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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Als auf der Großen Straße noch Autos fuhren
Zwischenüberschrift:
Weihnachtsbummler mussten vor 50 Jahren noch auf dem Gehweg flanieren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Nicht nur festlicher Adventsschmuck aus tausend Glühbirnen, auch Autoscheinwerfer erleuchteten vor 50 Jahren die Große Straße in der Vorweihnachtszeit.

Bummeln und den Anblick genießen in der Straßenmitte war damals nicht. Alle taten gut daran, ordentlich auf den Gehsteigen zu bleiben. In Neumarkt-Nähe verhinderte sogar ein Absperrgitter, dass Passanten auf die Fahrbahn gedrängt wurden. War das die gute alte Zeit″, als man mit dem Auto durch Osnabrücks Haupteinkaufsstraße fahren konnte, sozusagen mitten durch die 1-A-Lage?

Viele Einzelhändler hatten um 1970 nicht die Fantasie, sich vorzustellen, dass es auch anders geht. Sie waren gegen die Aussperrung des Fahrzeugverkehrs, weil sie um ihre Erreichbarkeit fürchteten. Aber andere Großstädte machten es vor und setzten positive Beispiele. Mit sanftem Druck seitens der Politik und des Einzelhandelsverbandes wurden die Zauderer nach und nach umgestimmt.

Ein erster Teilabschnitt der Großen Straße, der zwischen Nikolaiort und Georgstraße, wurde 1972 als Fußgängerbereich fertiggestellt, im Folgejahr das zweite Teilstück bis zum Neumarkt. Am 4. Oktober 1973 übergab Oberbürgermeister Ernst Weber Osnabrücks ersten zusammenhängenden Fußgängerbereich von 710 Meter Länge an die Bürgerschaft. Der Wandel in Verkehrs- und Einkaufskonzepten für die Innenstädte hatte die Verbannung des Verkehrs gefordert und auch in den Köpfen der Menschen durchgesetzt. Wohl niemand würde sich heute den Kfz-Verkehr in der Großen Straße zurückwünschen.

Wie aus dem Gartenschlauch gespritzt kamen die Lichterbögen der Adventsbeleuchtung daher. Oder ob der Lichtdesigner das Wort gab es damals freilich noch nicht die typische Osnabrücker Rundbogen-Architektur des 19. Jahrhunderts zitieren wollte? Jedenfalls bekäme man für die wattstarken Glühbirnen heutzutage sofort die Rote Karte gezeigt. Die aktuellen Lichterketten mit dezenten Weihnachtssymbolen wirken zurückhaltender und versuchen erst gar nicht, die Werbebeschriftungen an den Fassaden zu dominieren.

Die Namen der Geschäfte waren vor 50 Jahren bis auf ganz wenige Ausnahmen andere als heute. Wer den Vorzug hat, nicht gar so spät geboren zu sein, wird sich vielleicht an die früheren Matadore des Einzelhandels erinnern. Auf dem Foto (oben) kann man gerade noch das Wortende elze″ erkennen. Es gehört zum Pelze-Kaufhaus Bergmann, gefolgt vom Brillenfachgeschäft Ocularium. Hinter einem Imbiss mit Mittagstisch″ erkennen wir die Verkaufsniederlassung des Versandhauses Quelle, sodann Heinrich Voss, das Fachgeschäft für orthopädische Bandagen und Mieder.

Anstelle der Brotfabrik Brockmann war um 1970 schon das Haus des Deutschen Rings (Nr. 88/ 89) mit zahlreichen Geschäften in der Passage errichtet. Weiter geht es mit Juwelier Lange in Hausnummer 87 und dem Spezialisten für Regenschirme Chr. Seippel in Nummer 86. Darauf die Allianz-Passage mit den Panorama-Fenstern des Cafés Leysieffer im Obergeschoss, Teppich Jeggle zu ebener Erde und dem Universum-Kino im Keller. Schließlich noch Schuhhaus Kitta und Textilhaus Dieler. Auf der Fahrbahn kommt uns ein Hellmann-Umzugs-Lkw mit Anhänger entgegen.

Auf der rechten Straßenseite lautet die Reihung, teilweise weniger zu erkennen als mithilfe des Adressbuches zu bestimmen: Landesbausparkasse, Anker-Apotheke, Allianz-Vertretung Ursula Daun. In Nummer 4 der Juwelier Abeler mit der ersten Dugena-Uhren-Reklame im Dreiecks-Leuchtkasten. Einige Häuser weiter wirbt Uhren Schenk (bis heute in Nummer 10) mit dem zweiten Dugena-Dreieck. Dazwischen liegen Eckewart Inneneinrichtungen und Kunsthandwerk, das Korb-, Spielwaren- und Kinderwagen-Geschäft Deneke sowie Schuhe Sunderdiek. Es folgen Radio Deutsch mit der Deutsch-Passage, das Pelz- und Damenhüte-Geschäft Altensell und Schuhhaus Kündahl. In der Bildmitte, die heute von L& T bestimmt wird, verkaufte damals Dehne & Sopp Textilien.

Bildtexte:
Um 1970 war die Vorweihnachtszeit in der Großen Straße von Rundbogen-Lichtkaskaden geprägt. Der Blick geht vom Neumarkt in Richtung Georgstraße.
Den Wandel in der Lichttechnik und im Zeitgeschmack, aber auch den Wechsel der Namen an den Geschäftshaus-Fassaden zeigt zum Vergleich das heutige Bild. Nur die dreieckförmige Dugena-Werbung am rechten Bildrand ist geblieben.
Fotos:
Archiv Sparkasse Osnabrück, Gert Westdörp
Autor:
Joachim Dierks


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