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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bombenfund legt den Verkehr lahm
 
Nach 20 Minuten entschärft
 
Evakuierung des Sperrgebiets zog sich in die Länge
Zwischenüberschrift:
Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg unter alter Kokerei entdeckt – 4000 Menschen verlassen Wohnung
 
25 Menschen nutzten das Zentrum Anne-Frank-Schule
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
In Osnabrück musste gestern kurzfristig ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Sicherheitskräfte evakuierten knapp 4000 Menschen aus dem näheren Umfeld. Der gesamte Verkehr in der östlichen Innenstadt musste stundenlang umgeleitet werden. Die Fünf-Zentner-Bombe war am Rande der Innenstadt bei einer Altlastensanierung auf dem Stadtwerke-Gelände zum Vorschein gekommen. Am Nachmittag entschied Sprengmeister Oltmann Harms, dass sofort gehandelt werden müsse. Die Entschärfung des mechanischen Zünders musste allerdings immer wieder aufgeschoben werden, weil die Evakuierung mehr Zeit in Anspruch nahm als geplant. Um 20.22 Uhr war es geschafft: Das Leben rund um die Luisenstraße konnte weitergehen.
Foto:
Michael Hehmann

OSNABRÜCK. Jahrzehntelang hat eine Fliegerbombe unter der ehemaligen Kokerei an der Liebigstraße gelegen, ehe Bauarbeiter sie Mittwochmittag fanden und Sprengmeister Oltmann Harms sie Stunden später entschärfte.

Harms steht vor einer Wand aus Sandsäcken. War ganz normal″, sagt er. Nichtschwierig, nicht einfach. Normal eben. Etwa 20 Minuten habe er gebraucht, um mit seinen Kollegen den Zünder zu entfernen. Danach erzählt er noch ein paar Einzelheiten über das Zündsystem, während hinter ihm ein Bagger die 500-Kilogramm-Bombe rumpelnd in einen Transporter verlädt.
So gelassen kann wohl nur jemand über eine tödliche Waffe sprechen, der in den vergangenen 22 Jahren etwa 400 Bomben unschädlich gemacht hat und der weiß, dass nach einem stressigen Tag nun, gegen halb neun, der Feierabend wartet.
Die Hektik beginnt am Nachmittag. Es ist kurz vor halb vier, als eine Stadtwerke-Mitarbeiterin durch die Lobby tippelt. Ihr folgt ein Mann, der eine Geldkassette trägt. Ein Mann am Empfangstresen erklärt einer Besucherin, dass einige Gebäude evakuiert werden Bombenfund. Ein Helikopter ist zu hören. Das Knattern der Rotoren ist laut. Er scheint nahe zu sein. Dann kommt Stadtwerkesprecher Marco Hörmeyer in die Halle, sein Handy am Ohr.
Mittags habe ein Baggerfahrer beim Ausschachten für das neue Logistikzentrum der Stadtwerke eine Bombe gefunden. Eine 500-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg lag versteckt in den Fundamenten der ehemaligen Kokerei. Das Team der Kampfmittelbeseitigung habe festgestellt, dass die Bombe mit einem mechanischen Zünder ausgestattet sei, sagt Hörmeyer. Das sei nicht so kniffelig wie ein Säurezünder.
Inzwischen sind die ersten Wagen des Technischen Hilfswerks vorgefahren. Sprengmeister Harms ist aus Hannover eingetroffen. Er entscheidet sich dafür, die Bombe vor Ort zu entschärfen. In einem Radius von 500 Metern um die Fundstelle müssen 4000 Menschen ihre Häuser verlassen, die Polizeileitet den Verkehr um. Um kurz nach 18 Uhr sind die Straßen menschenleer. Das Gebiet gleicht einer Geisterstadt. Nur Sirenen sind noch zu hören.
Zwischen dem Entdecken der Bombe und ihrem Abtransport lagen etwa acht Stunden. Wenig Zeit für ein Ereignis, das so viele Menschen betrifft. Aber die Osnabrücker Ordnungsbehörden haben in den vergangenen Jahren Erfahrungen mit Bomben gesammelt. Auch wenn es glücklicherweise nicht so viele sind wie bei Sprengmeister Harms.

Bildtexte:
War ganz normal″, lautete der Kommentar von Sprengmeister Oltmann Harms nach der Entschärfung der Bombe.
Die Bereitschaftspolizisten aus Hannover blieben auf der Autobahn lange im Stau stehen.
Auch das Iduna-Hochhaus musste komplettevakuiert werden.
An jeder Tür die gleiche Frage: Sind auch wirklich alle raus?
Fotos:
Michael Hehmann, Gert Westdörp

OSNABRÜCK. Routiniert greift eine Hand in die andere. In wenigen Minuten bauen die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz Feldbetten für bettlägrige Menschen auf, die während der Bombenentschärfung im Evakuierungszentrum in der Anne-Frank-Schule ausharren müssen. Rund 25 nahmen nach Auskunft der Feuerwehr das Angebot an. Es hätten ruhig mehr werden können, denn die in der Schnellen Einsatzgruppe Rettung (SEG) zusammengefassten Osnabrücker Hilfsorganisationen hatten sich ab etwa 16.30 Uhr auf 100 bis 200 Besucher eingestellt. Und wenn noch mehr gekommen wären, hätten die Helfer die Kapazitäten auch noch schnell ausweiten können Getränke und Butterstullen inklusive.
Ab 18 Uhr riegelte die Polizei das Evakuierungsgebiet rigoros ab. 300 Einsatzkräfte waren mittlerweile tätig. Am Kontrollpunkt Luisenstraße/ Bohmter Straße musste der zuständige Polizist gelegentlich den Ton verschärfen, weil der eine oder andere Passant doch noch mal ebenversuchte, unauffällig ins Sperrgebiet einzusickern.
Derweil putzten Bereitschaftspolizisten einer Hundertschaft aus Hannover die Klinken der Häuser im Sperrgebiet. Weil sie auf der Autobahn nicht so schnell durchgekommen waren, hatte sichder Beginn der Evakuierung auf etwa 18 Uhr verzögert. Viele Bewohner rückten ab wenn auch nicht begeistert, so doch immerhin einsichtig. Einige jedoch, so ein Sprecher der Stadt, weigerten sich und zögerten die Entschärfung damit hinaus. Ab 19.30 Uhr kreiste der Hubschrauber Phönix 96 über dem Gebiet, um sicherzustellen, dass auch wirklich niemand mehr im Sperrgebiet um die Häuser zog, der dort nichts verloren hatte.
Zwischen Bahnhof und Goethering sowie auf dem Neumarkt stauten sich derweil die Autos. Zahlreiche Fahrer, die an den Absperrungen am Berliner Platz von ihrer Route Richtung Belm abweichen mussten, sorgten für den Verkehrsinfarkt. Auch die Kreuzung Möser-/ Wittekindstraße war verstopft von Pkw und Bussen.

Bildtext:
Bettenbau in der Anne-Frank-Schule. Hier war am Mittwochabend das Evakuierungszentrum.
Foto:
Michael Hehmann
Autor:
Michael Schiffbänker, Michael Schwager


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