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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Klares Ja zum Hans-Calmeyer-Haus
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Leserbrief von Dr. Volker Issmer Ein handfester Skandal″ (Ausgabe vom 27. Dezember) mit Bezug auf die Diskussion über ein Calmeyer-Haus.

„[…] Es geht nicht darum, ob Calmeyer selbst die Umbenennung der Villa Schlikker in , Calmeyer-Haus′ bejaht hätte. Sondern es geht darum zu verdeutlichen, dass dieser Mann zu den wenigen Vertretern des gebildeten deutschen Bürgertums gehörte, die nicht weggeschaut haben, denen sehr früh schon bewusst war, dass Ungeheuerliches in dieser NS-Diktatur geschah. Und der sich entschied, auf welche Weise auch immer, das mörderische Tun zu unterlaufen.

Die Juristin Ruth van Galen, eine der von Calmeyer Geretteten, betont in ihrem Buch , Calmeyer Täter oder Menschenretter?′, dass es nicht in erster Linie um Calmeyers Mitwirkung an der Verfolgung geht, sondern um sein Handeln als Lebensretter in einer für ihn selbst immer gefährlicher werdenden Situation. […] Wir alle wissen, wie unendlich lange es nach dem Krieg gedauert hat, ehe die Aufarbeitung des Geschehenen wirklich begann. Und Mitte der 90er-Jahre unterstreicht Peter Schreiber in der , Spiegel′-Serie , Die Gegenwart der Vergangenheit′: , Es waren Nachkriegspolitiker, die über die Ehren- und Schandplätze der Erinnerung entschieden und bestimmten, wer darin fortlebt und wer vergessen wird.′ Das erklärt, warum die stillen Helfer, die Juden das Leben retteten, von der Nachkriegsrepublik so wenig beachtet, warum diese Mutigen planmäßig vergessen wurden. Dr. Paldiel von der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, erklärt dazu: , Außerdem zeigen diese Menschen, dass der Rest der Gesellschaft versagt hat.′ Die erneut ausgebrochene Debatte um Calmeyer und sein Handeln ist nicht nur in meinen Augen erschreckend […]. Die jüdische Seite weiß, was sie Menschen wie Calmeyer zu verdanken hat trotz des Wissens darum, dass er nur einen Bruchteil vor Deportation und Vernichtung in den Gaskammern bewahren konnte. Hätte es nur mehr Menschen mit dem Mut und der Kühnheit eines Hans Calmeyer gegeben! Ein Haus, das seinen Namen trägt, stünde der Friedensstadt Osnabrück wohl zu Gesicht.″

Karin Jabs-Kiesler
Bürgermeisterin a. D. Osnabrück

War Hans Calmeyer wirklich eine , ambivalente Persönlichkeit′, wie Alfons Krenkmann vom Wissenschaftlichen Beirat und Volker Issmer im Leserbrief betonen? , Ambivalent′ heißt , widersprüchlich′. War Calmeyer in seinem Denken und Planen widersprüchlich? […] Er war meines Erachtens keine widersprüchliche und keine ambivalente, sondern eine eindeutige, geradlinige Persönlichkeit. Dazu gehörte seine Selbstanklage , Ich habe Schuld auf mich geladen′ beziehungsweise, wie Mathias Middelberg ihn zitiert: , Wer bin ich, dass ich über Leben und Tod entscheide? Freilich, er war ein Schreibtischretter und nicht wie Kurt Gerstein an der Front der Vernichtungslager. Aber auch in dieser Funktion hatte er, wäre der Schwindel aufgeflogen, täglich sein Leben aufs Spiel gesetzt. Er hätte sich versetzen lassen können, hat das aber ablehnt, weil er retten wollte. Das hat besonders die jüdische Seite erkannt: Avi Primor, ehemals israelischer Botschafter in Deutschland, hat mir bei seinen Besuchen in Osnabrück mehrfach gestanden, dass Calmeyer wirklich ein , Gerechter unter den Völkern′ gewesen sei, wie ihn Yad Vashem ausgezeichnet hatte. Und Michael Grünberg, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Osnabrück, betont: , Calmeyer hat bewiesen: Es war möglich, im System des Terrorstaates Juden zu retten.′ Viele mir bekannte Rabbiner (aus Hannover, Oldenburg und Hamburg) argumentieren ähnlich. […].

Es ist meines Erachtens besser, die Villa Schlikker, ehemalige Nazi-Zentrale, , Hans-Calmeyer-Haus′ zu benennen und in ihren Räumen Aufklärung und politische Bildung durchzuführen, als diese Villa als , Friedenslabor′ zu betiteln und in ihr einen Raum mit einer Dauer-Ausstellung über Calmeyer zu gestalten.″

Prof. Dr. Reinhold Mokrosch
Osnabrück

Bildtext:
Die Villa Schikker, einst Sitz der NSDAP und heute Museum, soll zum Hans-Calmeyer-Haus werden. Doch es gibt Widerstände.
Foto:
Archiv/ Gert Westdörp
Autor:
Karin Jabs-Kiesler, Prof. Dr. Reinhold Mokrosch


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