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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nach Krefeld: Raketenfreie Zone rund um Schölerberg gefordert
 
Auch Zoo Osnabrück erlebte Brandkatastrophe
Zwischenüberschrift:
Sicherheit der Tiere Thema bei Neujahrsempfang der Zoogesellschaft / Mehr als eine Million Besucher 2019
 
Dutzende Tiere starben: Vor 42 Jahren schlugen Flammen aus dem Mehrzweck-Warmhaus am Schölerberg
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Beim Neujahrsempfang der Zoogesellschaft Osnabrück hat Zoopräsident Fritz Brickwedde vor 220 Gästen als Konsequenz aus den Vorgängen in Krefeld die Stadtverwaltung aufgefordert, eine Verordnung für eine raketenfreie Zone rund um den Schölerberg am Jahreswechsel zu erlassen.

Die schrecklichen Vorgänge im Krefelder Zoo mit über 30 verbrannten Tieren müssen auch in Osnabrück Konsequenzen haben″, wird Brickwedde in einer Mitteilung der Zoogesellschaft zitiert. Zum Hintergrund: Bei einem der schwersten Zoo-Unglücke der vergangenen Jahrzehnte ist in der Nacht zu Neujahr in Krefeld das Affenhaus ausgebrannt. Mehr als 30 Tiere starben. Ausgelöst wurde das Feuer von einer sogenannten Himmelslaterne.

Für den Feuerfall sei der Zoo gut gerüstet″, da zwei Zoomitarbeiter auf dem Zoogelände wohnten und so ein Brand auch nachts frühzeitig bemerkt werden könnte, heißt es seitens der Zoogesellschaft. Er habe ein nahezu flächendeckendes Netz von Hydrantenanschlüssen und eigene Feuerwehrschläuche, sodass im Falle eines Brandes auch schon vor Eintreffen der Feuerwehr gelöscht werden könnte.

Trotzdem müsse alles getan werden, um schreckliche Ereignisse wie in Krefeld zu verhindern. Deshalb müsse es eine Zone rund um den Zoo geben, in der keine Raketen gezündet werden dürften, fordert die Zoogesellschaft. Die Stadt könne und solle eine entsprechende Verordnung erlassen.

In Osnabrück gibt es nur im Unterirdischen Zoo ein Brandmeldesystem, das an das Brandmeldesystem des benachbarten Museums angeschlossen ist, wie eine Sprecherin gegenüber der Deutschen Presse Agentur sagte. Ihr zufolge funktionieren Brandmelder in Tiergehegen mitunter nicht zuverlässig, denn Staub oder durchfliegende Tiere könnten Fehlalarme auslösen. Der Nutzen ist dann nicht mehr gegeben.″ Aber: Der Zoo Osnabrück hat nun schon angestoßen, dass die Gebäude erneut geprüft werden.″

Zoopräsident Fritz Brickwedde informierte beim Neujahrsempfang der Zoogesellschaft aber auch darüber, dass es 2019 wieder mehr als eine Million Besucher gegeben habe. Der Zoo Osnabrück sei mit mehr als 2000 Tieren aus rund 290 Arten eine große Arche Noah des Artenschutzes″. Die Zoogesellschaft habe 2271 Mitglieder, der Zoo 182 Mitarbeiter. Der Verein Löwen für Löwen″ habe bisher 450 000 Euro gesammelt, um die Löwenanlage zu erweitern und wieder Löwennachwuchs zu ermöglichen.

Osnabrück Der verheerende Brand im Krefelder Zoo bestimmte in den vergangenen Tagen bundesweit die Schlagzeilen. Was viele nicht mehr wissen: Vor fast genau 42 Jahren gab es auch im Osnabrücker Zoo ein Feuer, das Dutzende Tiere das Leben kostete.

Rauchgeschwärzte Betonpfeiler, ausgeglühte Eisenträger, eingestürzte Decken, verkohlte Holzbalken und zersplittertes Glas boten gestern Morgen ein Bild wie nach einem Bombenangriff″, stand am 5. Januar 1978 in der Lokalausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung″ geschrieben.

Was war passiert? In der Nacht vom 3. auf den 4. Januar hatte ein Lkw-Fahrer gegen 3 Uhr einen Feuerschein über dem Schölerberg bemerkt. Er alarmierte die Feuerwehr, die mit 17 Einsatzkräften, drei Löschfahrzeugen, einer Drehleiter und zwei Leiterwagen ausrückte. Bei ihrer Ankunft schlugen ihr die Flammen aus dem erst drei Jahre zuvor eröffneten Mehrzweck-Warmhaus entgegen grob gesagt, steht dort heute unter anderem die Angkor-Wat-Themenwelt. Mit Atemschutzgeräten ausgestattet, machten sich die Brandbekämpfer an die Arbeit.

Als verhängnisvoll erwies sich, dass das Feuer im aus Sperrholz und Dachpappe bestehenden Dach reiche Nahrung fand. Als Löschwasserteich diente der Feuerwehr seinerzeit unter anderem das Seelöwenbecken.

Hoher Sachschaden

Einen Teil des Gebäudes und die Zooschule konnte die Feuerwehr durch ihr beherztes Eingreifen vor den Flammen retten, doch dass Dutzende Tiere den Tod fanden, konnte sie nicht verhindern. 25 Affen, 30 Vögel, mehrere Reptilien sowie See- und Süßwasserfische in vier Aquarien kamen bei dem Feuer ums Leben.

Der Sachschaden an dem versicherten Gebäude wurde auf rund zwei Millionen D-Mark geschätzt. Allerdings waren die Tiere und das Inventar nicht versichert. Diesen (Wert-) Verlust bezifferte der Zoo seinerzeit auf etwa 150 000 D-Mark. Viel schwerer noch wog jedoch, dass dem Tod der Tiere teilweise jahrelange Zuchtbemühungen vorausgegangen waren, die in nur einer Nacht zunichtegemacht wurden.

Die Brandursache blieb auch in den Tagen und Wochen nach dem Feuer unklar. Eine Brandstiftung schloss die Polizei schnell aus, sodass die Vermutung blieb, dass möglicherweise Mäuse oder Ratten elektrische Leitungen angeknabbert hatten und es deswegen zu einem verhängnisvollen Kurzschluss kam.

Erst im Mai 1975, also nur rund drei Jahre zuvor, war das Mehrzweck-Warmhaus seiner Bestimmung übergeben worden. Der Bau war bis zu diesem Zeitpunkt das größte Projekt, das jemals im Zoo in Angriff genommen worden war. In zentraler Lage und auf rund 1300 Quadratmetern bot das Haus verschiedenen Tierarten eine Heimat. 21 Gehege fasste der Bau, davon zehn im Inneren. Hauptsächlich verschiedene Affen, aber auch Meerkatzen, Vögel und Reptilien wurden im Neubau auf der damaligen Erweiterungsfläche untergebracht.

Schon in den Tagen nach dem Brand entwickelte sich eine Welle der Hilfsbereitschaft, die schnell die Grenzen des Osnabrücker Landes überschritt. Die Stadtsparkasse Osnabrück spendete der Zoogesellschaft schon einen Tag nach dem Feuer 10 000 D-Mark. Wenige Tage später schlossen sich die Kreissparkasse und der Landkreis, die Firma Heinrich Dieckmann und die Neue Osnabrücker Zeitung″ mit der gleichen Summe an. Auch die Stadt schoss Geld aus ihrem Haushalt zu.

Firmen boten sich für die Aufräumarbeiten an, Jugendliche standen vor dem Zooeingang in einer Schlange, um beim Wiederaufbau zu helfen. Ein Tankstellenwart an der Sutthauser Straße warb mit einem großen Schild um Spenden, die er in einer leeren Öldose sammelte. Und ein kleines Mädchen aus Osnabrück bot an, das eigene Taschengeld zu spenden. Im Februar überschritt das Spendenaufkommen schließlich die 100 000-D-Mark-Marke.

Fünf Tage nach dem Brand und nach Abschluss der Ermittlungen begannen die Aufräumarbeiten am Schölerberg. Ein Kran hob den Trümmerschutt und verkohlte Balken aus dem niedergebrannten Mehrzweckhaus.

Die einigermaßen erhalten gebliebene untere Abteilung des Gebäudes wurde mit einer Trennwand von der Ruine abgeschirmt. Noch im Januar begannen hier die Sanierungsarbeiten, sodass ein Teil der Tiere, die teilweise in letzter Sekunde vor den Flammen gerettet worden waren, noch vor Ostern wieder einziehen konnte.

Sicherheitsdebatte

Damals wie heute wurde über Sicherheitskonzepte für den Brandfall im Zoo diskutiert. Zoogesellschafts-Präsident Herbert Sprado sagte: Tierhäuser können nicht wie Kaufhäuser gesichert werden! Ein Nachtwächter biete beispielsweise bei einem solch großen Gelände keine absolute Sicherheit. Nach Rücksprache mit den Brandexperten der Polizei bestehe kein Vorschlag, der die Situation grundlegend verbessern würde, so Sprado einige Tage nach dem Brand.

Bildtext:
Ein Raub der Flammen wurde in der Nacht auf den 4. Januar 1978 das Mehrzweck-Warmhaus im Osnabrücker Zoo. Nach der Katastrophe erlebte der Zoo eine Welle der Hilfsbereitschaft.
Fotos:
Archiv/ Petschkuhn
Autor:
COB, Sebastian Philipp


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