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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Natürlicher Garten ist die beste Futterquelle
Zwischenüberschrift:
Über Nistkästen und Fütterung: Tipps der Biologischen Station zum Schutz der Vogelwelt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Alfhausen Unterschlupf und Nahrung benötigen unsere heimischen Vögel besonders im Winter. Muss oder sollte Otto Normalgartenbesitzer″ etwas dafür tun? Wir sprechen mit dem Diplom-Biologen Jürgen Christiansen, dem Leiter der Biologischen Station Haseniederung am Alfsee. Ein zweischneidiges Schwert″ ist für Jürgen Christiansen das Thema Vogelfütterung.

Wenn im Garten gefüttert werde, entstehe schnell der Eindruck, die Vogelpopulation sei doch gar nicht gesunken. Das Gegenteil sei aber der Fall. Wenn viele Vögel unsere Futterhäuschen besuchen, sei das nur ein Zeichen dafür, dass in der freien Landschaft Nahrung nicht mehr ausreichend vorhanden ist, meint der Experte. Alles werde gemäht, viele Pflanzen kämen nicht mehr zur Saat, nennt er eine Ursache dafür. Er selbst füttert nur im Winter, wenn das Wetter strenger wird. Wer unbedingt im Sommer füttern wolle, brauche eiweißhaltiges Spezialfutter. Fettfutter für den Winter könne gut selbst hergestellt werden. Jürgen Christiansen nimmt dazu Kokosnussschalenhälften und Sonnenblumenkerne und Samen zum Beispiel vom Topinambur aus dem Garten. Äpfel, die am Baum verbleiben oder auf Äste gespießt werden, seien auch beliebtes Futter, empfiehlt der Fachmann.

Wenn Eichelhäher oder Eichhörnchen sich Futter stibitzen, findet der Biologe das überhaupt nicht schlimm. Bei der Station seien einmal die Meisenknödel täglich verschwunden, bis die Fotofalle einen Steinmarder dabei erwischte. Am besten sei es ganz klar, für ein natürliches Nahrungsangebot im Garten zu sorgen und dafür möglichst viele Pflanzen stehen zu lassen, betont er, aber in vielen Gärten laufe es anders: Im Herbst räumen wir alles ab, was sollen denn die Nachbarn sagen.″

Home Sweet Home″

Ein ähnlicher Tenor herrscht in puncto Nistkästen. Wir machen uns die Welt schön″, sagt Jürgen Christiansen. Ein möglichst bunt lackiertes Häuschen Home Sweet Home″ mitten im Rasen ein netter Anblick vielleicht, aber auch ein Präsentierteller für Katzen und Raubvögel. Vögel nisten immer möglichst versteckt und unscheinbar. Das zeigt der Diplom-Biologe anhand von vielen Fotos, die er im Lauf der Jahre an der Biologischen Station gemacht hat. Besonders die Meisen suchen sich gerne winzige Spalten und Risse zum Beispiel im Fachwerk. Im Sommer richtete sich bei der Biologischen Station ein Kohlmeisenpärchen in einem großen Hornissenkasten ein. Bevor die Jungvögel flügge wurden, musste Christiansen den Einflugspalt erweitern, weil die wohlgenährten Kleinen sonst nicht hindurchgepasst hätten.

Möglichst schlicht und einfach sollten selbst gebaute Nistkästen sein. Leicht zu reinigen, denn das muss im Herbst immer gründlich geschehen, um die Parasiten zu vertreiben. Der Boden von Nistkästen und Futterhaus sollte aus Hygienegründen ohne Kante gebaut werden. Mit einem Spachtel räumt Jürgen Christiansen alles restlos heraus und spült, wenn möglich, mit heißem Wasser durch. Futterplätze müssten wegen der Keime bei feuchtwarmem Wetter häufiger gereinigt werden als bei strengem Frost. Futterautomaten seien die bessere Variante, findet er. Nicht zu vergessen seien auch Tränken im Sommer wie im Winter. Aber auch hier gelte: Regelmäßig säubern.

PVC-Rohr als Todesfalle

Im Winter suchen manchmal mehrere Vögel gleichzeitig Unterschlupf in einem Nistkasten und nutzen das als Wärmestube″, hat der Stationsleiter festgestellt. Ganz wichtig: Die Wände müssen innen rau sein, sonst finden die Jungvögel keinen Halt für die Füße und schaffen es nicht heraus. Negativbeispiele mit verstopftem oder verklebtem Einflugloch hängen an der Werkstattwand der Station. Ein Zeitgenosse habe ein PVC-Rohr genutzt eine Todesfalle für die Jungen, erfahren wir. Wenn ein alter oder abgestorbener Baum nicht aus Sicherheitsgründen gefällt werden müsse, sollte man ihn im Garten belassen, sagt der Biologe. Sie seien interessant für Höhlenbrüter″. Eine kleine Holzlatte an der Wand helfe Schwalben, ihre Nester stabil anzubringen. Jürgen Christiansen kennt einige Landwirte, die für diese Hilfestellung sorgen, weil sie wissen, dass Schwalben gute Fliegenjäger″ sind.

Völlig unnötig sei dagegen die Sitzstange vor dem Einflugloch, sagt Jürgen Christiansen. Die Elternvögel warten nämlich futterbepackt zunächst in sicherer Entfernung, um dann blitzschnell im Nistkasten zu verschwinden, damit keine Feinde auf das Nest aufmerksam werden. Möglichst bald sollten jetzt neue Nistkästen aufgehängt werden. Die Kohlmeise lege beispielsweise bei schönen hellen Tagen schon im Januar los, während der Star erst später komme.

Eine andere Ausrichtung als Osten sei übrigens kein Problem. Beschattet könne es auch der Süden sein. Schlagregen und pralle Sonne müssten allerdings auf jeden Fall vermieden werden. Ungünstig platzierte Kästen nähmen die meisten Vögel auch gar nicht erst an, weiß er. Etwas über Kopfhöhe sollten die Kästen aufgehängt werden, damit die regelmäßige Reinigung keine schwierige Kletteraktion wird.

Wer Nistkästen benötigt, kann diese bei der Biologischen Station erwerben. Für Schleiereulen- oder Steinkauz-Röhren wird außerdem eine kostenlose Zusammenarbeit angeboten. Die Mitarbeiter der Station prüfen den Standort und hängen die Bruthöhlen auf. Danach werde auch der Bruterfolg kontrolliert, berichtet Jürgen Christiansen. Unser Fazit lautet: Jeder Gartenbesitzer kann etwas zum Schutz der Vögel tun, es sollte aber das Richtige sein. Christiansen stellt außerdem klar: Man könnte einen Garten so gestalten, dass die Vögel selbst zurechtkommen.″

Weitere Infos bei der Biologischen Station Haseniederung unter Tel. 05464/ 5090.

Bildtexte:
Dieser Nistkasten muss noch geleert und gereinigt werden, stellt Jürgen Christiansen fest.
Der Eichelhäher, er gehört zu den Rabenvögeln, bedient sich auch gern am Futterplatz.
Aus diesem hohlen Baumstamm wurde mit wenig Aufwand eine Nisthöhle für Stare.
Todesfallen als NegativbeispieleI
Fotos:
Ilona Ebenthal, Jürgen Christiansen
Autor:
Ilona Ebenthal


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