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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vorzeigeprojekt in Bramscher Straße
Zwischenüberschrift:
Wohnungslose und Familien ziehen in Osnabrück in dasselbe Haus
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Es ist ein besonderes Wohnprojekt, das in der Bramscher Straße ab Februar an den Start geht: Das Osnabrücker Stephanswerk hat ein Haus gebaut, in dem ältere Wohnungslose die Chance auf einen ruhigen Lebensabend bekommen und Singles sowie Familien oben drüber in eine bezahlbare Neubauwohnung ziehen können.

Sieben Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, und das ohne Wohnberechtigungsschein vom Amt: Von solchen Mietpreisen im Neubau können Osnabrücker sonst nur träumen. Das Stephanswerk, eine Wohnungsbaugesellschaft des Bistums Osnabrück, bietet genau das in der Bramscher Straße 231 an. Die 15 neuen Wohnungen sind zwischen 30 und 80 Quadratmeter groß. Wir verfolgen hier keine großen Renditeziele″, sagt Stephanswerk-Geschäftsführer Johannes Baune. Das soll sozial verträglich sein.″

Die in den Obergeschossen liegenden Wohnungen sind ab 1. Februar bereits alle vermietet an Alleinstehende, Paare und Familien. Ihre Nachbarn im Erdgeschoss haben einen ganz anderen Hintergrund: Ältere Wohnungslose, die auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance haben, werden dort in sieben weiteren Einzelappartments mit Bad und Küchenzeile einziehen. Organisiert und betreut wird dieses Wohnprojekt durch die ambulante Wohnungslosenhilfe des katholischen Verbands für soziale Dienste (SKM).

Für diese Leute gibt es sonst nichts″, sagt Heinz Hermann Flint. Der Sozialarbeiter leitet die vom SKM betriebene Fachberatungsstelle für Wohnungslose über der Tageswohnung am unteren Ende der Bramscher Straße. Wer ohne Wohnung ist und zeitweise schon auf der Straße gelebt hat, altert schneller. Mit 50 oder 60 Jahren sind einige schon gehbehindert und gebrechlich″, sagt SKM-Geschäftsführer Michael Strob. Die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung sei für sie keine Alternative, da die Gefahr bestehe, dass sie den Alltag dort sprengen. Die Appartments sind daher barrierefrei gebaut. Die Bewohner sollen in der Bramscher Straße alt werden können.

30 Wohneinheiten hat der SKM stadtweit für Wohnungslose angemietet, die sich nach längerer Zeit ohne eigene vier Wände erst wieder an das Wohnen gewöhnen müssen und dabei ambulant betreut werden. Die Wohnungen, die der SKM auf dem freien Wohnungsmarkt für diese Menschen bekommt, sind allerdings teilweise abgängig″, so Strob. Schimmel an den Wänden und undichte Fenster sind keine Seltenheit. Der Druck ist groß″, sagt Heinz-Hermann Flint. Von den Vermietern würden er und seine Kollegen zu hören bekommen: Wenn Sie diese Wohnung nicht wollen, finden wir andere, die hier einziehen.″ Die schlechtesten Wohnungen will der SKM kündigen, wenn das Haus in der Bramscher Straße bezogen ist.

Die Familien und Singles, die in den oberen Stockwerken wohnen, nutzen den mittleren Eingang, die Wohnungslosen die beiden äußeren Eingänge. Das sind keine Krawallmenschen″, betont Strob. Aber einfach seien sie eben auch nicht. Eine der acht Wohnungen für die Wohnungslosenhilfe wird daher als Büro für die beiden Sozialarbeiter genutzt, die die Bewohner betreuen werden. Es geht dabei etwa um Körperhygiene, Ernährung und Gesundheit oder auch darum, wie sich ein Pflegedienst beantragen lässt.

Vor allem aber sollen sie in den Appartments zur Ruhe kommen können. Teilweise stehen schon Betten und Schränke in den Räumen, auch die Küchenzeile ist bereits installiert. Die Kosten für die Einrichtung tragen je zur Hälfte der SKM und die evangelischen Stiftungen. Wir gehen davon aus: Wenn man gut wohnt, dann bleibt es in der Regel auch lange gut″, so Strob. Alle seien Einzelgänger. Doch die Gelegenheit, sich zu treffen und als Bewohnergruppe zusammenzuwachsen, wollen die Sozialarbeiter mit Angeboten im Büroraum ebenfalls bieten.

Die Mischung im Haus mit regulären Mietern ist aus Sicht des SKM ideal. Je dezentraler, desto besser″, so Strob. Für das Stephanswerk ist das Haus finanziell auch ein Experiment. Die Wohnungsbaugesellschaft des Bistums will sehen, ob und wie sich so ein Bau, der nicht auf Gewinnmaximierung aus ist und ohne Inanspruchnahme von Fördermitteln realisiert wurde, über die Jahre selbst trägt.

Bildtexet:
So sieht das Wohnhaus für Familien und ältere Wohnungslose in der Bramscher Straße aus.
Von links: Heinz Hermann Flint von der ambulanten Wohnungslosenhilfe des SKM, Johannes Andrews von den evangelischen Stiftungen, SKM-Geschäftsführer Michael Strob und die beiden Sozialarbeiter, die im Haus präsent sein werden, Melina Wischmeyer sowie Frederic Klare.
Fotos:
Jörn Martens
Autor:
Sandra Dorn


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