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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Viel Zündstoff bei Wefels „Heimatabend″
Zwischenüberschrift:
„Quatsch!″ – „Unverschämtheit!″: Heiße Diskussion um Stadtentwicklung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Wenn es um die Stadtentwicklung und den Straßenverkehr in Osnabrück geht, ist Streit fast schon programmiert das gilt für Diskussionen unter Politikern der verschiedenen Lager, aber auch für wütende Bürger-Wortmeldungen, in denen Politik und Verwaltung gerne mal pauschal völlige Unfähigkeit oder sogar böser Wille unterstellt wird. So war es nun auch bei Kalla Wefels Heimatabend″, bei dem die Emotionen zwischenzeitlich heftig hochkochten.

Die Themen VfL-Nachwuchsleistungszentrum und eventueller Stadion-Neubau, Güterbahnhof, Kultur und Theater, Neumarkt, Dominikanerkloster-Parkplatz sowie der Verkehr standen auf der pickepackevollen Agenda des Heimatabends″. Geladen waren Vertreter fast aller Ratsfraktionen sowie Stadtbaurat Frank Otte. Moderiert wurde der Abend von Heiko Schulze und Kabarettist Kalla Wefel, der den Heimatabend″ vor einigen Jahren aus der Taufe gehoben hat ursprünglich als Satire-Format. Auf der Bühne wurden diese Themen weitgehend harmonisch abgehakt. Krawanich (laut Wefels Osnabrück-Wörterbuch gleichbedeutend mit wütend″) wurde es, als ein Mikrofon ins Publikum gereicht wurde und einige Gäste der Veranstaltung ihrem Unmut Luft machten.Albrecht vs. Otte

So prangerte die ehemalige Ratsfrau Kerstin Albrecht (BOB) an, dass der tödliche Unfall einer Fahrradfahrerin, die vor einem Monat an der Pagenstecherstraße unter bislang noch ungeklärten Umständen von einem Lkw überfahren wurde (s. Artikel unten), überhaupt passieren konnte. Sie selbst habe die Gefährlichkeit der Stelle bereits vor längerer Zeit in einem Bürgerforum thematisiert, doch es sei nichts passiert.

Stadtbaurat Otte hatte daraufhin sichtlich Mühe, seine Emotionen in Schach zu halten. Es ist eine Unverschämtheit, dass Sie diesen tragischen Unfall instrumentalisieren″, wandte er sich direkt an Albrecht. Der Bericht der Polizei sage aus, dass die Verkehrssituation in der Pagenstecherstraße mit dem Unfall nichts zu tun gehabt habe. Wir schauen uns aktuelle Gefahrenzonen an″, versicherte Otte. In einem Gewerbegebiet wie der Pagenstecherstraße könne beispielsweise die Zahl der Grundstückseinfahrten aber nicht so einfach reduziert werden. Und ohnehin müsse es für jeden Autofahrer zumutbar sein, auf andere Verkehrsteilnehmer zu achten.

Ein anderer Heimatabend″-Besucher attackierte Frank Henning (SPD) mit der Frage: Wann treten Sie zurück? Er machte den Sozialdemokraten persönlich für das Desaster am Neumarkt verantwortlich. Henning ließ sich nicht provozieren und meinte bloß: So einen Quatsch beantworte ich nicht.″Umdenken gefordert

Das Thema Verkehr erhitzte die Gemüter auch weiterhin. Es sei eine Frechheit, dass der Politik die Anwohner am Wall offenkundig egal seien, schimpfte ein Mann. Er selbst habe 300 E-Mails mit Lösungsvorschlägen an den Oberbürgermeister und die Verwaltung geschrieben. Eine Antwort habe er nicht bekommen. Er finde keine Ruhe in seiner Wohnung, sagte er weiter und beklagte zudem, dass die Tiefgarage an der Lohstraße ebenfalls für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und Lärm sorge.

Es sei schizophren, dass Leute, die 30 Jahre am Wall lebten, keinen Recht auf Lärmschutz hätten, entgegnete Otte. Das ist aber nicht die Sache der Kommunen, sondern des Bundes.″ Denn oft seien es Bundesstraßen, die durch die Städte führten.

Wir brauchen ein Umdenken in der Verkehrspolitik″, forderte der grüne Dezernent. Durch Park & Ride, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und den Ausbau des Radwegenetzes könne der immer weiter zunehmende innerstädtische Verkehr eingedämmt werden. Giesela Brandes-Steggewentz von der Linkspartei stimmte zu, ergänzte, dass Park & Ride schon im Landkreis anfangen müsse, und forderte: Durch eine City-Maut soll ein kostenloser ÖPNV finanziert werden.″

Als die Sprache auf den Parkplatz gegenüber der Dominikanerkirche kam, wo die Verwaltung gerne ein neues Gebäude gebaut hätte, meldete sich der ehemalige städtische Denkmalpfleger Bruno Switala zu Wort. Es sei ein glücklicher Umstand, dass Osnabrück trotz der umfassenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg heute als historische Stadt gelte, sagte der Fachmann. Unter dem Parkplatz neben dem ehemaligen Dominikanerkloster lägen für die Stadtentwicklung wichtige archäologische Artefakte, sagte Switala und kündigte an: Ich werde mich an die Bäume anketten, wenn der Platz bebaut wird.″Denken von gestern?

Oberirdische Parkplätze sollen vielmehr in Grünflächen umgewandelt werden, war der fast einhellige Tenor. Thomas Thiele (FDP) forderte zudem mehr Gründächer. Volker Bajus (Grüne) verwies darauf, dass die Ventilation mit Frischluft wichtig für die Stadt sei. Er brachte das Stichwort Urban Gardening″, also Gärtnern in der Stadt, ins Spiel und sagte an die Adresse von Ralph Lübbe (BOB): „ Am Erhalt von Parkplätzen festzuhalten ist Denken von gestern.″

Schließlich nahm der Heimatabend″ dann doch noch ein harmonisches Ende wenn auch unbeabsichtigt. Als Fritz Brickwedde (CDU) sagte, er befürwortete es, dass künftig Mädchen und Jungen im neuen Nachwuchsleistungszentrum des VfL gefördert würden, korrigierte ihn Wefel: Der Gastgeber wies den Ratsherrn darauf hin, dass es bei den Lila-Weißen gar keine Frauenfußball-Abteilung gibt. Daraufhin waren sich Politiker und Besucher ausnahmsweise einig in der Forderung: Mädchen für den VfL!

Bildtext:
Der Verkehr in Osnabrück war eines der Reizthemen beim Heimatabend am Sonntag. So wie hier am Natruper-Tor-Wall treffen Rad- und Autofahrer häufig aufeinander.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Thomas Wübker


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