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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Statt Heilung kam die „Tötungsermächtigung″
Zwischenüberschrift:
Karl Brake wurde Opfer der Nationalsozialisten, weil er psychisch krank war
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Arbeiter Karl Brake geriet auf die Todesliste, weil er psychisch krank war. Als im April 1941 Busse auf dem Gertrudenberg vor der damaligen Heil- und Pflegeanstalt hielten, war er einer der 180 Patienten, die einsteigen mussten. Sie wurden nach Eichberg gebracht und sechs Wochen später nach Hadamar, wo die unfreiwilligen Fahrgäste gleich nach ihrer Ankunft mit Gas ermordet wurden. Jetzt erinnert ein Stolperstein an Karl Brake. Die Täter versuchten, die Morde an den Patienten gegenüber den Angehörigen zu vertuschen. In Briefen an sie formulierten sie unterschiedliche Todesursachen, die sich Ärzte in Tötungsanstalten wie Hadamar zurechtgelegt hatten. Gleichzeitig handelte es sich um einen Auftrag der Regierung mit einem eigenen Namen: Aktion T4″ nach der Adresse Tiergarten 4 in Berlin. Es war die Anschrift einer Behörde, der Adolf Hitler eine Tötungsermächtigung″ ausgestellt hatte. Staatsbedienstete erfassten psychisch kranke und behinderte Menschen in ganz Deutschland, und Ärzte in Heil- und Pflegeanstalten entschieden nach Aktenlage, 70 000 Menschen mussten 1940 und 1941 sterben, viele weitere in den Jahren bis 1945; wie viele noch, ist schwer festzustellen, denn 1942 begann die sogenannte wilde Euthanasie″ ohne zentrale Erfassung. Die Nationalsozialisten selbst sprachen nicht von Mord, sondern von Euthanasie″ (Sterbehilfe). Hintergrund der Taten war ihre Vorstellung einer arischen Rasse″. Ihre Ideologie unterteilte Leben in wert″ und unwert″. Psychisch kranke und behinderte Menschen zutöten galt als Desinfektion″, die der Rassenhygiene″ dienen sollte, wie es nationalsozialistische Sprecher formulierten. Karl Brake war 45 Jahre alt, als er sterben musste. Sein Zuhause befand sich an der Natruper Straße 154. Dort verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig jetzt einen Stolperstein, deran den Ermordeten erinnert. Während der Zeremonie kam auch Margret Brake zu Wort. Karl Brake war der Bruder meines Schwiegervaters″, berichtete sie. Sie konnte sich erinnern, dass in ihrer Familie von einem Brief aus Hadamar die Rede gewesen war. Darin stand, dass er eine ansteckende Krankheit hatte.″ Wie Margret Brake erzählte, war Karl Brake Soldat im Ersten Weltkrieg: Davon hatte er Depressionen.″ In ihrer Familie sei auch die Rededa von gewesen, dass er in Frankreich verschüttet″ gewesen sei. Danach habe Karl Brake unter einem Kriegstrauma gelitten, vermuteten Teilnehmer der Stolpersteinverlegung. Statt den Patienten zu heilen, vergifteten sogenannte Vergasungsärzte″ ihn mit Kohlenmonoxid.

Bildtexte:
In diesem Haus an der Natruper Straße 154 lebte Karl Brake. Weil er psychisch erkrankt war, wurde er Opfer der Nationalsozialisten. Sie ermordeten ihn in Hadamar mit Gas.
Fotos:
Seiler

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine aus Messing erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen in vielen Ländern angeschlossen haben. Patin des Stolpersteins für Karl Brake ist Roswitha Erfling. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
jweb


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