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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
So können Buskunden Geld sparen
 
Nie mehr zu viel fürs Busfahren bezahlen
Zwischenüberschrift:
Wie Fahrgäste von einer neuen Bestpreis-Abrechnung im öffentlichen Nahverkehr profitieren
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Automatisch zum besten Preis Bus fahren das soll künftig in Osnabrück möglich sein. Die Stadtwerke führen dazu ein neuartiges Abrechnungssystem ein, das es nach Angaben des kommunalen Verkehrsunternehmens in dieser Form nirgendwo sonst in Deutschland geben soll. Kunden, die den Service nutzen wollen, brauchen lediglich ein Smartphone mit Internetzugang. Den Rest erledigt die App VOS-Pilot.

Das Prinzip, das hier zur Anwendung kommt, nennt sich check-in, be out″, kurz Cibo. Das bedeutet, Fahrgäste müssen sich beim Einsteigen in den Bus per App einchecken, können dann aber ohne Weiteres am Ziel wieder aussteigen. Bezahlt werden die Fahrten teilweise erst Wochen später.

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem neuen Angebot zusammengefasst.

Osnabrück Wer in Osnabrück nur ab und zu öffentliche Verkehrsmittel braucht, kann sich die Suche nach dem günstigsten Ticket demnächst sparen. Die Stadtwerke garantieren ihren Kunden künftig Busfahrten zum Bestpreis das Smartphone macht′s möglich. Fragen und Antworten zu einem den Angaben zufolge bundesweit einzigartigen Angebot.

Was bedeutet Bestpreis-Abrechnung im Osnabrücker Nahverkehr? Bei diesem besonderen Bezahlmodell sind Busfahrgäste in Osnabrück auf Wunsch ganz ohne Ticket unterwegs, aber garantiert immer zum günstigsten Tarif. Dazu werden alle Strecken, die ein Kunde innerhalb einer Woche fährt, automatisch erfasst, zusammengezählt und erst im Folgemonat so in Rechnung gestellt, als hätte der Nutzer von vornherein den optimalen Fahrschein gewählt. Das gibt es so noch nirgendwo in Deutschland″, sagt Werner Linnenbrink, bei den Stadtwerken verantwortlich für das Mobilitätsangebot. Die ganze Branche schaut auf uns.″

Wie viel Geld können Fahrgäste auf diese Weise sparen? Das kommt ganz auf die Häufigkeit der ÖPNV-Nutzung an. Beispiel: Aus zehn Einzelfahrten (Stückpreis 2, 80 Euro), zurückgelegt an zwei von sieben Tagen, macht die Bestpreis-Abrechnung am Ende zwei Tagestickets à 5, 60 Euro. Ersparnis für den Fahrgast: 16, 80 Euro. Der ultimative Kostenstopp ist erreicht, wenn die Summe aller Fahrten den Preis eines Wochentickets erreicht. Teurer als 19, 30 Euro wird es dank Bestpreis-Abrechnung also nie.

An wen richtet sich das Angebot? An alle, die kein Abo für den Bus haben, ihn aber gelegentlich brauchen. Und zwar nicht nur in der Stadt Osnabrück, wo die Bestpreis-Abrechnung zuerst eingeführt werden soll, sondern perspektivisch auch im Landkreis. Das System ist so angelegt, dass wir es in der gesamten Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) ausrollen können″, betont Linnenbrink. Alles, was Fahrgäste zur Nutzung der Bestpreis-Abrechnung mitbringen müssen, ist ein Smartphone mit Internetzugang und Bluetooth.

Wie werden die einzelnen Fahrten erfasst? Die Methode, welche die Stadtwerke hier anwenden wollen, wird im Fachjargon Cibo genannt. Das ist die Abkürzung für den englischen Begriff Check-in, be out″ und bedeutet so viel wie: einchecken und aussteigen. Konkret heißt das, der Fahrgast meldet sich nachdem er sich einmalig für diesen kostenlosen Dienst registriert und seine notwendigen persönlichen Daten (Name, Adresse, Bankverbindung) im System hinterlegt hat bei jedem Einstieg ganz unkompliziert mithilfe der Smartphone-App VOS Pilot″ im Bus an. Für mögliche Kontrollen erhält er unter anderem einen QR-Code aufs Gerät. Anschließend wird die Fahrt aufgezeichnet, und der Kunde kann den Bus an jedem beliebigen Halt ohne Weiteres wieder verlassen. Die Technik erkennt die Ausstiegsstation von allein und erledigt den Rest. Einfacher geht es nicht″, schwärmt Linnenbrink.

Woher weiß das System, dass ein Kunde wirklich im Bus sitzt und nicht etwa nebenher läuft? Um den Nutzer der Bestpreis-Abrechnung punktgenau und fehlerfrei zu lokalisieren, kommen drei verschiedene Technologien zum Einsatz. Eine davon ist die Ortung per Satellit (GPS). Außerdem wurden in jedem Bus, der im Stadtgebiet unterwegs ist, zwei sogenannte Beacons verbaut kleine Sender, die mit den Smartphones der Teilnehmer per Funk (Bluetooth) kommunizieren. Zusätzlich gibt den Stadtwerken die in den mobilen Endgeräten verwendete Motion-Technologie Aufschluss darüber, ob und wie der Kunde sich gerade bewegt.

Was passiert mit den Daten aus der Fahrtaufzeichnung? Richtig ist: Die Stadtwerke Osnabrück können ihre Fahrgäste nicht nur verfolgen, wenn diese gerade die Bestpreis-Abrechnung nutzen sie müssen es auch. Anders wäre ein solcher Service nicht machbar″, erklärt der zuständige Vertriebsleiter Maik Blome. Er verspricht aber, dass die Daten im Haus bleiben und ausschließlich zur Rechnungsstellung genutzt″ werden. Bewegungsprofile zum Beispiel würden nicht erstellt.

Wann soll die Bestpreis-Abrechnung kommen? Ursprünglich war die Einführung der Bestpreis-Abrechnung bereits für 2019 vorgesehen. Doch aus verschiedenen Gründen Stichwort Neumarkt-Sperrung und Liniennetz-Reform wird daraus nichts. Stadtwerke-Chef Linnenbrink ist aber zuversichtlich, das System in wenigen Monaten an den Start bringen zu können. Wir peilen das zweite Quartal 2020 an.″ Erste hausinterne Tests liefen einwandfrei. Weitere Praxisversuche mit freiwilligen Kunden sollen folgen, damit am Ende alles 100-prozentig funktioniert″.

Bildtext:
Das Smartphone macht′s möglich: Busfahrer in Osnabrück können sich das Ticket sparen und fahren immer zum billigsten Preis.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Sparen dank Kollege Computer

Jeder Gelegenheitsfahrgast sieht sich vor dem Einstieg in den Bus mit Fragen wie diesen konfrontiert: Welches Ticket ist das richtige und vor allem das günstigste für meine Zwecke? Handelt es sich bei meinem Fahrtwunsch um eine 1, 50 Euro teure Kurzstrecke? Oder brauche ich ein Einzelticket für 2, 80 Euro? Was, wenn ich nicht nur hin und zurück, sondern möglicherweise noch eine dritte Fahrt machen will: Sollte ich dann nicht direkt ein Tagesticket für 5, 60 Euro lösen? Rechnet sich mit Blick auf die nächsten Tage unter Umständen sogar ein Wochenticket? Aber was, wenn ich dies jetzt für 19, 30 Euro kaufe und dann warum auch immer doch nicht oft genug nutze?

Mit der neuen Bestpreis-Abrechnung, welche die Stadtwerke spätestens ab Mitte 2020 in Osnabrück anbieten wollen, entfällt die Wette auf die Rentabilität des Wochentickets. Fahrgäste, die diesen Service nutzen möchten, brauchen sich auch weder im örtlichen Liniennetz noch im Tarifdschungel auszukennen. Ein paar Klicks auf dem Smartphone genügen, schon geht der ÖPNV-Anbieter für seine Kunden finanziell in Vorleistung, und Kollege Computer sorgt dafür, dass ihnen für eine längst erbrachte Leistung so wenig wie möglich ins Portemonnaie gegriffen wird. Ganz nach der Devise: einchecken, aussteigen bezahlt wird später. Das Argument, Busfahren sei zu kompliziert, zieht in Osnabrück bald nicht mehr.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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