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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wenn die böse Raupe wiederkommt
Zwischenüberschrift:
Mit einem eigenen Spezialtrupp will Osnabrück gegen den Eichenprozessionsspinner vorgehen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners hat im vergangenen Jahr in der Region Osnabrück nahezu dramatische Ausmaße angenommen. Im Südkreis in Dissen zum Beipiel mussten wegen der Raupe Gehwege gesperrt werden. Dem Landkreis waren an mehreren Schulstandorten Vorkommen der Eichenprozessionsspinner″ gemeldet worden. Zu den betroffenen Schulen gehört auch das Gymnasium Oesede. Der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) will in der Stadt Osnabrück mit einem Aktionsplan gegen die gefährliche Raupe vorgehen.

Darum geht es: Der Eichenprozessionsspinner hat sich mittlerweile in der Region Osnabrück eingerichtet. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners fallen durch ihre von einem dünnen Gespinst bedeckten Nester oder durch ihre abendlichen prozessionsartigen Wanderungen in die Baumkrone auf″, erläuterte Wallenhorsts ehemaliger Umweltbeauftragter Udo Stangier. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Ausbreitung des Insekts sogar massiv erhöht. Waren es im Jahr 2018 noch acht Nester, die im Osnabrücker Stadtgebiet entfernt wurden, wurden im vergangenen Sommer Hunderte Eichen von den Tieren heimgesucht. Der OSB beauftragte Spezialfirmen mit der mechanischen Entfernung der Tiere. Da die Unternehmen angesichts der epidemischen Verbreitung der Raupe viel Arbeit hatten, kam es bisweilen zu mehrwöchigen Wartezeiten, ehe die giftigen Krabbler abgesaugt wurden. Um für die kommende Raupensaison vorbereitet zu sein, hat der OSB einen Aktionsplan zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners erarbeitet, der jetzt umgesetzt wird.

Wie will der OSB der Raupe nun zu Leibe rücken? Geplant ist, zwei Stellen für einen speziell geschulten Einsatztrupp zu schaffen, der sich vor allem in den Monaten zwischen Mai und August um die Entfernung der Tiere kümmert. Konkret schwebt dem OSB vor, die Raupen in ihrem für den Menschen gefährlichen Stadium weiterhin abzusaugen. Die benötigte Ausrüstung dafür, also in erster Linie Schutzkleidung und Sauger, müssen dafür beschafft werden. Einen eigentlich bald ausrangierten Hubsteiger will die Stadt zunächst behalten und zusätzlich ein weiteres Exemplar anmieten, bis ein neues Modell geliefert wurde, wie Detlef Schnier, Leiter Abfallwirtschaft beim OSB, auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt.

Der OSB hat errechnet, dass sich der interne Spezialtrupp gegenüber einer Beauftragung von Fremdfirmen finanziell lohnt: Pro Nest und Standort würden demnach rund 230 Euro anfallen. Bei einer externen Beauftragung an ein Fachunternehmen liegen die Kosten bislang bei bis zu 350 Euro in Abhängigkeit der jeweiligen Situation vor Ort″, heißt es in der Beschlussvorlage.

Da der Raupen-Einsatztrupp nicht das ganze Jahr mit der Entfernung beschäftigt sein dürfte, will der OSB das neue Personal für andere wichtige Aufgaben einsetzen. Dazu gehört beispielsweise die Baumpflege, die angesichts möglicher Trockenperioden immer wichtiger wird. Viele Bäume in der Stadt haben auch jetzt noch mit dem sehr trockenen Sommer des vergangenen Jahres zu kämpfen, immer öfter muss der OSB ausrücken und tote Äste entfernen, damit sie nicht zur Gefahr für Fußgänger werden.

Werden weiterhin Fremdfirmen beauftragt? Das zu schaffende Einsatzteam könnte in der Zeit zwischen Mai und August bis zu 300 Nester entfernen. Ergänzend dazu will der OSB in den Spitzenzeiten auch weiterhin externe Fachfirmen beauftragen. Dazu soll ein Rahmenvertrag mit einem Spezialunternehmen geschlossen werden. Wir erhoffen uns dadurch mehr Verlässlichkeit und auch Klarheit, was die Preise für die Entfernung angeht″, erklärt Schnier.

Wo wird der OSB tätig? Angesichts der epidemischen Ausbreitung der Raupe hat sich der OSB im vergangenen Sommer auf sogenannte Hotspots konzentriert, also Orte, an denen eine Entfernung aus verschiedenen Gründen Vorrang hatte. Dieses Vorgehen hat der Servicebetrieb nun konkretisiert und eine Prioritätenliste erarbeitet. Dabei gibt es drei unterschiedlich gewichtete Kategorien: Künftig will der OSB in weniger frequentierten Bereichen, in denen nicht abgesaugt wird, Warnschilder aufstellen oder im schlimmsten Falle Absperrungen einrichten. Zudem soll die Öffentlichkeit noch mehr als zuvor über den Umgang mit der Raupe informiert werden.

Welche Methoden werden außerdem noch getestet? In der ein oder anderen Kommune in der Region Osnabrück wird aktuell erprobt, ob Meisen das Raupen-Problem auf natürliche Art und Weise lösen können. 200 Nistkästen lässt zum Beispiel die Gemeinde Hasbergen in der Werkstatt der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) in Hasbergen bauen, damit sich im kommenden Sommer Meisen darin einnisten können. Auch in Lotte soll die natürliche Raupenbekämpfung gefördert werden. 100 Nistkästen für je rund 12 Euro, 50 vormontierte und 50 Bausätze, hat Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz bei den Ledder Werkstätten bestellt.

Dem OSB schwebt vor, versuchsweise zunächst bis zu 100 Nistkästen für Blau- und Kohlmeisen im Osnabrücker Stadtgebiet aufzuhängen. Zusätzlich sollen Blühstreifen auf geeigneten städtischen Flächen als Pollen- und Nektarquelle für Insekten angelegt werden.

Andere Kommunen testen momentan auch die Möglichkeit, den Raupen mit Heißschaum zu Leibe zu rücken. Nach Angaben des OSB bietet diese Alternative jedoch ausrüstungstechnisch keine Vorteile gegenüber dem Absaugverfahren. Zudem würde die Rinde der Bäume möglicherweise geschädigt. Und was ist mit dem Experiment, das momentan im westfälischen Hörstel erprobt wird? Dort testet die Kommune, ob Homöopathie gegen den Befall helfen könnte. Schnier ist eher skeptisch: Sollten wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben, dass das hilft, werden wir uns damit beschäftigen.″

Wird auch Gift gespritzt? Nein. Der OSB will auf Toxine verzichten, weil sie nicht nur auf den Eichenprozessionsspinner wirken, sondern auch auf alle anderen, möglicherweise nützlichen Insekten.

Was kostet es? Für 2020 rechnet der OSB mit Kosten von rund 170 000 Euro.

Bildtext:
Mechanische Entfernung des Eichenprozessionsspinners.
Raubenjäger Blaumeise.
Foto:
David Ebener, Bernd von Jutrczenka/ dpa


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