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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mangel an Erziehern wird zum Problem
 
Konkurrenzkampf um Erzieher
Zwischenüberschrift:
Zum Kitaplatzmangel in Osnabrück kommt jetzt auch noch der Personalnotstand
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Auch in diesem Jahr müssen viele Osnabrücker Eltern bangen, ob sie einen Kitaplatz für ihr Kind bekommen. Die Stadt versucht, den Mangel durch neue Betreuungsplätze zu beheben, allein 38 neue Stellen für pädagogische Fachkräfte entstehen 2020 bei der Stadt.

Doch wo sollen die Mitarbeiter für all die neuen Krippen- und Kindergartenplätze herkommen? Allein bei den größeren Trägern der Stadt Osnabrück sowie den evangelischen und den katholischen Kirchengemeinden sind in Osnabrück 32 Personalstellen im Erzieherbereich nicht besetzt. Im Landkreis sieht es nicht viel besser aus, wie die Kita-Verantwortlichen beim Bistum und beim evangelischen Kirchenkreis unserer Redaktion sagten. Der Personalmangel droht den weiteren Ausbau der Betreuungsplätze zu bremsen.

Osnabrück Das hier ist reiner Überlebenskampf″, sagt Anne Grosenick und zeigt auf den Dienstplan in der St.-Michaelis-Kita in Eversburg. Anfang Dezember fehlten der Leiterin sechs Mitarbeiter: drei schwanger, drei krank. Außerdem waren zwei Vertretungsstellen nicht besetzt. Eine Krippengruppe hätte sie im Dezember komplett schließen müssen, wenn nicht eine Kollegin auf ihren Urlaub verzichtet hätte. Nur so konnten sie eine Betreuung von 7 bis 14 Uhr gewährleisten, nachmittags organisierten die betroffenen Familien sich untereinander.

Viele Stellen nicht besetzt

An anderen Kitas ist die Situation ähnlich. Sie reduzieren während Krankheitswellen die Betreuungszeiten, richten Notgruppen ein oder schließen im Ausnahmefall einzelne Gruppen tageweise komplett. Bei den 20 Osnabrücker Kitas in Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinden sind derzeit zwölf Stellen nicht besetzt. Bei den 23 Kitas in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinden waren Mitte November acht Planstellen vakant plus drei Ausfälle durch Schwangerschaft und fünf Langzeiterkrankte. Und bei den neun Kitas in städtischer Trägerschaft waren im Dezember zwölf Stellen nicht besetzt dabei hat die Stadt ihre Erzieherstellen im Mai 2019 schon extra entfristet, um sie attraktiver zu machen.

Der Personalmangel wird sich weiter verschärfen. Allein die Stadt schafft in diesem Jahr 38 neue Stellen, knapp 25 davon in der neuen städtischen Kita im Landwehrviertel, die derzeit gebaut wird. Auch andere Träger vergrößern ihre Kitas oder starten neue Einrichtungen. Das alles führt dazu, dass unter den Kitas ein Kampf um die Mitarbeiter tobt. Die Fluktuation ist hoch″, sagt Karin Vornhülz vom Bistum Osnabrück. Sobald es in einem Team nicht so gut funkt, suchen sich die Mitarbeiter woanders einen Job.″ Für die Kinder sei der ständige Wechsel nicht gut und für die Teams ebenfalls nicht.

Auch für den weiteren Ausbau der Betreuungsplätze hat der Fachkräftemangel Konsequenzen. Permanent versucht die Stadt Osnabrück die Träger zu überzeugen, durch An- oder Neubauten weitere Kitaplätze zu schaffen und das wird immer schwieriger, nicht nur, weil sämtliche Flächen inzwischen bebaut sind, sondern auch wegen des Personalmangels. Die Kirchengemeinden werden zurückhaltender″, sagt Vornhülz. Das war vor zwei Jahren anders.″

Gewinner der Entwicklung sind die Absolventen der Erzieherschulen. Sie können sich ihre Arbeitgeber frei auswählen. Die Not ist groß″, sagt Schwester Eva-Maria Siemer, Leiterin der Berufsbildenden Schulen im Marienheim. Sie erhalte viele Mails von Kitas, die händeringend Personal suchen. Während ihres unterrichtsbegleitenden Praxiseinsatzes werden die meisten schon abgeworben.″

Doch auch wenn die meisten Absolventen in der Region bleiben, heuern bei Weitem nicht alle in den Kindergärten von Stadt und Landkreis an. Etwa ein Drittel geht ins Studium″, sagt Schwester Maria Magdalena Holzhaus, Leiterin der Franz-von-Assisi-Schule. Einige Absolventen gehen zudem in die Bereiche Jugendhilfe oder Hort, sagt Ulrike Kläfker, Leiterin der Evangelischen Fachschulen. Bei ihren Absolventen entscheiden sich etwa zehn Prozent fürs anschließende Studium und arbeiten studienbegleitend bereits als Erzieher.

Mehr Job-Anreize

Land und Bund haben einiges getan, um die vierjährige Ausbildung attraktiver zu machen. Seit 2019 ist sie kostenlos. Quereinsteiger und Abiturienten können die ersten beiden Jahren auf eines verkürzen und haben zudem die Möglichkeit, schon während der Ausbildung vormittags in einer Kita zu arbeiten und abends die Schulbank zu drücken. Früher durften sie erst in der Kita arbeiten, wenn sie den Abschluss in der Tasche hatten. Zu höheren Bewerberzahlen an den drei Osnabrücker Fachschulen hat all das aber nicht geführt.

Kita-Leiterin Anne Grosenick aus Eversburg ist vor allem sauer, dass die Arbeitsbedingungen sich seit Jahren nicht verbessern. Bei kleineren Gruppen würden sofort mehr Mitarbeiter sagen, dass sie den Job machen würden″, ist sie sich sicher. Aktuell liegt die Gruppengröße im Kindergarten bei 25 und bei den unter Dreijährigen bei 15.

Bildtext:
Der Erziehermangel in Stadt und Landkreis Osnabrück macht den weiteren Ausbau von Kitaplätzen nicht leichter.
Foto:
Jens Büttner/ dpa

Kommentar
Krise mit Ansage

Es war abzusehen: Wenn die Stadt Osnabrück immer mehr Kita-Plätze schafft, wird es mit dem Personal irgendwann eng. Für die Kinder und die Eltern ist das eine schlechte Nachricht.

Schuld an dieser Entwicklung ist nicht die Stadt. Denn die kann an den Rahmenbedingungen in der Kinderbetreuung nichts ändern und steht jetzt vor dem Problem, dass der Fachkräftemangel den weiteren Kita-Ausbau zu bremsen droht.

Jahrelang hat die Politik versucht, das Kinderkriegen attraktiver zu machen. Jetzt steigen die Geburtenraten und das Land ist nicht darauf vorbereitet. Es gibt zu wenige Hebammen, weil deren Arbeitsbedingungen zu schlecht sind, es gibt bei Weitem nicht genug Kitaplätze, und jetzt mangelt es auch am Personal.

Der Job als Erzieher ist anspruchsvoll. Eltern geben ihre Kinder voll und ganz in ihre Verantwortung und möchten sich darauf verlassen können, dass die Kinder in der Kita gut aufgehoben sind. Wenn dort zwei Pädagogen für 25 Kindergartenkinder zuständig sind, dann ist das für die Mitarbeiter anstrengend und laut. Allzu verständlich ist also die Forderung einer Kita-Leiterin nach kleineren Gruppen. Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass die Zahl der Erzieherschüler nicht steigt, obwohl das Schulgeld weggefallen ist und das Gehalt nach mehreren Tariferhöhungen gar nicht mehr so kümmerlich ist wie noch vor ein paar Jahren.

Leidtragende der Entwicklung sind die Kinder und die Eltern, die keine Planungssicherheit haben. s.dorn@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn


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