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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
So sind die Osnabrücker unterwegs
 
Ab drei Kilometern wird das Auto bevorzugt
Zwischenüberschrift:
Studie gibt Einblick in Mobilität der Osnabrücker / Sorgenkinder sind Fußgänger und ÖPNV
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Wege des Herrn mögen unergründlich sein, die der Osnabrücker sind es nicht. Bereits zum zweiten Mal hat sich die Stadt wie übrigens auch sieben Kommunen im Umland (Belm, Bissendorf, Georgsmarienhütte, Hagen, Hasbergen, Lotte und Wallenhorst) an einer wissenschaftlichen Untersuchung beteiligt mit dem Ziel, die Vorlieben ihrer Bürger bei der Verkehrsmittelwahl zu erfahren. 2013 hatten die Ergebnisse das regionale Oberzentrum als Autofahrer-Domäne entlarvt. Fünf Jahre später ist eine Entwicklung zugunsten des Umweltverbunds erkennbar. Unter diesem Begriff werden öffentlicher Nahverkehr, Fahrradfahrer und Fußgänger zusammengefasst. Am Dienstag nahm Stadtbaurat Frank Otte bei einer Pressekonferenz Stellung zu den Resultaten der Studie.

Osnabrück Die Menschen in Osnabrück fahren weniger Auto als vor fünf Jahren und gehen seltener zu Fuß, steigen dafür aber häufiger aufs Fahrrad. Den Bus nutzt weiterhin nur eine Minderheit. Das geht aus einer aktuellen Mobilitätsstudie der TU Dresden hervor. Was schließen die Osnabrücker Verkehrsplaner daraus?

Die Technische Universität (TU) Dresden erforscht seit 1972 in ihrer sogenannten SrV-Studie, wie die Wohnbevölkerung bestimmter Gebiete vor Ort unterwegs ist. Folgende Fragen sind dabei für sie besonders interessant: Welche Verkehrsmittel benutzen die Menschen? Und wie verändert sich ihr Mobilitätsverhalten? Auf die Antworten sind aber nicht nur die Wissenschaftler scharf, sondern auch Verkehrsplaner und - politiker. Für sie stellen aussagekräftige Daten eine wichtige Entscheidungsgrundlage dar.

Die Stadt Osnabrück hat sich deshalb zum zweiten Mal nach 2013 an der bundesweiten Untersuchung mit dem Titel Mobilität in Städten SrV″ beteiligt. Dabei interviewten die Wissenschaftler von Februar 2018 bis Januar 2019 insgesamt 1308 zufällig ausgewählte Personen in 677 Osnabrücker Haushalten und fanden spannende Dinge heraus, insbesondere im Vergleich mit früheren Ergebnissen.

Radeln immer beliebter

Das Fahrrad erfreut sich demnach steigender Beliebtheit. Gleichzeitig wird in der Stadt etwas seltener zu Fuß gegangen. Der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) hat sich gegenüber 2013 leicht erhöht. Außerdem legen die Osnabrücker inzwischen weniger Wege mit dem Auto zurück.

In Zahlen ausgedrückt, sieht das so aus: Für knapp ein Viertel aller Wege (24 Prozent) steigen die Bürger heute aufs Rad. Fünf Jahre zuvor waren es nur 20 Prozent. Der Fußgänger-Anteil am sogenannten Modal Split, dem Fachbegriff für die Verteilung des Verkehrs auf die verschiedenen Verkehrsmittel, sank hingegen im selben Zeitraum von 24 auf 22 Prozent. Der ÖPNV macht inzwischen neun statt wie damals acht Prozent aus. Der sogenannte motorisierte Individualverkehr (MIV), mit dem vor allem die Fortbewegung per Pkw gemeint ist, schrumpfte derweil relativ gesehen von 48 auf 45 Prozent.

Wichtig zu betonen: Einpendler, Touristen und Besucher berücksichtigt die Studie nicht. Sie trifft daher keine Aussage über den gesamten Verkehr auf den Straßen, sondern bildet lediglich das Verkehrsverhalten der Einwohner ab. Allerdings tragen diese maßgeblich zum Verkehrsaufkommen bei.

Am Donnerstag beschäftigt sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt mit den Osnabrücker Resultaten der SrV-Studie 2018. Bereits am Dienstag gab Stadtbaurat Frank Otte bei einer Pressekonferenz seine Einschätzung: Der Trend geht in die richtige Richtung!

Dass mehr Menschen in Osnabrück Fahrrad fahren, freue ihn besonders, betonte Otte selbst ein leidenschaftlicher Radler. Die Ergebnisse zeigten, dass die von der Stadt unternommenen Anstrengungen in diesem Bereich fruchteten. Denn im Binnenverkehr, der immerhin 80 Prozent aller Wege ausmacht, liege der Fahrrad-Anteil am Modal Split mit 28 Prozent (2013: 23 Prozent) sogar noch höher als in der Gesamtbetrachtung. Das Ziel, die Quote bis 2030 auf 30 Prozent zu steigern, sei damit nicht nur realistisch, sondern beinahe schon zu niedrig angesetzt. Aber wie ich die Politik in Osnabrück kenne, wird sie das schon bald nach oben korrigieren″, so der Stadtbaurat.

Mit Blick auf den zwar abnehmenden, aber weiter klar dominierenden Autoverkehr in der Stadt stellte Otte hingegen ernüchtert fest: Es gibt sie immer noch Leute, die mit dem eigenen Wagen zum Bäcker oder zum Briefkasten fahren.″ Tatsächlich nutzen 14 von 100 Osnabrückern laut der SrV-Studie 2018 sogar für Wege bis 1000 Meter Länge den Pkw. Bei Entfernungen zwischen einem und drei Kilometern sind es bereits 36 von 100, bei drei bis fünf Kilometern sogar 52 von 100 sprich mehr als die Hälfte aller Bürger. Das ist unsere Zielgruppe, da gibt es viel Potenzial, Menschen für den Umweltverbund zu gewinnen″, erklärte der Stadtbaurat. Extrem hartnäckige Autofahrer indes müssten damit rechnen, dass die Stadt ihnen die Pkw-Nutzung innerhalb der Viertel und Quartiere schwerer mache.

Seltener zu Fuß

Verkehrsplanerin Ulla Bauer konstatierte: Wer ein Auto hat, fährt auch regelmäßig damit.″ Unterm Strich benutze der größte Teil der Osnabrücker aber nicht nur ein, sondern verschiedene Verkehrsmittel oft auch in Kombination. Beunruhigend findet Bauer allerdings den Fußgänger-Schwund. Daran müssen wir arbeiten.″

Den nach wie vor verhältnismäßig schwachen ÖPNV-Anteil am örtlichen Modal Split kommentierte Harald Schulte von der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) so: Etwas anderes hätte uns auch gewundert.″ Eine deutliche Steigerung der Quote erwarte die Planos erst zur SrV-Studie 2023. Dann würden sich auch die anstehenden Verbesserungen im städtischen Busangebot in der Untersuchung niederschlagen. Vom selbst gesteckten Ziel, bis 2030 das jährliche Fahrgastaufkommen in Osnabrück von aktuell 36 Millionen auf 43 Millionen zu steigern, rücke die Planos jedenfalls nicht ab.

Bildtext:
Rad, Auto, Bus oder zu Fuß? Die Menschen in Osnabrück bewegen sich im Verkehr auf unterschiedliche Weise fort. Wie genau und wie sich das Mobilitätsverhalten verändert, wird von Wissenschaftlern regelmäßig untersucht.
Foto:
Gert Westdörp

Die SrV-Studie

SrV ist die Abkürzung für System repräsentativer Verkehrsbefragungen″. Dabei handelt es sich um eine Verkehrserhebung im Stadtverkehr. Das SrV wird seit 1972 regelmäßig im Abstand von etwa fünf Jahren durch den Lehrstuhl für Verkehrs- und Infrastrukturplanung an der TU Dresden organisiert. Neben der seit 1976 durchgeführten Studie Mobilität in Deutschland″ ist es die am längsten kontinuierlich durchgeführte verkehrswissenschaftliche Untersuchung in Deutschland.

2018 wurde die SrV-Studie Mobilität in Städten″ zum elften Mal aktualisiert. In diesem Durchgang wurde mit etwa 186 000 befragten Personen in 135 Kommunen die bisher größte Stichprobe erfasst.

Kommentar
Der innere Schweinehund

Im Rathaus schlägt jetzt wieder die Stunde der Zahlendeuter. Mit der repräsentativen SrV-Studie der TU Dresden haben die Osnabrücker Verkehrsplaner und - politiker ein Instrument an der Hand, das ihnen bei der Verbesserung der Verkehrssituation in Osnabrück extrem helfen kann. War bereits die Untersuchung aus dem Jahr 2013 aufschlussreich, indem sie der Stadt den in mancherlei Hinsicht ernüchternden Status quo vor Augen führte, so entfaltet sich der wahre Wert der Studie durch ihre Fortschreibung. Sie ermöglicht den direkten Vergleich von aktuellen und früheren Ergebnissen, zeigt lokale Trends auf und lässt dringende Handlungsfelder erkennen.

Nun gilt es, aus den Analysen die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Wie kann der sogenannte Umweltverbund aus ÖPNV, Fahrradfahrern und Fußgängern in Osnabrück weiter gestärkt werden, und zwar möglichst schnell und effektiv ? Wo sind auf der anderen Seite die Grenzen einer notwendigen Umverteilung von Verkehrsraum zulasten des Pkw erreicht? Auf Rat und Verwaltung warten viele, auch unpopuläre Entscheidungen. Eins können sie uns allen als Verkehrsteilnehmern jedoch nicht abnehmen: das Richtige zu tun und dafür, wenn nötig, den inneren Schweinehund zu überwinden.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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