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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Unterstützt die Wirtschaft die Verkehrswende?
Zwischenüberschrift:
Warum IHK-Geschäftsführer Graf noch großes Potenzial beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sieht
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Nachdem Landrätin Anna Kebschull Pläne für ein 40-Millionen-Euro-Projekt vorgestellt hat, nimmt die IHK Stellung, was sie von einer Verkehrswende und dem Ausbau des Nahverkehrs in der Region Osnabrück hält. Wie würde die regionale Wirtschaft von einer besseren ÖPNV-Anbindung profitieren, und was muss im Osnabrücker Land dringend besser werden?

Wie sieht das Konzept für die Verkehrswende aus? Das Konzept, das Kebschull der Kreispolitik vor etwa zwei Wochen erstmals in einem nicht öffentlichen Strategieworkshop″ vorgestellt hatte, trägt den Titel Modellregion Naturmetropole Osnabrücker Land Mobilitätsgarantie für alle″.

Gemeinsam mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden, den örtlichen Verkehrsunternehmen, der Planos, den Wirtschaftsunternehmen und den Bürgern soll das Modellprojekt geplant werden. Das neue Mobilitätsangebot soll sich demnach aus einem Hauptnetz aus Schnellbussen und dem Schienennahverkehr zusammensetzen, welches um ein Regiobus-Netz ergänzt wird. Um ein flächendeckendes Angebot zu erreichen, soll auf der untersten Ebene ein flexibles Angebot aus Bürgerbussen, Anrufbussen, Carsharing und Fahrrad-Sharing-Angeboten aufgebaut werden. Auch sogenannte On-Demand-Angebote″ sollen geschaffen werden. In der Praxis könnte das bedeuten, dass über Anforderung per App auf dem Smartphone ein Bus bestellt wird. So könnten entlegene Bereiche, in denen kein Linienbus fährt, erschlossen werden.

In dem Modellversuch sollen demnach Erkenntnisse für ganzheitliche Mobilitätsangebote in ganz Deutschland″ gewonnen werden. Die prognostizierten Gesamtkosten bis zum Jahr 2024 beziffert der Landkreis auf 30 bis 40 Millionen Euro. Offenbar strebt der Landkreis Osnabrück an, eine von bundesweit zehn Modellregionen im Rahmen eines Sonderprogramms zum Sofortprogramm Saubere Luft″ zu werden, um Anreize für eine stärkere Nutzung des ÖPNV zu schaffen.

Wie kommentiert die IHK den Vorstoß? Die Region sei auch landschaftlich attraktiv. Insofern könne das Thema Natur bei der Vermarktung auch eine wichtige Rolle spielen, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf zur geplanten neuen Marke Naturmetropole Osnabrücker Land″. Der Begriff Mobilitätsgarantie″ sei neu. Darin müsse sicher definiert werden, welche Ansprüche jeder Einzelne hinsichtlich seiner Mobilitätsbedürfnisse an den Landkreis stellen darf.

Graf warnt: Für mich ist dabei kaum vorstellbar, dass man vor einem ordentlichen Gericht entsprechende Ansprüche auch einklagen kann. Insofern ist am Ende entscheidend, das ÖPNV-Angebot in der Region sinnvoll auszubauen.″

Die Landrätin adressiere damit ein wichtiges Thema.

Wie kann die Wirtschaft von besserem ÖPNV profitieren? Die ÖPNV-Anbindung hält Graf für einen wichtigen Standortfaktor, der auch in den Unternehmensbefragungen der IHK regelmäßig erhoben werde. Mit dem aktuellen Zustand seien viele noch unzufrieden. Insofern sieht Graf hier ein echtes Verbesserungspotenzial″. Ein guter ÖPNV könne auch die Gewerbe- und Industriegebiete erschließen und für Auszubildende und Arbeitnehmer ohne eigenes Auto erreichbar machen. Manche noch offene Stelle könne so sicher leichter besetzt werden. Die Industrie- und Handelskammer würde ihre regionalpolitischen Positionen dazu gerne in den von der Landrätin angekündigten Dialogprozess einbringen.

Was muss im öffentlichen Nahverkehr besser werden? Graf konstatiert: Unsere Region hat beim Thema ÖPNV erheblichen Aufholbedarf. So fehlen zum Beispiel akzeptierte Park-and-ride-Konzepte, On-Demand-Angebote, E-Mobilitätsangebote und Schnellbuslinien.″

Ebenso fehle ein Verbundtarif. Beim Umstieg von der Bahn in den Bus sei weiterhin ein neues Ticket notwendig. Der Tarifdschungel sei nach wie vor sehr unübersichtlich und die Fahrpreise zu hoch. So koste eine Einzelfahrt von Hasbergen nach Osnabrück tatsächlich 3, 70 Euro. Der Hasberger Graf vergleicht: In Berlin kostet die Einzelfahrt mit Bus, U-Bahn oder S-Bahn nur 2, 90 Euro. Diese bereits hohen Preise nun erneut anzuheben sende sicher das falsche Signal, wenn man den ÖPNV wirklich attraktiver machen möchte.

Was hält die IHK vom vierten Nahverkehrsplan für die Region? Der neue Nahverkehrsplan beinhaltet laut Graf wichtige Absichtserklärungen wie etwa zum Verbundticket. Der große Wurf″ sei damit aber noch nicht gelungen. Orientieren sollte man sich seiner Auffassung nach eher an innovativen Konzepten in den Niederlanden, wo viele Linienbusse die Autobahnen für schnelle Verbindungen nutzen. Auch die Kreativität der privaten Busanbieter könne zukünftig noch stärker berücksichtigt werden.

Wird das Osnabrücker Land Modellregion? In den Eckpunkten zum Klimaschutzprogramm 2030 hat die Bundesregierung die Unterstützung von zehn Modellprojekten zur Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs beschlossen. Wenn in den kommenden Monaten die entsprechenden Voraussetzungen und auch die Auswahlkriterien für Projektvorschläge vorliegen, will auch der Landkreis Osnabrück sein Projekt Modellregion Naturmetropole Osnabrücker Land Mobilitätsgarantie für alle″ einbringen. Doch wie groß ist die Chance, dass das Osnabrücker Land als eine von zehn Regionen in Deutschland auserkoren wird und Millionen an Fördermitteln bekommt? IHK-Hauptgeschäftsführer Graf kommentiert: Die räumliche Struktur mit einem Oberzentrum, mehreren Mittelzentren wie zum Beispiel Melle oder Bramsche und einem weiten ländlichen Einzugsgebiet ist exemplarisch für viele Regionen in Deutschland.″

Hier gewonnene Erkenntnisse ließen sich daher gut auf andere Gebiete übertragen. Er resümiert: Wenn dies bei der Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums Berücksichtigung findet, hätte unsere Region den Zuschlag verdient.″

Was sagen die Bürgermeister zum neuen Mobilitätskonzept? Als Vertreter der Bürgermeisterkonferenz im Landkreis Osnabrück konnte Claus Peter Poppe zu dem geplanten Modellprojekt noch keine gemeinsame Position der 34 Städte und Gemeinden im Landkreis Osnabrück abgeben. Er betonte aber: Es wird kaum irgendwo einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin geben, der oder die nicht für eine Stärkung des ÖPNV oder für das Einwerben von Fördergeldern ist.″

Im Flächenlandkreis Osnabrück gebe es aber sehr unterschiedliche Gegebenheiten und Schwerpunkte vor Ort, die damit Unterschiede in den Einschätzungen und Prioritäten zur Folge haben könnten und zunächst erörtert werden müssten.

Bildtexte:
Landrätin Anna Kebschull hofft, mit dem neuen Mobilitätskonzept für das Osnabrücker Land Modellregion zu werden. Die regionale Wirtschaft sieht im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs einen wichtigen Standortfaktor.
IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf.
Foto:
Archiv/ Jörn Martens, Ludger Jungeblut
Autor:
Jean-Charles Fays


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