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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Plötzlich war die nette Nachbarin weg
Zwischenüberschrift:
Nationalsozialisten ermordeten Sara Frank im KZ
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Annemarie Hagedorn war ein kleines Mädchen, als sie Sara Frank die Post nach oben brachte bis die ältere Dame eines Tages verschwunden war. Es war das Jahr 1942, und Nationalsozialisten verschleppten Juden in Konzentrationslager. Auch Sara Frank gehörte zu den Opfern.

Sie wohnte an der Krahnstraße 34, ganz oben″, wie Annemarie Hagedorn den Teilnehmern der Stolpersteinverlegung berichtete. Und wir wohnten in der ersten Etage. Wenn ich zu Frau Frank nach oben gegangen bin, lag sie immer im Bett. Sie war sehr nett. Zu meiner Erstkommunion hat sie mir ein Buch geschenkt. Es hieß‚ Mein Jesus, ich hab dich lieb′.″
Monika Ress-Stadje, Patin des Stolpersteins, freute sich über die menschliche Geste, als man keinen Kontakt mehr zu Juden aufnehmen durfte″. Die Nationalsozialisten hatten bereits mit dem Massenmord begonnen. Und 1942 verschleppten sie Sara Frank nach Theresienstadt. Entweder wurde sie bereits dort umgebracht oder, wie in einem unzuverlässigen Dokument vermerkt, später in Minsk eine Frage, die ungeklärt bleibt.
Sara Frank war 1867 unter dem Nachnamen Levy geboren worden. Ihr Mann Emil, mit dem sie in der Krahnstraße lebte und dort ein Geschäft mit Besatzartikeln und Seidenwaren führte, starb bereits 1908. Ihr Sohn Alfred fiel im Ersten Weltkrieg, ihre Tochter Charlotte heiratete Adolf Weinberg, der am Kollegienwall Inhaber einer Tuchgroßhandlung war und mit dem sie eine Familie gründete: Sara Franks Enkelkinder Ruth und Ernst kamen zur Welt.
Als in den 1930er-Jahren der Judenhass entflammte, brach die Familie auseinander. Martina Sellmeyer, Autorin des Buches Stationen auf dem Weg nach Auschwitz″, recherchierte, dass Charlotte und Adolf Weinberg ihre Kinder nach England schickten, während sie selbst zu Verwandten nach Dortmund zogen und später nach Belgien flüchteten, wo sie sich vor den Nationalsozialisten retten konnten.
Sara Frank blieb in Osnabrück. Martina Sellmeyer besuchte Jahrzehnte später deren Tochter Charlotte Weinberg in San Francisco und erfuhr bei der Spurensuche: Sara Frank war so in Osnabrück verwurzelt, dass sie sich eine Auswanderung nicht vorstellen konnte. Stolzer zählte mir Frau Weinberg, dass ihre Mutter zum Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins gehörte. Die Präsidentin Agnes Schoeller holte sie zu den Versammlungen des Vereins in der Bierstraße persönlich mit Pferd und Wagen in der Krahnstraße ab.″
All das schützte sie nicht vor dem Hass der Nationalsozialisten auf die Juden, dem Verlust ihres Eigentums, den Qualen im Konzentrationslager und schließlich der Ermordung. Jetzt erinnert ein Stolperstein an Sara Frank vor ihrem damaligen Hauseingang, wo auch Annemarie Hagedorn als Mädchen ein und aus ging und ihr die Post brachte.

Bildtext:
Hier lebte einst Sara Frank. Die Nationalsozialisten nahmen ihr das Zuhause an der Krahnstraße 34 und ermordeten sie im Konzentrationslager, weil sie Jüdin war.
Fotos:
Egmont Seiler

Stolpersteine
Messingplatten in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich etwa 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und in der Ukraine. Patin des Stolpersteins für Sara Frank ist Monika Ress-Stadje. Gunter Demnig kam nach Osnabrück und verlegte die Gedenktafel an der Krahnstraße 34. Das städtische Büro für Friedenskulturnimmt für künftige Stolpersteine Hinweise über das Schicksal von NS-Opfern entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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