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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Einmaliges Projekt: Gestapo-Kartei wird öffentlich zugänglich
Zwischenüberschrift:
Recherche-Station soll bis April aufgebaut sein / Daten über 48 000 Menschen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Was hat die Geheime Staatspolizei in der Zeit des Nationalsozialismus den Menschen angetan? Ist auch mein Großvater in die Fänge der Gestapo geraten? Antworten auf diese Fragen kann die Kartei der Osnabrücker Gestapo-Stelle geben, die ab April öffentlich zugänglich sein wird. Das ist ein einmaliges Projekt.

Am Tag, an dem in Auschwitz der Befreiung vor 75 Jahren gedacht wird, bilden in einer früheren Gestapo-Zelle im Keller des Osnabrücker Schlosses Forscher und Geldgeber einen Kreis, um ein deutschlandweit einmaliges Projekt vorzustellen.

Die Kartei der Osnabrücker Gestapo-Dienststelle ist vollständig erhalten geblieben als eine von nur insgesamt sechs deutschlandweit. 49 000 Karteikarten über 48 000 Menschen, die in der Nazi-Zeit in den Griff des Verfolgungsapparates geraten sind, werden im Landesarchiv an der Schlossstraße sicher verwahrt. Die Digitalisierung macht es möglich, dass bald jeder ob aus Forschungsinteresse oder privatem Antrieb Einblick nehmen kann.

48 000 Menschen das heißt: Die Gestapo-Stelle Osnabrück hatte zwischen 1933 und 1945 jeden Zehnten Einwohner im damaligen Regierungsbezirk Osnabrück unter Beobachtung. In den ersten Jahren richtete sich der Blick der politischen Polizei vor allem auf Einheimische, die dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstanden. Nach Beginn des Krieges verlagerte sich der Arbeitsschwerpunkt der Gestapo dann auf die Zwangsarbeiter in der Region.

Der erste Versuch, diese Kartei des Bösen digital zugänglich machen, scheiterte am immensen Arbeitsaufwand. Das Abschreiben hätte mehrere Jahre gedauert. In einem Forschungsprojekt der Uni Osnabrück unter Leitung von Professor Christoph Rass werden die Karteikarten seit 2017 digital eingelesen und maschinenlesbar macht. Moderne Computertechnik macht es möglich, dass der papierne Wissensspeicher der Gestapo bald mit Suchbegriffen durchkämmt werden kann.

Schicksale nachzeichnen

Bis April soll im Gestapokeller im Schloss eine Recherche-Station installiert werden. An dem Terminal kann dann jeder nach Namen oder Orten suchen lassen, können Schulklassen ermitteln, wie viele Jugendliche in die Fänge der Gestapo gerieten und was ihnen vorgeworfen wurde. Das Schicksal einzelner Menschen lässt sich nachzeichnen. Die Datenbank hilft aber auch der Forschung: Wir können das System und die Verfolgungspraktiken rekonstruieren″, sagte Historiker Christoph Rass.

Bei dem Projekt arbeiten Uni, Landesarchiv und die Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht eng zusammen. Die Kosten von knapp 25 000 Euro bringen der Landschaftsverband Osnabrücker Land und die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte auf. Michael Gander, Geschäftsführer der Gedenkstätten, dankte den Geldgebern, die es ermöglichten, der Öffentlichkeit und der Forschung eine einzigartige Quelle″ zugänglich zu machen.

Die Gestapo Osnabrück war zunächst in der früheren Bezirksregierung untergebracht. 1937 bezog sie den Westflügel des Schlosses. Im Keller befanden sich drei Zellen, in denen Verfolgte auch der Folter ausgesetzt waren. In den Zellen werden Besucher künftig Zugriff auf die Datenbank bekommen, wie Projektkoordinatorin Janine Doerry berichtete. Der authentische Ort trete unmittelbar in Beziehung zu den menschlichen Schicksalen. Die Namen aller Verfolgten sollen auf einer Namenswand dargestellt werden.

Bildtext:
Die Kartei des Bösen ist bald dank des Einsatzes von Forschern und Geldgebern zugänglich.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Wilfried Hinrichs


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