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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Villa Schlikker wird Erinnerungsort für Calmeyer
Zwischenüberschrift:
Kulturausschuss stellt die Weichen und beruft neue Mitglieder in den wissenschaftlichen Beirat
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ein Erinnerungsort für Hans Calmeyer, ein Bildungsort zur NS-Geschichte so charakterisiert die Stadt Osnabrück die Ansprüche an die Einrichtung, die in der Villa Schlikker entstehen soll. Der Kulturausschuss habe mit der Auswahl einer Ausstellungsagentur die Weichen für das künftige Konzept gestellt, heißt es in einer Pressemitteilung. Welche Agentur den Auftrag bekommt, wird noch nicht verraten.

In der Villa Schlikker am Heger-Tor-Wall will die Stadt einen Lernort einrichten, der das Wirken von Hans Calmeyer (1903–1972) in der Zeit des Holocaust thematisiert. Der Osnabrücker Rechtsanwalt war als Teil der deutschen Besatzungsmacht in den Niederlanden zum Leiter der Entscheidungsstelle für Abstammungsfragen berufen worden eine Entscheidungsstelle über Leben und Tod.

Auf seinem Schreibtisch landeten die Akten, in denen es um die Frage ging, ob Menschen als Juden, als Halbjuden″ oder Vierteljuden″ eingestuft wurden. Calmeyer manipulierte diese Akten in mehr als 2500 Fällen verschiedene Historiker gehen von 3500 aus zugunsten der Betroffenen und rettete sie damit vor der Ermordung in den Konzentrationslagern.

Die Villa Schlikker war die NSDAP-Parteizentrale Osnabrück. Nun soll sie als Teil des Museumsquartiers zusammen mit dem Felix-Nussbaum-Haus dieses düstere Kapitel der Geschichte reflektieren. In dieser Einbindung liege eine wesentliche Herausforderung für die Konzeption der zukünftigen Nutzung des Gebäudes, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt. Dass Menschen im nationalsozialistischen System unterschiedliche Handlungsspielräume hatten und unterschiedlich handelten, soll in der Villa Schlikker thematisiert werden auch mit Fragen, die sich aus der Gegenwart ergeben.

Der von der Stadt einberufene wissenschaftliche Beirat hatte eine einstimmige Empfehlung für das Konzept einer Agentur abgegeben, der jetzt auch der Kulturausschuss folgte. Dass die Entscheidung in nicht öffentlicher Sitzung erfolgte, begründet die Stadt damit, dass es sich um einen Schritt des Vergabeverfahrens handele.

Im nächsten Schritt solle gemeinsam mit dem Beirat das Ausstellungskonzept geschärft werden″, kündigt Stadtrat Wolfgang Beckermann an. Für die Finanzierung der Konzeptideen werde dem Rat demnächst eine Kalkulation vorgelegt. Die Stadt hoffe, dafür weitere Fördermittel in Anspruch nehmen zu können. Die Sanierung der Villa sowie die Umsetzung der neuen Ausstellung soll bis Ende 2023 abgeschlossen sein. Die Stadt Osnabrück hat 1, 7 Millionen Euro Bundesfördermittel hierfür eingeworben, weitere 200 000 Euro sind städtischer Eigenanteil. Offen ist die Finanzierung der Kosten für die Umsetzung des Konzeptes, ebenso die der Folge- und Betriebskosten.

Der Kulturausschuss Osnabrück hat in seiner Sitzung auf Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats die Nachbesetzungen für ausgeschiedene Mitglieder beschlossen. Drei anerkannte Wissenschaftler aus der NS-Forschung werden das Gremium verstärken. Es handelt sich um Dr. Hans-Christian Jasch, den Direktor der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, um Dr. Christiane Kuller, Professorin für Neuere Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik an der Universität Erfurt, und um Dr. Martin Liepach vom Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt.

Bildtext:
Im Namen Calmeyers: die Villa Schlikker.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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