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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
750 000 Euro für Ratssaal-Renovierung?
Zwischenüberschrift:
Warum eine Sanierung so teuer ist / Technik über 30 Jahre alt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Für 750 000 Euro kann man in Osnabrück ein solides Einfamilienhaus in ruhiger Lage bauen oder den Ratssitzungsaal renovieren. Warum es so teuer ist, einen Raum im Rathaus zu modernisieren.

Ein Arbeitsgruppe aus Vertretern des Rates und der Verwaltung hatte 2018 den Anstoß gegeben, dem Ratssitzungssaal frische Farbe zu verleihen und ihn technisch auf den Stand der Zeit zu bringen. Im September 2019 legte die Verwaltung der Arbeitsgruppe ein Konzept vor, das danach weiter verfeinert wurde. Ziel ist es, den Sitzungssaal in der Sommerpause umzubauen. Am kommenden Dienstag werden sich die Ausschüsse für Immobilien und Finanzen erstmals mit den Plänen befassen, der Rat soll im Februar final entscheiden. Die Fraktionen bilden sich zurzeit eine Meinung.

Warum ist der Saal so wichtig? Er ist der Tagungsort des Rates der Stadt Osnabrück, der dort mindestens achtmal im Jahr zusammentritt. Hier finden nach Angaben der Verwaltung jährlich mindestens 70 Ausschuss- und Gremiensitzungen statt. Wichtiger aber sind die etwa 35 öffentlichen Veranstaltungen mit weiter Ausstrahlung wie Friedensgespräche, die Abendveranstaltung der Friedenspreisverleihung oder Festakte zu verschiedenen Anlässen. Maximal 190 Besucher finden bei Reihenbestuhlung dort Platz. Der Ratssitzungssaal ist der einzige große und repräsentative Saal der Stadtverwaltung.

In welchem Zustand ist der Saal? Es fällt kein Putz von der Wand. Aber: Gestaltung und Möblierung stammen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Die im Jahr 1991 beschafften Stühle sind durchgesessen und müssen dringend aufgearbeitet werden″, heißt es in der Vorlage für die Ausschusssitzungen.

Die Lüftung sei an heißen Tage völlig überlastet. Die Mikrofonanlage ist ein historisches Schätzchen: Sie stammt aus dem Jahr 1986 und funktioniert noch. Aber: Es gibt keine Ersatzteile mehr. Bei Defekten muss improvisiert werden.

Was soll gemacht werden? Lüftung und Akustikdecke: 182 000 Euro. Die Lüftungsanlage ist abgängig″, wie es im Behördendeutsch heißt. Die Beleuchtung wird auf LED umgestellt, zwei Beamer sollen fest installiert werden.

Boden und Wände: 97 000 Euro. Der Teppichboden wird durch einen neuen ersetzt. Der alte Boden ist mit giftigen Klebern behaftet und muss aufwendig entsorgt werden. Wände, Holzfenster und Heizungsverkleidung erhalten einen hellen Farbanstrich. Elektrische Rollos ersetzen die Vorhänge. Ob auch Fenster erneuert werden müssen, wird geprüft.

Stühle: 126 000 Euro. Die 110 Stühle aus dem Jahr 1992 sind robust und sollen lediglich neu gepolstert werden. Neue Stühle wären um knapp 50 000 Euro teurer.

Tische und Rednerpult: 95 000 Euro. Die Verwaltung favorisiert den Kauf moderner Tische, die über Kabelkanäle verfügen. Das würde die Zahl der sogenannten Bodentanks für Anschlüsse im Saal verringern. Gebraucht wird nach Verwaltungsmeinung auch ein höhenverstellbares Rednerpult (10 000 Euro).

Medientechnik: 229 000 Euro. An jedem Platz soll es eine Mikrofonanlage geben, sodass Redner nicht mehr ihren Platz wechseln müssen, wenn sie das Wort haben. Auch wenn die Stadt zurzeit keine Livestreams aus dem Sitzungssaal anbietet, sollen die technischen Voraussetzungen dafür bereits eingebaut werden. Der Ratssitzungssaal und das Foyer erhalten erstmals eine Brandmeldetechnik.

Bildtexte:
Der große Sitzungssaal im historischen Rathaus ist renovierungsbedürftig. Die Mikrofonanlage zum Beispiel stammt aus dem Jahr 1986.
Solide Qualität: Die Stühle sind 28 Jahre alt und werden neu bezogen.
Fotos:
Stadt Osnabrück/ Janin Arntzen, Archiv/ JörnMartens

Kommentar
Renovieren und für alle öffnen

Die Summe klingt gewaltig: eine Dreiviertelmillion für die Renovierung eines Raumes im Rathaus. Ist das wirklich nötig?

Vielleicht sind nicht alle technischen Feinheiten geboten, die die Verwaltung gern hätte. Aber da geht es wirklich nur um Kleinigkeiten wie die Frage, ob die Präsidiumstische unbedingt mit versenkbaren Bildschirmen versehen sein müssen. Wer auf das Ganze blickt, wird schnell feststellen: Dieser Saal braucht dringend eine Runderneuerung.

Die hohe Summe ist ein Indiz für das, was in der Vergangenheit versäumt worden ist. Die Politik hat sich in den finanzschwachen Zeiten nicht getraut, den Ratssitzungssaal anzufassen, wenn gleichzeitig Zuschüsse gekappt und Stellen gestrichen werden mussten. Das ist nachvollziehbar. Deshalb ist es viele Jahre nur bei kosmetischen Korrekturen geblieben. Doch jetzt sind das Geld und der Zeitpunkt da, den Ratssaal in die Gegenwart zu holen. Wir reden hier schließlich nicht über einen x-beliebigen Tagungsraum, sondern um den zentralen Ort unserer lokalen Demokratie, der wenn er denn wieder vorzeigbar ist künftig noch mehr für öffentliche Veranstaltungen und bürgerschaftliches Engagement genutzt werden sollte.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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