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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Unsägliche in Worte fassen
Zwischenüberschrift:
Erinnerungsstätte auf dem Heger Friedhof / Wallenhorster Schüler schreiben Text für „Erzählstein″
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wallenhorst/ Osnabrück Die Gedenkstätte für die verstorbenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen im Zweiten Weltkrieg ist um ein Element reicher: Ein Erzählstein″ soll jungen Besuchern die Geschichte der Zwangsarbeiterkinder vermitteln. Geschrieben haben den Text Schüler der Alexanderschule Wallenhorst.

Es ist eine Geschichte, die erzählt werden muss, weil sie sonst vergessen wird: Die Geschichte der Kinder von Zwangsarbeiterinnen im Zweiten Weltkrieg. Aus verschiedenen Ländern hatte das NS-Regime neben Männern auch junge Frauen zur Zwangsarbeit nach Deutschland geholt. Einige von ihnen waren oder wurden schwanger. Da man aber auf ihre Arbeitskraft nicht verzichten wollte, entriss man den Müttern die Kinder und schickte die Frauen zurück an die Arbeit. Für die Kinder endete ihr kurzes Leben meist schon einige Stunden oder Tage nach der Geburt. Seit dem Herbst 2018 erinnert auf dem Heger Friedhof eine Gedenkstätte an sie.

105 Namen

Die Erinnerungsstätte war auf Initiative des Sozialverbands Deutschland (SoVD), der Awo und der Initiative Spurensuche entstanden. Sie besteht aus drei mit 105 Namen versehenen Säulen, die auf die dort vergrabenen Kinder hinweisen und neuerdings aus einem Erzählstein″, auf dem Schüler der Alexanderschule aus Wallenhorst das Unsägliche in Worte fassen. Bewusst erzählen sie die Geschichte, damit sie nicht vergessen wird. Zugleich fordern sie den Leser auf, das hier Gelesene weiterzuerzählen damit solch eine Missetat nie wieder geschehe!″, wie es auf dem Stein heißt. Erarbeitet wurde der Text im Rahmen der Gedenkstättenarbeit der Alexanderschule.

Enthüllung

Diesem Thema fühlte sich auch der SoVD-Kreisvorsitzende Gerd Groskurt verpflichtet. Der Blick auf die aktuelle politische Situation bereite ihm Sorge: Populistische Extremisten packen die alten Wahnideen wieder aus, sie suchen das Heil wieder dort, wo das Unheil begonnen hat. Sie preisen den Nationalismus als Heilslehre. Ich sehe im Abfall der Geschichte und dem Suchen in den politischen Schwarzmarktfantasien keine Zukunft. Wohin diese Geister uns führen, darüber gibt dieser Erzählstein mit seiner Geschichte Auskunft. Er sollte uns alle mahnen″, sagte Groskurt nun zur Enthüllung des Erzählsteins.

Die Geschichte der Kinder von Zwangsarbeiterinnen wäre vermutlich nie erzählt worden, wenn nicht der Zufall geholfen hätte. Die Kinder waren unter Ausschluss der Öffentlichkeit verscharrt, in den Sterbekarten falsche Todesursachen eingetragen worden. Zusätzlich galten die Unterlagen als verschollen. Mit der Wiederentdeckung der Karten erhielten die Kinder ihre Würde zurück und nun auch eine Gedenkstätte, die an ihr Schicksal erinnert.

Bildtext:
Aileen Langkamp von der Alexanderschule vor der Erinnerungsstätte auf dem Heger Friedhof.
Foto:
SoVD-Kreisverband Osnabrück

Das steht auf dem Erzählstein″

Warum uns die Gedenkstätte wichtig ist!?

Wir erzählen dir eine Geschichte eine wahre Geschichte! An diesem Ort, an dem du jetzt stehst, hat sich einst etwas Grau sames zugetragen: Während der NS-Zeit wurden Frauen aus anderen Ländern nach Deutschland verschleppt. Sie wurden gezwungen, Zwangsarbeit zu verrichten. Einige Frauen waren schwanger oder wurden schwanger und haben dann die Kinder zur Welt gebracht. Damit die Frauen weiterarbeiten konnten, hat man ihnen die Kinder weggenommen. Man konnte die Kinder aber nicht gebrauchen. Deshalb wurden sie sehr schlecht behandelt, wurden krank, und die meisten von ihnen sind gestorben. Man hat sie an diesem Ort, an dem Du jetzt stehst, begraben. Die Kinder bekamen jedoch kein ordentliches Begräbnis. Sie wurden ohne Beisein ihrer Mütter begraben verscharrt, sozusagen entsorgt!

Die meisten der Kinder hatten Mütter aus Polen, Russland, der Ukraine, den Niederlanden, Italien, Frankreich und auch einige wenige aus Deutschland.

Die kleinen Kinder konnten nichts dafür! Sie lebten meistens nicht länger als ein paar Tage oder einige Monate. Viele starben noch an ihrem Geburtstag!

Die echte Todesursache wurde meist verfälscht auf Sterbekarten festgehalten, die irgendwann verschollen sind und mit ihnen auch die Namen der verstorbenen, unschuldigen Kinder . Die Kinder wurden einfach vergessen sie sollten vergessen werden!

Durch einen glücklichen Umstand wurden die Sterbekarten wiederentdeckt und mit ihnen auch die vergessenen Namen der Kinder. Mit dieser Gedenkstätte soll den Kindern ein Stück Würde wiedergegeben werden!

Erzähle diese Geschichte weiter, damit möglichst viele Menschen von ihr erfahren und diesen Ort des Gedenkens aufsuchen werden!

Ein stiller Ort des Gedenkens, des Erinnerns, des Mahnens, des Respekts damit solch eine Missetat nie wieder geschehe!

Erzähle diese Geschichte weiter!
Autor:
Robert Schäfer


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