem gewissen Zeitpunkt entfernt. Sollten sich aber Angehörige bei uns melden, die damit nicht einverstanden sind, kommt es selbstverständlich weg.″ Bis dato sei das aber noch nicht vorgekommen.

Im Gegenteil: Für Familie und Freunde der Verstorbenen werden die Ghostbikes eine Art Anlaufstelle für die Trauer: Sie stellen hier Blumen ab, Kerzen auf und hinterlassen Briefe. Eine entscheidende Sache ist ebenfalls anders als in Berlin: Wir haben kein Rad auf Vorrat. Das ist eine bewusste Entscheidung, denn wir hoffen bei jedem Unfall, dass es wirklich der letzte war″, sagt Daniel Doerk.

Bildtext:
Das an der Pagenstecherstraße in Osnabrück aufgestellte Ghostbike zum Gedenken an eine 18-jährige Frau, die von einem Lkw überrollt wurde und verstarb.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Corinna Berghahn


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