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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Feiern, Rauchschwaden und Wilhelm Busch
Zwischenüberschrift:
September 1911: In Osnabrück prägen Umzüge und Paraden das wiederbelebte Sedanfest
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Im September 1911 beherrscht das Sedanfest die Stadt. Außerdem kommt Licht in manche dunkle Ecke zumindest wenn nicht gerade Rauchschwaden den Himmel verhängen. Dazu besuchen Max und Moritz Osnabrück.

Mit großem Aufwand wurde 1911 das Sedanfest begangen. Jahre zuvor war der 2. September kaum noch in den Zeitungen erschienen. Schulfrei zu diesem Tag war abgeschafft worden, wohl aber hatten die Kinder an Paraden und Aufmärschen teilgenommen. Zwischenzeitlich war das Fest auf den Sonntag gelegt worden, der dem Datum am nächsten lag. 1911 kam der Feier des Sieges bei Sedan von 1870 wieder vermehrte Bedeutung zu. Festvorstand und Kriegervereine riefen in Zeitungsannoncen dazu auf, die Häuser zu schmücken, am Fackelzug teilzunehmen und überhaupt Flagge zu zeigen″. Man gedachte des vergangenen Sieges und der Gefallenen an den Kriegerdenkmälern. Ein Sonderzuschuss des Magistrats zum Sedantag unterstrich die neue Identifikation mit der säbelrasselnden Feier.
Ebenfalls einen Gedenkanlass bot Anfang September der 40. Geburtstag der Bahnstrecke Osnabrück Münster mit den Zwischenstationen Hasbergen, Lengerich, Kattenvenne und Westbevern. 1865 war die Genehmigung zum Bau der Trasse ergangen, und 1911 zählte die Gesamtstrecke Wanne - Hamburg zu den bedeutendsten des Reiches. Lange Güterzugreihen frequentierten die Strecke, die mittlerweile zweigleisig ausgebaut worden war, zahlreiche Personen-, Schnell- und D-Zügeverkehrten täglich auf ihr.
In der Overbergschule war eine neue Kochschule gegründet worden, wofür das städtische Kollegium eine Sonderzahlung bewilligte. Um dem Stadtbild ein freundliches Aussehen zu geben, so argumentierte Stadtbaurat Lehmann, plante die Stadt weitere Baumanpflanzungen. Der Blumenhaller Weg, Meller- und Iburger Straße und der Kollegienwall sollten entlang ihres Verlaufs mit kleinen Bäumen eingefasst werden. Auch die Zwischenwege und Trassen wurden eingeplant. 360 Mark veranschlagte man für die Bäume an der Miquelstraße und Am Riedenbach.
Etwa um den 25. September war der Termin für den Abflug der Rauchschwalben zu erwarten schon war der Sommer wieder vorbei. Bereits seit Anfang August waren die Turmschwalben fortgeflogen. Im Osnabrücker Tageblatt erfolgte alle Jahre wieder auch der Hinweis, dass es den Zugvögeln in Afrika zwar recht gut ginge, sie aber auf den Zugbahnen vom Tode durch Fang und Jagd bedroht waren.
Zwanzig Gas-Bogenlampen prangten ab September in der Innenstadt und beleuchteten die abendlichen Geschäftsstraßen. Die oft monierte Dunkelheit in den Hauptstraßen der Stadt hatte damit ein Ende.
Die Militärbehörde teilte dem Denkmalamt mit, dasssie die Klosterkaserne veräußern oder niederlegen wolle. In einem Gutachten dazu empfahlder Verfasser der Stadt, dagegen Einspruch einzulegen. Die alte Kaserne musste geschützt werden.
Heiteres und trockenes Spätsommerwetter kündigte die Wetterstation auf dem Brocken an. Für die Landwirtschaft war dies eine schlechte, für die Menschen in der Region eine erfreuliche Vorhersage.
Am Nordhang des Dörenberges zerstörte ein Waldbrand eine große Fläche, während aus Diepholz ein umfangreicher Heidebrand vermeldet wurde. Gerade noch rechtzeitig konnten zahlreiche Bienenstöcke aus den betroffenen Gebieten gerettet werden.
Wieder war Kartoffelerntezeit. Seit zwei Jahren bestand das Verbot, Kartoffelkraut zu verbrennen. In der Zeitung wurden alle Gärtner noch einmal daran erinnert. Nur mittwochs und freitags im September und Oktober durften die Feuer qualmen.
Zusammen mit den Wald- und Heidebränden gab es 1911, trotz des Gesetzes, beißenden Rauch über der Stadt aus allen Windrichtungen zogen Schwaden heran.
Der projektierte Ems-Weser-Kanal rückte ins Bewusstsein der Bürger, als einelange Reihe von Gewerken in den Tageszeitungen ausgeschrieben wurde. Das Königliche Kanalbauamt ließ Erd- und Dichtungsarbeiten sowie Kunstbauten″ von Betrieben der jeweiligen Region ausführen. Dazu gehörten vor allem Schleusen und Düker, Brückenpfeiler und Widerlager.
Für insgesamt sechs Wochen stellte der Dürerbund im Kulturhistorischen Museum einige Werke des Humoristen Wilhelm Busch, des Erschaffers von Max und Moritz, aus.

Bildtext:
Platz zum Exerzieren: ein Foto der Klosterkaserne aus dem Jahr 1938. Über dem Eingang steht: II. Bataillon Infanterie Regiments Herzog Friedrich von Braunschweig″.
Foto:
Karl Ordelheide/ aus dem Buch Alt-Osnabrück, Bd. 3, hrsg. von Wido Spratte, Verlag Wenner
Autor:
Christiana Keller


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