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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Umweltzone gibt es seit zehn Jahren
 
Zehn Jahre Umweltzone – hat es gewirkt?
Zwischenüberschrift:
Seit 2010 dürfen nur noch Autos und Laster mit Plakette in die Osnabrücker Innenstadt
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Zuerst ging es um den Feinstaub, der aus den Auspuffrohren strömte, dann ums Stickstoffdioxid. Und jetzt könnte der Feinstaub wieder ein Thema werden. Die Osnabrücker Umweltzone besteht seit zehn Jahren. Am 4. Januar 2010 trat das partielle Fahrverbot für Autos mit nicht mehr zeitgemäßem Abgasstandard in der Osnabrücker Innenstadt in Kraft. Seitdem haben einzelne Politiker und Fraktionen immer wieder ihre Abschaffung gefordert. Auch jetzt stellt sich die Frage, ob die stetige Erneuerung der Fahrzeugflotte und die Durchdringung des Bestandes mit moderner Filtertechnik die Umweltzone nicht überflüssig macht. Detlef Gerdts, der Leiter des städtischen Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, sieht mehrere Gründe, an der bestehenden Regelung festzuhalten.

Osnabrück Seit zehn Jahren müssen ältere Autos bestimmter Schadstoffklassen einen Bogen um die Innenstadt machen. Mit der Einführung der Umweltzone sollte die Luft in Osnabrück sauberer werden. Hat das funktioniert? Ja, sagt Detlef Gerdts, der Fachbereichsleiter für Umwelt- und Klimaschutz. Doch die Kritik an der Umweltzone ist nie verstummt.

Am Anfang durfte sie auch rot oder gelb sein, schon bald nur noch grün: Eine Plakette an der Windschutzscheibe ist seit dem 4. Januar 2010 Pflicht für alle Pkw und Lkw, die sich im Stadtzentrum von Osnabrück bewegen. Diese Umweltzone umfasst auch die Wohngebiete vom Westerberg bis zum Schölerberg, außerdem weite Teile von Schinkel. Schon in den Vorjahren hatte es Diskussionen gegeben, ob ein partielles Fahrverbot für ältere Stinker nur Symbolpolitik ist oder tatsächlich der Luftreinhaltung dient. Im Rat setzte sich schließlich die Auffassung durch, dass die Stadt die von der Europäischen Union festgelegten Grenzwerte ohne Umweltzone nicht einhalten könne.

Zuerst ging es fast immer nur um den Feinstaub, der allerdings nicht nur den Auspuffrohren von Dieselmotoren entströmte, sondern auch Ölheizungen, Industrieschloten, Osterfeuern und sogar holzkohlebetriebenen Gartengrills. Als mit der Phase Grün ab 2012 nur noch Diesel mit Rußfilter in die Innenstadt fahren durften, bekam die Stadt das Feinstaubproblem in den Griff.

Aus der Politik wurde damals gefordert, die Umweltzone abzuschaffen, weil die stetige Modernisierung der Fahrzeugflotte doch ohnehin zur weiteren Verminderung der Feinstäube beitragen würde. Fachbereichsleiter Detlef Gerdts sah jedoch schon den nächsten Problemstoff am Horizont. Durch eine strengere EU-Gesetzgebung musste sich die Stadt etwas einfallen lassen, um die Stickstoffdioxidwerte (NO2) zu senken. Und für dieses krebsgefährliche Gas, das stechend nach Chlor riecht, werden neben alten Benzinern ohne Kat auch neuere Diesel verantwortlich gemacht. So kam die zweite Bewährungsprobe für die Umweltzone, und die städtischen Umweltschützer schreiben es letztlich ihrer Beibehaltung zu, dass Osnabrück beim NO2 auf einem guten Weg ist.

Sauberer 40-Tonner

Verschärfend kam hinzu, dass die vom technischen Fortschritt erwartete Luftverbesserung wegen der Abgasmanipulationen verschiedener Autohersteller erst mit erheblicher Verzögerung eintreten kann. Und weil der Gesetzgeber nach dem Bekanntwerden des Dieselskandals übergangsweise einen höheren Schadstoffausstoß tolerierte, verschieben sich die Maßstäbe auf kuriose Weise. In einer Vorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt hat die Verwaltung kürzlich vorgerechnet, dass ein moderner 40-Tonnen-Sattelschlepper mit Euro-6-Standard weniger Stickoxide ausstößt als ein herkömmlicher Euro-6-Pkw.

Weil der Anteil der Fahrzeuge mit sauberen″ Verbrennungsmotoren langsam, aber sicher steigt, gibt es auch zehn Jahre nach der Einführung der Umweltzone Stimmen aus dem Rat, die ein Ende des räumlichen Fahrverbots einfordern. Fachbereichsleiter Gerdts hält dagegen. Noch immer seien in der Stadt Osnabrück, im Landkreis und im Kreis Steinfurt 34 400 Fahrzeuge zugelassen, die keiner grünen Plakette würdig sind und folglich die Innenstadt meiden müssen.

Mehr Verstöße geahndet

Wenn sie freie Fahrt bekämen, könnte sich die Luftqualität an den kritischen Stellen wieder so weit verschlechtern, dass Grenzwerte gerissen würden. Gerdts sagt das auch mit Blick auf Signale aus Brüssel, nach denen künftig nur noch halb so viel Feinstaub in der Luft toleriert werden soll wie derzeit. Da wäre es doch unnütz, die Umweltzone abzuschaffen, um sie in ein paar Jahren wieder aufleben zu lassen, meint der Fachbereichsleiter. Ohne dieses Instrument, da ist er sicher, hätte es den sichtbaren Rückgang von Feinstaub und NOx nicht gegeben. Solange es in Osnabrück eine Umweltzone gibt, müssen sich die Autofahrer auf eine Überwachung ihrer Plaketten einstellen.

Im abgelaufenen Jahr 2019 wurden nach Auskunft der Stadt 1113 Verstöße geahndet, deutlich mehr als in den Vorjahren. Das Bußgeld beträgt 80 Euro, dazu kommt eine Bearbeitungsgebühr. Macht unter dem Strich deutlich mehr als 100 Euro.

Bildtext:
Eine Plakette ist seit dem 4. Januar 2010 Pflicht für Pkw und Lkw, die sich im Stadtzentrum von Osnabrück bewegen.
Foto:
Bernd Weißbrod/ dpa

Kommentar
Dreckschleudern raus

Schön, dass der technische Fortschritt die Autos sauberer macht. Nach dem Dieselskandal kommen tatsächlich Filtersysteme auf den Markt, die so wirksam sind, wie es sich die EU-Kommission vorgestellt hat.

Aber die reinigende Wirkung für die Innenstädte bleibt aus, weil auch der beste Katalysator erst warm gefahren werden muss. Auf Kurzstrecken schleudern also auch Neuwagen so viel Dreck in die Luft, dass sie eigentlich nicht in der Umweltzone bewegt werden dürften. Außerdem steigt der Fahrzeugbestand weiter von Jahr zu Jahr.

Dass allein in der Stadt Osnabrück weit über 90 000 Pkw und Nutzfahrzeuge angemeldet sind, macht es nicht leichter, die Luftgüte zu verbessern.

Die Umweltzone ist kein Allheilmittel, um die Grenzwerte für Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide einzuhalten. Dass immerhin die übelsten Stinker aus der Kernstadt herausgehalten werden, nimmt der Luftbelastung die Spitze. Wer die Umweltzone abschaffen will, lässt es zu, dass mehrere Zehntausend vierrädrige Dreckschleudern wieder freien Zugang erhalten.

Kann ja nicht so schlimm sein, werden viele denken.

Aber der Vergleich von Alt und Neu zeigt, dass ein Benziner von 1985 ohne Katalysator gerne mal die 200-fache NOx-Dosis aus dem Auspuff schleudert, die ein Euro-5-Benziner emittiert. Bei Euro 6 fällt der Unterschied noch gravierender aus. Aber beim Kaltstart können die modernen Verbrenner ihre Tugendhaftigkeit nicht unter Beweis stellen. Erst nach drei bis fünf Kilometern zeigt der Kat, was er kann.

Ein Auto, das auf kurzen Strecken durch die Stadt bewegt wird, ist eines der größten Übel für die Luft zum Atmen. Wer es stehen lässt, tut sich und seinen Mitmenschen etwas Gutes. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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