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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoo Osnabrück plant Bau von „Wasserwelten″
 
Zoo feiert Rekordjahr
Zwischenüberschrift:
Mehr Gäste, mehr Geld: Warum es Besucher so oft an den Schölerberg zieht
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Das heruntergekommene Seelöwen-Becken im Osnabrücker Zoo ist den Besuchern schon seit langer Zeit ein Dorn im Auge. Regelmäßig wird es von den Gästen beanstandet. Bei Umfragen, welche Gehege als nächste verbessert oder vergrößert werden sollen, landet es sogar auf dem ersten Platz noch vor der Löwenanlage, die sich bereits im Umbau befindet und im Sommer neu eröffnet wird.

Jetzt scheint der Wunsch der Besucher erfüllt zu werden. Wie der Zoo am Freitag auf einer Bilanz-Pressekonferenz ankündigte, ist der Bau von sogenannten Wasserwelten″ in Planung. Darin könnten sich dann neben den Seelöwen auch Tiere wie Seehunde und Pinguine wiederfinden.

Osnabrück Wieder mehr als eine Million Besucher, dazu rasant steigende Erlöse: 2019 war für den Zoo Osnabrück in vielerlei Hinsicht ein Rekordjahr. Dabei wähnte man sich am Schölerberg noch vor Kurzem finanziell dem Abgrund nah. Was ist passiert? Und wie geht es 2020 weiter? Fragen und Antworten.

Wie viele Menschen kamen 2019 in den Zoo Osnabrück? Wie der Zoo Osnabrück auf seiner Bilanz-Pressekonferenz am Freitag bekannt gab, wurden im vergangenen Jahr insgesamt 1 050 000 Besucher gezählt. Damit wurde die bisherige Bestmarke von 2011 noch einmal um 20 000 übertroffen. Weniger als eine Million Gäste waren es am Schölerberg zuletzt 2013. Wir spielen damit in der Bundesliga der deutschen Zoos″, stellte Zoopräsident Fritz Brickwedde fest.

Wie wirkt sich der Besucherrekord auf die Einnahmen aus? Der Zoo Osnabrück hat 2019 im Vergleich zum Vorjahr seine Erlöse aus Eintrittsgeldern um knapp neun Prozent gesteigert: von 6, 18 auf 6, 72 Millionen Euro. Als besonders ertragreich erweisen sich dabei einmal mehr die Jahreskarten. Knapp 45 700 Stück setzte der Zoo 2019 ab (2018: 41 800). Inzwischen machen sie mehr als ein Drittel der gesamten Eintrittserlöse aus. Das ist eine sehr gute Entwicklung″, erklärte Zoo-Geschäftsführer Andreas Busemann, denn Jahreskartenverkäufe helfen uns, auch die Nebensaison finanziell gut zu überstehen.″ Seit 2015 kletterten die Besuchereinnahmen sogar um mehr als 30 Prozent.

Verdient der Zoo Osnabrück mehr Geld, als er ausgibt? Wenn man die Abschreibungen außen vor lässt, ja. Die Gesamteinnahmen des Osnabrücker Zoos lagen 2019 bei 9, 8 Millionen Euro. Das ist, verglichen mit 2018, ein riesiges Wachstum um 11, 2 Prozent″, sagt Busemann. Dem gegenüber stehen Aufwendungen von insgesamt 8, 7 Millionen Euro (plus 6, 5 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte der Ausgaben sind Personalkosten. Allerdings: Bezogen auf die Umsätze, haben wir die geringste Personalkostenquote aller Zoos in Deutschland″, betont der Geschäftsführer. Während der Zoo Osnabrück pro 47 Cent Einsatz in diesem Bereich einen Euro verdiene, gelinge es vielen Zoos mit sehr viel größerer finanzieller Unterstützung durch die jeweiligen Kommunen nicht einmal, ihre Personalkosten zu decken.

Wenn es finanziell so gut läuft, warum bekommt der Zoo Osnabrück dann neuerdings zusätzliche Millionen von der Stadt? 2019 habe der Zoo Osnabrück von Sondereffekten profitiert″, erklärt Busemann auf Anfrage unserer Redaktion. Die insgesamt zwei Millionen Euro, die die Stadt Osnabrück auf dringende Bitte des Zoos bis 2023 an den Schölerberg überweist als Gegenleistung für mehr Mitspracherecht in der Zoo-Betreibergesellschaft, seien deshalb nicht plötzlich verzichtbar geworden. Denn rechne man Abschreibungen in die 2019er-Bilanz ein, mache der Zoo etwa 400 000 Euro Verlust. Zoopräsident Brickwedde, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrates der gemeinnützigen Zoo Osnabrück GmbH, pflichtet deshalb bei: Diese Extra-Mittel aus dem städtischen Haushalt braucht der Zoo, um weiter investieren zu können und auch künftig eine ordentliche schwarze Null in den Bilanzen zu erreichen.″

Was schätzen die Besucher am Zoo Osnabrück am meisten und was nicht? Um das herauszufinden, führt der Zoo regelmäßig Befragungen durch. 2019 gaben knapp 1500 Gäste darüber Auskunft. Ergebnis: Bestnoten gibt es vor allem für die Gesamtanlage. Auch mit Preis-Leistungs-Verhältnis (Eintritt), Tiervielfalt und Kinderfreundlichkeit sind die Besucher zufrieden. Mit der Gastronomie allerdings weniger. Auch bei der Tierpräsentation und im Bereich Service halten die Gäste manches für verbesserungswürdig. Unterm Strich ist die Bereitschaft, den Zoo Osnabrück weiterzuempfehlen, unverändert hoch (74 Prozent).

Welche Neuerungen plant der Zoo Osnabrück 2020? Im Sommer soll die für 2, 5 Millionen Euro vergrößerte Löwenanlage eröffnet werden. Das Außengehege ist dann mit 1900 Quadratmetern fast dreimal so groß wie bisher. Die Stallfläche verdoppelt sich. Zusammen mit der bereits umgebauten Nashornanlage entsteht auf diese Weise die neue Tierwelt Mapungubwe″. Besucher können sie auf Stelzenpfaden durchschreiten. Im Bereich der Veranstaltungen setzt der Zoo in diesem Jahr erneut auf einträgliche Publikumsmagnete wie den Zoo-Lauf (23. Mai), das Rudelsingen (23. Juni), Open-Air-Kino (30. Juli bis 29. August) sowie die Lichterausstellung Zoo-Lights″ (30. Oktober 2020 bis 29. März 2021). Außerdem soll es nach Jahren wieder einen Weihnachtsmarkt (19./ 20. Dezember) im Zoo geben.

Welche Gehege sollen als nächste verbessert werden? Die Seelöwen, zurzeit im Bereich von Affentempel und Orang-Utan-Anlage untergebracht, sollen bald ein neues Becken bekommen. Geplant ist, ihr Revier in Richtung Aquarium zu verlegen. Durch den gleichzeitigen Umbau dortiger Gehege von Seehunden und Pinguinen könnten dann in diesem Teil des Zoos sogenannte Wasserwelten″ entstehen, wie Geschäftsführer Busemann ankündigte. Die Kosten für dieses Projekt schätzt er auf 7, 5 Millionen Euro. An der Finanzierung werde gearbeitet. Im besten Fall könne das Vorhaben bereits 2022 realisiert sein.

Bildtext:
Große Klappe, viel dahinter: Der Zoo Osnabrück blickt 2019 auf Rosapelikane und rosige Zahlen.
Foto:
Sebastian Stricker

Kommentar
Harmonie statt Zoff

Der Zoo sei nach den internen, auf allerhöchster Ebene ausgetragenen Querelen im vergangenen Jahr wieder zu Harmonie und konstruktiver Zusammenarbeit zurückgekehrt″, stellt der neue Zoopräsident Fritz Brickwedde erleichtert fest. Gerade noch rechtzeitig, darf man sagen. Denn hätte zum Beispiel Geschäftsführer Andreas Busemann in seinem von Eitelkeiten geprägten Streit mit Ex-Zoopräsident Reinhard Sliwka tatsächlich die Brocken hingeworfen es hätte den Zoo vermutlich seinen cleversten und kreativsten Kopf gekostet.

Seit Busemann vor gut 20 Jahren ans Ruder kam, wurden etwa 85 Prozent aller Anlagen im Zoo erneuert. Ganz überwiegend aus Mitteln, die auf vielfältige Weise selbst erwirtschaftet oder findig aus Fördertöpfen geholt wurden. 2019 ist es ihm und seiner Mannschaft gelungen, Osnabrück in der Spitzenklasse der deutschen Tierparks zu behaupten. Allerdings sind Kostensteigerungen für den Zoo fast nur noch durch die Besucher auszugleichen. Viel mehr als eine Million Gäste pro Jahr dürften es aber in der hiesigen Wettbewerbssituation kaum werden. Heißt, Gäste müssen sich in Zukunft auf immer höhere Eintrittspreise einstellen.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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