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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie geht es den Affen auf dem Schölerberg?
Zwischenüberschrift:
Fragen und Antworten nach Schimpansen-Tötung in Basel
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ist die Haltung und Zucht von Menschenaffen sinnlos oder notwendig? Nach dem gewaltsamen Tod eines Osnabrücker Schimpansen im Zoo Basel prallen die unvereinbaren Positionen von Tierparks und Tierrechtlern aufeinander. Wir erklären, warum Peta so heftig protestiert, und blicken dazu auf die Situation am Schölerberg.

Was genau ist mit dem Osnabrücker Schimpansen im Zoo Basel passiert? Das 1989 im Zoo Osnabrück geborene Männchen Tatu wurde in der Nacht zum 15. Dezember 2019, gut zwei Monate nach seinem zu Zuchtzwecken durchgeführten Transfer vom Schölerberg in die Schweiz, von Artgenossen totgebissen. Das hat eine Obduktion, deren Ergebnisse vor wenigen Tagen bekannt wurden, bestätigt. Deutliche Hinweise darauf, dass ein lebensgefährlicher Angriff auf den Neuankömmling bevorstehen könnte, hatte der Zoo Basel nach eigenen Angaben nicht. Die Eingewöhnung des Schimpansen sei behutsam erfolgt, sagte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. Die überwiegende Anzahl der beobachteten Kontakte war freundlich.″

Wie reagieren Tierrechtler auf den Vorfall? Der Verein Peta, nach eigenen Angaben mit 1, 5 Millionen Unterstützern größte Tierrechtsorganisation Deutschlands, nimmt Tatus gewaltsamen Tod zum Anlass für grundsätzliche Kritik an Menschenaffenhaltung und - transfers. Die Haltung und Nachzucht von Schimpansen hat nur für die Zoos einen Nutzen, da sie damit Besucher anlocken wollen. Währenddessen leiden und sterben die Tiere″, sagt Peta-Fachreferentin Yvonne Würz laut einer Mitteilung. Zuchtprogramme, bei denen zoologische Einrichtungen Menschenaffen untereinander austauschten, seien kostenintensiv und sinnlos″. Nur der Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume könne das Überleben von Schimpansen langfristig sichern.

Welche konkreten Probleme sieht Peta bei Menschenaffen-Transfers? Peta bemängelt, dass sensible Tiere wie Schimpansen bei Transfers zwischen den Zoos immer wieder von ihren Familien und sozialen Gruppen getrennt und in ein völlig neues Umfeld gebracht″ würden. Dies könne für das jeweilige Tier verheerende Auswirkungen auf seine körperliche und seelische Verfassung″ haben. Peta nennt als Beispiel den Tod von Schimpansenweibchen Zamana im Zoo Osnabrück im Herbst 2013: Die elfjährige Affendame war damals wenige Tage nach ihrer Ankunft aus dem Zoo Basel an Kreislaufversagen gestorben.

Was fordert die Tierrechtsorganisation? Peta verlangt ein Nachzucht- und Importverbot für Menschenaffen, damit die Haltung dieser Tiere in Zoos mittelfristig ausläuft. Denn sie trage nichts zum Schutz der wild lebenden Populationen bei. Fachreferentin Würz: Es ist nahezu unmöglich, in Gefangenschaft geborene Menschenaffen wieder in die Freiheit zu entlassen.″

Wie stellt sich Affenhaltung im Zoo Osnabrück dar? Derzeit leben 85 Affen aus 15 Arten am Schölerberg. Schimpansen und Orang-Utans gibt es hier bereits seit den 1960er-Jahren, andere Arten wie Weißscheitel-Mangaben erst seit 2010. Ihre Haltung geschieht auf Grundlage eines wissenschaftlichen Fundaments, unterliegt strengen Auflagen und wird regelmäßig vom Veterinäramt überprüft″, erklärt Zoosprecherin Hanna Räckers. Allein für Schimpansen stehe in der vor zehn Jahren neu gebauten Afrika-Tierwelt Takamanda″ eine der größten Anlagen Europas zur Verfügung, die zurzeit acht Affen Platz biete. Auf 2500 Quadratmetern außen und 500 Quadratmetern innen gebe es jede Menge Grün zum Klettern und Verstecken, außerdem diverse Einbauten zur Beschäftigung der Tiere zum Beispiel einen künstlichen Termitenhügel, aus dem die Schimpansen Futter pulen können.

Warum hält der Zoo Osnabrück Affenhaltung für notwendig? Alle vier Menschenaffenarten (Gorillas, Orang-Utans, Bonobos und Schimpansen) sind laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion IUCN mindestens stark gefährdet″ oder sogar vom Aussterben bedroht″. Als Hauptgrund nennt der Zoo Osnabrück die Zerstörung ihrer Lebensräume durch Menschen. Außerdem würden die Tiere gejagt entweder um ihr Fleisch zu essen oder um sie von Plantagen zu vertreiben. Eine Wiederansiedlung in der Wildbahn wäre unter diesen Umständen verantwortungslos″, sagt Sprecherin Räckers. Jedoch sei es wichtig, bedrohte Arten in Zoos systematisch zu erhalten, damit eine Auswilderung in Zukunft überhaupt möglich sei.

Lassen sich durch Nachzucht bedrohte Tierarten retten? Mithilfe von aktuell mehr als 200 Europäischen Erhaltungsprogrammen (EEPs) und internationalen Zuchtbüchern bemühen sich Zoos, viele bedrohte Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren. Dazu werden Paare oder Gruppen nach wissenschaftlichen Kriterien so zusammengestellt, dass sich unabhängig von der Situation in der Wildbahn eine stabile Population entwickeln kann. Die Tiere werden dabei unter den Zoos getauscht, nicht verkauft. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass ohne die Leistung von Zoos etwa 50 Tierarten bereits ausgestorben wären″, betont Osnabrücks Zoosprecherin. Zudem hätten Zoos, die wie der Osnabrücker dem Verband der zoologischen Gärten (VdZ) angehören, 2016 allein 350 Tiere aus 28 Arten in Deutschland, Europa und der Welt ausgewildert.

Welche Zuchterfolge bei Affen kann der Zoo Osnabrück vorweisen? Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden den Angaben zufolge 13 Jungtiere bei Affenarten im Zoo Osnabrück geboren, die auf der Roten Liste weit oben stehen. Insgesamt kamen seit 2015 am Schölerberg 38 Affenbabys zur Welt. Darüber hinaus habe es in der jüngeren Vergangenheit mehrere Transfers von Affen aus dem Zoo Osnabrück in andere zoologische Einrichtungen gegeben, bei denen die Tiere erfolgreich züchteten. Beispiele seien Schimpansin Kisha, die 2013 nach Leipzig zog, und Schimpanse Kume (2013 Umzug nach Basel).

Bildtext:
Der Bestand an Westafrikanischen Schimpansen, wie sie auch in der Tierwelt Takamanda″ am Schölerberg gehalten werden (Bild), ist nach Angaben des Osnabrücker Zoos in den vergangenen 20 Jahren in der Wildbahn um 80 Prozent geschrumpft auf nur noch 15000 bis 20000 Exemplare.
Foto:
David Ebener
Autor:
Sebastian Stricker


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