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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Als Ärzte zu Mördern wurden
Zwischenüberschrift:
Die Diagnose „tiefstehend″ war das Todesurteil für die vierjährige Christa Feldkamp
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Christa Feldkamp starb zwei Wochen nach ihrem vierten Geburtstag in der Landesheil- und Pflegeanstalt Lüneburg. Als Todesursache gaben die Ärzte Bronchopneumonie an. Doch Recherchen für die Stolpersteinverlegungen ergaben: Das Mädchen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit″ ein Opfer der sogenannten Kinder-Aktion geworden das bedeutet: Nationalsozialistische Ärzte haben das Kind aus Osnabrück ermordet. Es geschah am 22. Mai 1944.

Warum? Die Ärzte hatten Christa Feldkamp in einem Dokument als tiefstehendes Kind″ und als unsauber″ beschrieben. Es sei keine Entwicklung″ zu erkennen. Wieder Historiker Dr. Raimond Reiter in einem Aufsatz erläutert, kamen solche Bewertungen einem Todesurteil gleich vollstreckt mit Morphium oder Luminal, Entzug von lebenswichtigen Medikamenten oder Nahrung. Kein Recht auf Leben Nationalsozialisten begingen solche Taten im Rassenwahn, der zum Regierungsprogramm geworden war . Menschen, die psychischkrank oder geistig behindert waren, verloren ihr Recht auf Leben. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 5000 oder mehr Kinder in Heil- und Pflegeanstalten sterben. Das Regime in Berlin hatte den Ärzten eine Behandlungsermächtigung″ erteilt: Sie sollten über Leben und Tod entscheiden. Die Eltern des Mädchens aus Osnabrück waren Hildegard Feldkamp und der Musikinstrumentenmacher Bernhard Feldkamp, der an der Johannisstraße 74 ein Musikgeschäft und eine Werkstatt betrieb. Die Familie wohnte an der Herderstraße 29. Wann und unter welchen Umständen Christa von ihnen getrennt wurde, ist nicht überliefert. Ingrid Detering, Patin des Stolpersteins für Christa Feldkamp, beschrieb, dass Nationalsozialisten die Eltern zwangen, ihre psychischkranken oder behinderten Kinder abzugeben unter dem Vorwand, sie würden moderne Behandlungsmethoden″ anwenden. Ihr Mann Günther Detering, ebenfalls Pate dieses Stolpersteins, sagte: Uns berühren diese Schicksale besonders.″ Denn unsere beiden geistig behinderten Kinder wurden 1957 und 1961 geboren und durften eine fröhliche Kindheit erleben, indem sie in guten Sondereinrichtungen gefördert wurden und jetzt betreut werden.″ Erinnern für die Zukunft Die Stolpersteinverlegung ist für Günther Detering ein Erinnern für die Zukunft″.Er mahnte, die sogenannte Euthanasie (Sterbehilfe) könne sich durch die Hintertür″ wieder einschleichen, wenn zum Beispiel durch die Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik Ungeborene abgetrieben werden, bei denen der Verdacht auf eine Behinderung besteht″. Und die Ideologie der Nationalsozialisten kommentierte Günther Detering so: Es gibt in der ganzen Schöpfung kein unwertes Leben, sondern lebenswert ist jegliches Leben.″

Bildtext:
Herderstraße 29: Christa Feldkamp durfte hier nur kurze Jahre aufwachsen. Dann wurde sie von ihren Eltern getrennt und 1944 im Alter von vier Jahren ermordet.
Fotos:
Egmont Seiler

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine aus Messing erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland auch in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und der Ukraine. Demnig hat auch den Stolperstein zum Gedenken an Christa Feldkamp verlegt, für den Ingrid und Günther Detering die Patenschaft übernommen haben. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln gern Hinweise von Zeitzeugen entgegen unter Tel. 05 41/ 3 23 22 87.
Autor:
Jann Weber


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