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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Auch Hauseigentümer kritisieren Vonovia
Zwischenüberschrift:
Wie andere Osnabrücker Vermieter handeln, wenn die Heizung erneuert werden muss
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Selbst der Eigentümerverband Haus und Grund Osnabrück kritisiert Vermieter Vonovia wegen überhöhter Kosten für Heizungssanierungen. Geschäftsführer Christian Biemann sagt: Ich halte es nicht für statthaft, wenn allein beim Austausch von Jahrzehnte alten Heizungsanlagen Ingenieursleistungen in nahezu vollständiger Höhe auf den Mieter umgelegt werden.″ Warum andere Osnabrücker Vermieter anders handeln.

Haus und Grund vertritt die Belange von privaten Haus- und Wohnungseigentümern in Osnabrück und somit die Seite der Vermieter. Insofern ist es umso bemerkenswerter, wie Geschäftsführer Biemann das offenbar systematische Vorgehen von Vonovia bei der Erneuerung von Heizungsanlagen bewertet. Dabei verweist er darauf, dass Baunebenkosten wie Architekten- und Ingenieurshonorare natürlich zu Modernisierungskosten gehören allerdings nur dann, wenn Art und Umfang der Arbeiten die Beauftragung eines Architekten oder Ingenieurs notwendig machen″. Der entscheidende Punkt für Biemann ist: Wenn eine Maßnahme auch ohne Architekt oder Ingenieur möglich ist, müssen die Mieter auch nicht für diese Kosten bezahlen.

Warum kritisierte die Heizungsinnung Vonovia? Dabei bezieht er sich darauf, dass Vonovia in einem Osnabrücker Fall für den Einbau der Brennwertanlage Wolf CGB-50″ Kosten für Ingenieursleistungen in Höhe von 14 547 Euro abrechnete und zu 98 Prozent auf die Mieter umlegte, obwohl die alte Heizung obendrein noch 37 Jahre alt war. Schon der Obermeister der Heizungsinnung Osnabrück, Kai Schaupmann, bemängelte, dass diese Kosten gar nicht hätten abgerechnet werden dürfen, weil ein Ingenieur dafür gar nicht nötig sei.

Wo fielen Vonovia-Fälle nach Osnabrücker Muster auf? Eine Stichprobe des Deutschen Mieterbunds von mehr als 40 bundesweit ausgewerteten Fällen zeigt nun aber, dass Vonovia dieses Muster offenbar in ganz Deutschland anwendet. In jedem dokumentierten Fall wurden fast 30 Jahre alte Heizungen ausgetauscht und für den Einbau von Standard-Heizungsanlagen Kosten für Architekten und Ingenieure von im Schnitt deutlich mehr als 10 000 Euro abgerechnet und zu im Schnitt 98 Prozent auf die Mieter umgelegt.

Legen andere Osnabrücker Vermieter solche Kosten auf Mieter um? Haus-und-Grund-Geschäftsführer Biemann schließt sich der Meinung der Heizungsinnung an und sagt: Der Einbau einer heutzutage üblichen Brennwertanlage, also eines Standardprodukts, dürfte für einen Meisterbetrieb der Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik zum Tagesgeschäft gehören und keine Herausforderung an einen Fachhandwerker darstellen. Hierfür ist die Beauftragung eines Architekten oder Ingenieurs nicht notwendig.″ Biemann sind zudem unter den 4800 Mitgliedern von Haus und Grund Osnabrück auch keine Fälle bekannt, in denen Architekten- oder Ingenieursleistungen für den Einbau einer neuen Heizungsanlage abgerechnet und auf Mieter umgelegt wurden. Aus seiner Sicht kommt die Beauftragung eines Architekten oder Ingenieurs nur in Betracht, wenn im Bestand umfangreiche Modernisierungsarbeiten mit mehreren Gewerken durchgeführt werden.

Was sagt der zweitgrößte Osnabrücker Vermieter? Ähnlicher Auffassung ist die Osnabrücker Wohnungsbaugenossenschaft WGO, die über mehr als 2900 Wohnungen verfügt und der zweitgrößte Vermieter Osnabrücks ist. Der größte ist Vonovia mit rund 4000 Wohnungen. WGO-Vorstand Thomas Droit bestätigt: In der Regel werden bei Austausch abgängiger Heizungsanlagen keine Fachplaner hinzugezogen. Dies geschieht lediglich in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel von Gasetagenheizung auf Zentralheizung umgerüstet wird.″ Zudem betont Droit, dass der alleinige Austausch von Heizungsanlagen nicht genutzt werde, um die Miete zu erhöhen.

Wie handeln Stephanswerk und HVO in solchen Fällen? Auch der Geschäftsführer der Stephanswerk Wohnungsbaugesellschaft, Johannes Baune, konstatiert, dass beim Austausch von Heizungen keine Ingenieurbüros eingeschaltet werden. Im Normalfall würden die Heizungs-Fachfirmen den Austausch von Kesseln und Brennern alleine schaffen. Der Geschäftsführer des Heimstättenvereins Osnabrück (HVO), Jürgen Silies, erinnert sich daran, dass vor neun Jahren in Osnabrück eine alte Heizzentrale in der Wersener Straße 89 erneuert und ein Blockheizkraftwerk errichtet wurde, das 80 Wohnungen versorge. Da die alte Heizzentrale aufgrund des Alters ausgetauscht werden musste, hat der HVO die Kosten laut Silies als Instandhaltungskosten komplett übernommen und auf eine Mieterhöhung verzichtet ganz im Kontrast zum Geschäftsgebaren von Osnabrücks größtem Vermieter Vonovia.

Bildtext:
Wegen starker Mieterhöhungen nach Heizungssanierungen kritisiert auch Haus und Grund Vermieter Vonovia.
Foto:
Gründel

Kommentar
Nicht alle sind wie Vonovia

Osnabrücker Vermieter dürfen nicht in Sippenhaft für das Geschäftsgebaren von Vonovia genommen werden. Dafür steht die Reaktion von Haus und Grund exemplarisch, denn die meisten Wohnungsanbieter in Osnabrück sind private Vermieter mit nur wenigen Mietwohnungen. Ihnen geht es genauso wie WGO, HVO und Stephanswerk um ein langfristiges und gutes Verhältnis zu ihren Mietern.

Der Geschäftsführer von Haus und Grund, Christian Biemann, spricht wohl allen Osnabrückern aus der Seele, wenn er es als nicht statthaft″ bezeichnet, dass beim Austausch von mehr als 30 Jahre alten Heizungsanlagen Ingenieursleistungen in nahezu vollständiger Höhe auf den Mieter umgelegt werden. Erst nach dem entsprechenden öffentlichen Druck hatte Vonovia im Osnabrücker Fall von Bernd Mühle die Mieterhöhung für die vier Mietparteien um 70 Prozent gesenkt. Als eine Vonovia-Mieterin in Gießen sich vor Gericht wehrte, zog der Dax-Konzern die geforderte Mieterhöhung sogar komplett wieder zurück.

Das Problem ist, dass nur wenige den Mut, die Nerven oder das Geld haben, um sich juristisch zu wehren. Deshalb schlucken viele im Zweifelsfall lieber zu Unrecht geforderte Mieterhöhungen. Wenn sich herausstellt, dass Vonovia die Mieter über die wahren Modernisierungskosten täuscht, dann darf das zum Wohle aller nicht straflos bleiben.

j.fays@ noz.de
Autor:
Jean-Charles Fays


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