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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Botschaften und Durchsagen
Zwischenüberschrift:
Wie ein Gottesdienst im Osnabrücker Bahnhof ankommt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Maria und Josef haben sich in der biblischen Weihnachtsgeschichte auf den Weg gemacht. Der Hauptbahnhof Osnabrück ist am Sonntag ein Knotenpunkt für heutige Reisende, die sich zu Weihnachten auf den Weg machen. Einige von ihnen halten mitten im Trubel inne und singen Kirchenlieder.

Sonntag am späten Nachmittag vor Weihnachten: Der Blick fast aller, die die Bahnhofshalle betreten, geht direkt zur großen Anzeigetafel. Sie gibt Auskunft über die An- und Abfahrten, ergänzt durch regelmäßige Ansagen. Mitten in der Hektik bietet die ökumenische Andacht die Möglichkeit, einen Moment zur Ruhe zu kommen. Doch nutzen die Reisenden dies?

Um Punkt 17 Uhr spielt die Bläsergruppe des evangelisch-lutherischen Kirchenkreisverbands Osnabrück. Der ökumenische Gottesdienst zugunsten der Bahnhofsmission beginnt im Seitenarm der Bahnhofshalle. Im Gegensatz zu den Reisenden kommen viele Osnabrücker ganz gezielt zur Andacht manche sogar mit eigenem Stuhl unter dem Arm. Die aufgestellten Bänke sind lange vor Beginn des Gottesdienstes besetzt.

Pastor Friedemann Pannen, Geschäftsführer der Diakonie Osnabrück, begrüßt die liebe Adventsgemeinde″ und wird direkt von der nächsten Zugansage unterbrochen. Pannen erinnert an einen Flashmob von Studenten der Musikhochschulen in Hannover, die vor Weihnachten im Bahnhof die erste Kantate aus Bachs Weihnachtsoratorium sangen. Zum Jauchzet frohlocket″ der Sänger hätten sich Gesichter entspannt, dem gestressten Blick auf die Anzeigetafel sei ein leichtes Lächeln gefolgt, erklärt Pannen.

Ein paar Meter von ihm entfernt, hasten weiter Reisende durch den Osnabrücker Bahnhof. Viele bemerken die Menschenansammlung im Seitenarm der Bahnhofshalle gar nicht. Sie schauen zur Anzeigetafel und laufen schnell weiter.

Pannen erinnert derweil an die beschwerliche Reise von Maria und Josef und daran, dass die Freudenbotschaft und die Friedensbotschaft von Weihnachten zuerst den Hirten, den Armen und Unterdrückten und nicht in den Palästen verkündet wurde. Doch die Freude über die Botschaft der Erlösung und Rettung″ stelle sich in einer reinen Überflussgesellschaft nicht so leicht ein. Was also tun, um wieder echte Freude zu empfinden?

Pannen fordert in der Bahnhofshalle nicht, die Verhältnisse umzukrempeln, und will schon gar keine gekünstelte Fröhlichkeit″. Dafür hofft er, dass zumindest ein kleiner Funke der weihnachtlichen Freude ins Herz seiner Zuhörer gesprungen sei.

Derweil hasten die meisten Reisenden weiter durch den Bahnhof. Nur wenn die Bläsergruppe spielt, bleiben einige von ihnen stehen oder treten näher. Eine junge Frau schiebt ihren großen Koffer vorsichtig durch die Menschenmenge, um zu sehen, woher die Musik kommt.

Nun werden die Fürbitten von Mitarbeitern der Bahnhofsmission vorgelesen: Sie bitten unter anderem für Michael, einen Besucher der Bahnhofsmission, der in der vergangenen Nacht auf der Straße gestorben ist. Der RB 58 auf Delmenhorst hat 25 Minuten Verspätung″, verkündet derweil die neueste Durchsage.

Zum Lied Tochter Zion, freue dich″ macht sich die junge Frau mit dem großen Koffer auf den Weg zu ihrem Gleis, während Sicherheitsleute der Bahn einen Moment verweilen. Dann ist der Gottesdienst vorbei. Stadtdechant Martin Schomaker erklärt, was ihm daran gefallen hat: Wir sind mitten im Alltag, man hört die Ansagen, das passt zu Weihnachten. Die Menschen machen sich auf den Weg. Und hier ist ein Ort der Begegnung.″

Derweil stellen sich die Bläser in die Mitte der Bahnhofshalle und geben dort noch ein kleines Weihnachtskonzert. Nun sind sie nicht mehr zu übersehen und noch besser zu hören. Es passiert nun das, wovon Pannen vorher sprach: Die meisten Reisenden verweilen zumindest einen kurzen Moment, viele bleiben auch länger stehen, sie lächeln und singen mit.

Ein kleiner Funke weihnachtlicher Freude macht sich breit.

Bildtexte:
Die Bahnhofshalle als außergewöhnlicher Ort für einen Gottesdienst.
Für Weihnachtsfreude sorgte die Bläsergruppe des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Osnabrück.
Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Claudia Sarrazin


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