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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Mit Fahrrädern und Nähmaschinen fing es an
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Dieses Autohaus prägte Osnabrück: Mercedes Patberg gab es von 1901 bis 2002
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Firmen Daimler und Benz gelten als die ältesten Kraftfahrzeughersteller der Welt. Ihre Produkte konnte man in Osnabrück bei Wilhelm Patberg kaufen, einem der ersten Autohändler in der Stadt. Die Firma Patberg blieb bis 2002 eigenständig. Dann ging sie im Firmenverbund Beresa auf.

Als Wilhelm Patberg im Februar 1900 seinen Laden in der Möserstraße eröffnete, dachte er vermutlich noch gar nicht an Automobile. In der Außenwerbung empfahl er sich für Fahrräder und Nähmaschinen. Er verkaufte nicht nur. Er nannte sich Mechaniker″ und reparierte auch alles, was ihm in den Laden geschoben wurde, vorzugsweise Erzeugnisse der Dürkopp-Werke in Bielefeld.

Bei der Handelsregistereintragung im Juni 1901 ist allerdings schon vom Handel mit motorangetriebenen Fahrzeugen″ die Rede. Ab 1908 kooperierte Patberg mit dem Importeur für amerikanische Ford-Autos. Die ersten Exemplare des legendären Ford T-Modells″ auf Osnabrücks Straßen waren durch seine Hände gegangen.

Wilhelm Patberg war mutig genug, sich auch selbst hinter das Steuer zu setzen. Die Führerscheinprüfung″ absolvierte er auf der Freifläche vor dem Domportal. In sicherer Deckung stand ein Schutzmann und beobachtete misstrauisch das Manöver Patbergs, mit der Benzinkutsche rückwärts eine Acht zu fahren. Als das gelang, bekam er vom Schupo eine Bescheinigung ausgehändigt, die ihn zum Führen von Kraftfahrzeugen berechtigte.

Schieben am Harderberg

Vom heutigen Komfort war man damals indessen noch sehr weit entfernt. Zum Starten des Motors musste der Lehrling antreten, um die Anlasserkurbel zu bedienen. Vor Überlandfahrten verpackte man sich in dicke Bärenfelle, nahm acht Reserveschläuche und etliche Reservedecken an Bord, schnallte mehrere Zusatzkanister mit Brennstoff aufs Trittbrett, kontrollierte die Handluftpumpe und nahm Abschied von seinen Lieben. Wenn das Ziel Bielefeld war, musste am Harderberg der Beifahrer aussteigen und schieben. Denn die Steigung war zu viel für das schwache Motörchen.

Patbergs Verbindung mit dem guten Stern auf allen Straßen″ geht auf das Jahr 1910 zurück, als er begann, Mercedes-Automobile der Daimler-Motorengesellschaft zu verkaufen. Er nahm einen Teilhaber auf, die Firma lautete Patberg & Brandhorst.

Das Glück über die neue Geschäftsverbindung währte aber nur kurz. Im August 1914 wurde Wilhelm Patberg zum Kriegsdienst eingezogen. Das verbleibende Personal, ein Geselle und ein Lehrling, konnte alleine nichts ausrichten. Wilhelm schloss den Laden und die Werkstatt ab und übergab seiner Mutter die Schlüssel. Das Geschäft blieb über die Kriegsjahre eingemottet. Vier Jahre später kehrte er körperlich unversehrt von der Front zurück, holte sich die Schlüssel bei der Mutter ab, schloss wieder auf und machte weiter, jetzt zusammen mit seinem Bruder Hermann. Auf dem Ladenschild stand nun Gebrüder Patberg″.

Aber auch diese Verbindung war nicht von langer Dauer. Hermann Patberg machte nach der Trennung mit einer kleinen Reparaturwerkstatt weiter, während Wilhelm Patberg mit dem Neuwagenverkauf erfolgreich durchstartete. 1928 bekam er die offizielle Vertretung der inzwischen fusionierten Daimler-Benz AG für den Regierungsbezirk Osnabrück übertragen. 1938 standen 60 Mitarbeiter auf der Lohnliste.

Der alte Betrieb an der Möserstraße 34 war längst zu klein geworden. Der neue Standort an der Bohmter Straße 64, dicht an den Bahngleisen der Bremer Brücke, bot viel Platz und die Möglichkeit, an mehr als zehn Fahrzeugen gleichzeitig zu arbeiten.

Im September 1944 wurde der Betrieb vollständig zerstört. Nach dem Krieg musste es schnell weitergehen, denn es gab jede Menge reparaturbedürftiger Lkw. Der Wiederaufbau der Bohmter Straße konnte nicht abgewartet werden. Wilhelm Patberg fand eine Interimslösung an der Weserstraße 17. Dort stand die Halle des Fahrzeugbaubetriebs Gebrüder Grötschel leer, der Chef war noch nicht aus der Gefangenschaft zurück. Im Vergleich zur Bohmter Straße war dort alles viel kleiner″, erinnert sich der heute 91-jährige Kfz-Meister Franz Steinkamp, der 1953 bei Patberg anfing, es gab nur eine lange Grube darin. Der zweite Lkw, der reinkam, musste draußen auf dem Hof repariert werden.″

Die Vollendung des Wiederaufbaus an der Bohmter Straße bekam Wilhelm Patberg nicht mehr mit. Er starb kurz vorher, im April 1955, im Alter von 87 Jahren. Erben waren Neffe Kurt Schwarznecker, der seit 1945 die Geschäfte mit leitete, und Nichte Ilse Hoffmann, die 1958 als Prokuristin einstieg.

Die Wirtschaftswunderjahre bescherten der Firma einen steilen Aufstieg. An der Bohmter Straße gab es keine Erweiterungsmöglichkeiten. Auslagerungsstandorte wurden erwogen. 1961 war eine Fläche neben den britischen Sportplätzen an der Oldenburger Landstraße gegenüber von Coca-Cola-Heydt der Favorit, diese Lösung kam dann aber doch nicht zustande.

1962 fiel die Entscheidung zugunsten des Blumenhaller Wegs. Direkt neben VW-Starke und verkehrsgünstig an der Auffahrt zur geplanten E 8, der heutigen Autobahn 30, gelegen, sicherte sich Patberg + Co. dreieinhalb Hektar auf Zuwachs″.

1967 zog der Reparaturbetrieb für Lkw und Busse ein. In weiteren Bauabschnitten folgten ab 1971 Pkw und Verwaltung. Ausstellungsräume, die vorübergehend am Berliner Platz angemietet worden waren, kamen ab 1981 auch zum Blumenhaller Weg. Filialbetriebe in Melle und Lengerich, später auch Fürstenau, Ibbenbüren, Bramsche und Osnabrück-Atter traten hinzu. Mit mehr als 300 Mitarbeitern erzielte Patberg 1998 einen Umsatz von 250 Millionen DM.

Übergang an Beresa

Anfang 1999 übernahm Patberg den Lkw-Nutzfahrzeug-Betrieb des Autohauses Hansmann, bevor dann der letzte Akt in der Firmengeschichte eingeläutet wurde: Die altersmäßig vorgerückten Gesellschafter verkauften in Stufen ihre Anteile an einen Finanzinvestor und an den Münsteraner Händler-Kollegen Beresa. Nach 32 Jahren in führender Position im Unternehmen schied Heinz Wassink aus, ebenso sein junger Mit-Geschäftsführer Jörg Schwarznecker. Im Frühjahr 2002 war auch der operative Zusammenschluss vollzogen: nach 100 Jahren verschwand der Name Patberg, stattdessen stand jetzt Beresa an der Fassade. Wobei Beresa″ für die Namen der Firmengründer Beckmann, Renfert und Sanftenberg steht.

Die Branche beurteilte die Fusion als Zusammengehen zweier Starker″: Patberg war die sechsterfolgreichste Mercedes-Vertretung Deutschlands, Beresa die Nummer fünf. Heute beschäftigt Beresa mehr als 1000 Mitarbeiter an 18 Standorten.

Bildtexte:
Der Grundstein: An der Möserstraße 34 verkaufte Patberg zunächst Fahrräder und Nähmaschinen, später auch Fahrzeuge mit Kraftbetrieb″.
Der Betrieb Bohmter Straße an der Bahnstrecke nach Bremen bot Patberg in den 1930er-Jahren wesentlich mehr Platz.
Franz Steinkamp war ab 1953 als Kfz-Meister bei Patberg angestellt. Mit 91 Jahren repariert er seinen Mercedes Typ 124 immer noch selbst.
An Blumenhaller Weg und Kurt-Schmacher-Damm (rechts im Bild) etablierte sich Patberg ab 1967.
Fotos:
Firmenarchiv Beresa, Joachim Dierks

Der alte Patberg

Der frühere Patberg-Meister Franz Steinkamp schaut mit gemischten Gefühlen auf die Anfänge nach dem Krieg an der Weserstraße zurück: Gegen Regen und Schnee bastelten wir uns aus Lkw-Planen übergroße Regenschirme. Dann konnten wir auf dem Hof auch große Arbeiten wie das Auswechseln von Blattfedern oder gar Motorreparaturen ausführen.″

Es ging bisweilen recht chaotisch zu: Einmal mussten wir bei einem Achttonner eine Spurstange erneuern. Wir hatten sie gerade erst ausgebaut. Da kam der Fahrer auf den Hof und dachte, es wäre schon alles fertig, setzte sich rein und fuhr los. Als wir das merkten, sind wir sofort hinterhergejagt. An der Würstchenbude in Haste konnten wir ihn stoppen. Ein Wunder, dass nichts passiert war.

Der damals 76-jährige Wilhelm Patberg dirigierte den Wiederaufbau an der Bohmter Straße, kam jeden Tag vorbei. Was ihm nicht behagte: Anhängerkupplungen an schicken Mercedes-Limousinen. Das fand er unpassend und befahl, solche Aufträge nicht mehr anzunehmen. Oder noch schlimmer: Einmal stand da ein Lkw des Bauunternehmers Jandeck, der hatte ein leicht bekleidetes Veedol-Girl am Kühlergitter. Ohne groß mit dem Fahrer zu diskutieren, wies er seine Leute an, die berühmte gelbe Schlittschuhläuferin zu entfernen.
Autor:
Joachim Dierks


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