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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Deutlich zu viel Gülle landet auf den Feldern
Zwischenüberschrift:
Umweltbundesamt kritisiert Landwirte im Osnabrücker Land für Grundwasserbelastung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Landwirte im Osnabrücker Land haben deutlich mehr gedüngt, als der Boden an Nährstoffen aufnehmen kann. Das geht aus einer Auswertung hervor, die das Umweltbundesamt Ende 2019 vorgestellt hat. Der Fachgebietsleiter Landwirtschaft des Umweltbundesamtes, Knut Ehlers, sagte unserer Redaktion, es sei daher nicht verwunderlich″, dass das Grundwasser im Landkreis Osnabrück in einem schlechten chemischen Zustand″ ist.

Der Landkreis liegt beim Stickstoffüberschuss unter den ausgewerteten 402 Kreisen in Deutschland auf Rang 25. Das geht aus der sogenannten Stickstoff-Flächenbilanz″ hervor, die die Universität Gießen im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellt hat. Der Überschuss im Mittel der Jahre 2015 bis 2017 lag im Osnabrücker Land demnach bei 130 Kilo Stickstoff pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche.

Wie stark sind die Äcker überdüngt? Damit wurde deutlich mehr gedüngt als im bundesweiten (77 Kilo Stickstoff pro Hektar) sowie auch im landesweiten Mittel (108 Kilo Stickstoff pro Hektar). Laut Ehlers ist das Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, den Stickstoffüberschuss auf 70 Kilo pro Hektar im Fünfjahresdurchschnitt zu begrenzen. Dieser Zielwert wird im Landkreis Osnabrück demnach um 85 Prozent übertroffen.

Wo liegen Gülle-Hotspots? Mit 161 Kilo Stickstoff pro Hektar sind die landwirtschaftlichen Flächen in der Grafschaft Bentheim deutschlandweit am stärksten überdüngt. Das Emsland hat es ebenfalls in die Top Ten dieser unrühmlichen Rangliste geschafft und liegt bundesweit auf Platz 8 (139 Kilo Stickstoff pro Hektar).

Was ist Stickstoff? Stickstoff ist der wichtigste Nährstoff für Pflanzen und wird in Form von künstlichem Mineraldünger oder als Gülle also hauptsächlich Urin und Kot von Nutztieren wie Schweinen oder Rindern auf die Felder ausgebracht.

Das Umweltbundesamt warnt, dass ein Übermaß an Stickstoff und die Verlagerung in empfindliche Ökosysteme gravierende Auswirkungen auf die Umwelt haben kann. Wenn der ausgebrachte Stickstoffdünger nicht mehr durch die Pflanzen aufgenommen werden kann, könne er in Grund- und Oberflächengewässer gelangen.

Welche Folgen hat der Stickstoffüberschuss? Stickstoff wird in Verbindung mit Sauerstoff zu Nitrat, das unser Grundwasser gefährdet, und trägt zur Nährstoffüberversorgung von Oberflächengewässern und Ökosystemen bei.

Warum will ein Wasserverband klagen? Der Wasserverband Bersenbrück erwägt wegen zu hoher Nitratbelastung des Grundwassers aktuell eine Klage gegen das Land Niedersachsen, wenn geplante Auflagen für die Landwirtschaft wie ein um 20 Prozent verringerter Einsatz von Düngemitteln nicht greifen. Die Situation müsse sich wesentlich verbessern″, weil die Nitratkonzentration etwa im Wassergewinnungsgebiet Merzen-Plaggenschale bereits seit elf Jahren leicht steigend sei. Hintergrund dafür sei auch in diesem Gebiet die zu starke Düngung intensiv ackerbaulich genutzter Flächen. Falls die Belastung sich in die tiefen Grundwasserschichten verlagert und der Nitratgehalt dann über den Grenzwert ansteigen sollte, müsste dort eine kostspielige Anlage zur Nitratentfernung errichtet werden.

Ist eine Verschärfung der Düngeauflagen richtig? Der Fachgebietsleiter Landwirtschaft des Umweltbundesamtes, Knut Ehlers, weist darauf hin, dass Deutschland vom Europäischen Gerichtshof wegen Verstoßes gegen die Nitratrichtlinie schuldig gesprochen wurde. Deshalb sei die aktuell geplante, weitere Verschärfung der Düngeregeln richtig. Ehlers sieht die Ursachen für das Stickstoffproblem in der aktuellen Agrarstruktur. Bei der gegenwärtigen Art und Weise und auch der Menge der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland ist es schlechterdings unmöglich, das vielschichtige Stickstoffproblem aufzulösen″, konstatiert Ehlers. Durch die Mineraldüngerproduktion und die Futtermittelimporte komme zu viel Stickstoff ins System. Eine weitere, wesentliche Ursache sei, dass die Viehbestände in Deutschland ungleich verteilt seien und die Tierbestände gerade in Nordwestdeutschland also in unserer Weser-Ems-Region auf ein nachhaltiges Maß reduziert″ werden müssten, um die Stickstoffkreisläufe auf regionaler Ebene schließen zu können.

Es bedürfe neuer Rahmenbedingungen. Gelder müssten im Rahmen der Agrarsubventionen anders verteilt werden. Die Gelder müssten so eingesetzt werden, dass diejenigen Betriebe am stärksten gefördert werden, die am meisten für die Umwelt und das Tierwohl leisten. Ehlers zufolge wäre es falsch, wenn es dabei bliebe, dass die Betriebe das meiste Geld erhalten, die die meiste Fläche bewirtschaften.

Was können Verbraucher machen? Die Verbraucher könnten ihren Beitrag leisten, wenn sie weniger Fleisch essen, weniger Nahrungsmittel wegwerfen und für umweltfreundlich hergestellte Bioprodukte auch einen höheren Preis zu zahlen bereit sind.

Bildtext:
Das Umweltbundesamt warnt, dass die Äcker in der Region überdüngt sind, wodurch unser Grundwasser bedroht ist.
Foto:
Archiv/ Michael Gründel

So gefährlich ist Nitrat

Nitrat landet als Dünger auf den Feldern. Wenn die Pflanzen den Dünger aber nicht aufnehmen können, landet der Stoff in den Böden und im Grundwasser. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Nitrate selbst relativ unbedenklich sind. Nitrate könnten im Körper aber zu Nitrit umgewandelt werden, dem eigentlichen gesundheitlich problematischen Stoff.

Denn in großen Mengen kann Nitrit den Sauerstofftransport im Blut behindern, was zu einem Sauerstoffmangel führen kann. Besonders Säuglinge sind dafür anfällig.

Auch könne Nitrat zu Nitrosamin umgewandelt werden, was sich in Tierversuchen als krebserregend erwiesen hatte. Ob dies auch für den Menschen gilt, ist laut BfR bislang noch nicht geklärt. Das BfR sieht eine langfristige Aufnahme von größeren Mengen an Nitrat aber als problematisch an, weshalb so wenig Nitrat wie möglich aufgenommen werden sollte.

Kommentar
Weniger Dünger für unsere Äcker

Die Auswertung des Umweltbundesamtes zeigt: Es ist richtig, die Düngeauflagen in Gebieten mit stark überdüngten Feldern zu verschärfen. Nun gibt es einen weiteren Nachweis, wie stark die Böden in unserer Region belastet sind.

Der Stickstoffüberschuss auf den Feldern im Osnabrücker Land liegt um 85 Prozent über dem von der Bundesregierung festgelegten Zielwert. Das ist ein Alarmsignal. Deshalb ist es richtig, dass die Politik in besonders nitratbelasteten Gebieten einen verringerten Einsatz von Düngemitteln vorsieht.

Der Nachteil an der Bilanz des Umweltbundesamtes ist, dass die Daten aus dem Jahr 2017 stammen. Der Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer zeigte aber bereits, dass im Osnabrücker Land auch im Erntejahr 2018 mehr Dünger auf den Äckern gelandet ist, als Pflanzen gebraucht hätten. Auch wenn der Stickstoffüberschuss sich um ein Viertel zum Vorjahr reduziert hatte, reicht das noch nicht. Es muss sichergestellt werden, dass in Zukunft nur noch so viel Dünger auf die Äcker kommt, wie die Pflanzen auch wirklich benötigen. Alles andere sorgt für eine unnötige Zusatzbelastung des Grundwassers. Und Wasser brauchen schließlich nicht nur Pflanzen. j.fays@ noz.de
Autor:
Jean-Charles Fays


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