User Online: 1 | Timeout: 18:41Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Besucherliebling wird 100 Jahre alt
Zwischenüberschrift:
Ausstellung: Was die Weihnachtskrippe des Osnabrücker Doms so besonders macht
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Osnabrücker Domkrippe entzückte erstmals zu Weihnachten 1919 junge und alte Gläubige. Die Attraktion wird jetzt 100 Jahre alt, und das Diözesanmuseum nimmt das Jubiläum zum Anlass, in bewährter Kooperation mit dem Verein der Krippenfreunde Osnabrück-Emsland ihrem Schöpfer Jakob Holtmann eine Ausstellung zu widmen. Sie ist bis zum 2. Februar 2020 zu den Öffnungszeiten des Diözesanmuseums zu sehen.

Vergleiche

Genau genommen hat die Ausstellung ja zwei Standorte: einmal die Krippe selbst unten im , dicken Turm′ des Doms und dann die Vergleichsstücke aus dem weiteren Schaffen Holtmanns und seiner Zeitgenossen hier im Museum″, sagt Hermann Queckenstedt als Direktor des Diözesanmuseums. Da die Heiligen Drei Könige traditionell erst zum Dreikönigsfest am 6. Januar ihren Auftritt in der Krippe im Dom bekommen, sind sie bis dahin noch im Original im Museum zu sehen. Die übrigen Figuren aus der insgesamt 46 Köpfe zählenden Krippe sind noch eingelagert und werden traditionell kurz vor Weihnachten in einem drei Tage dauernden Akt in der Turmkapelle des Doms aufgebaut.

Religiöser Volkskunst

Jakob Holtmann (1863– 1935) stammt aus dem niederrheinischen Kevelaer, Wallfahrtsort und Zentrum religiöser Volkskunst. Er studierte in Köln, Berlin und München, später in Paris, Reims und Straßburg. Er war kein Anhänger der Moderne, sondern orientierte sich mehr an klassisch-romantischen Darstellungsarten. Er ist immer der Nazarener geblieben″, sagt Gerhard Lohmeier und meint damit nicht nur den romantischen Ausdruck, sondern auch das Ambiente seiner Krippen. Die sind stets in biblisch-orientalischer Umgebung beheimatet und nicht etwa im Oberbayerischen.

Als der Dombildhauer Heinrich Seling im Jahre 1912 in Osnabrück verstarb, kam 1914 auf Initiative des Bischofs Berning der damals 51-jährige Jakob Holtmann von Kevelaer nach Osnabrück. Er übernahm die Wohnung seines Vorgängers in der Herderstraße 4, ebenso dessen Atelier und die Mitarbeiter. In Holtmanns Werkstatt waren um 1925 etwa 15 Personen beschäftigt, darunter Schnitzer, Ornamentierer, Maler und Tischler. Zu seinen Lehrlingen gehörten Georg Hörnschemeyer und Walter Mellmann, die in späterer Zeit die Bildhauerszene in Osnabrück nachhaltig beeinflussten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die an unseren Krippenfiguren auch schon mitgeschmirgelt haben″, meint Lohmeier.

Neben zahlreichen sakralen Ausstattungsstücken für Kirchen im Rheinland und im Bistum Osnabrück schnitzte Holtmann für das Osnabrücker Land zwei große und bedeutende Weihnachtskrippen, nämlich eine für die Alexanderkirche Wallenhorst (nach 1924) und eben die für den Osnabrücker Dom. Deren Hauptfiguren waren 1919 fertig. In den Wirren der Nachkriegszeit und der Inflation dauerte es weitere zehn Jahre, bis alle Figuren finanziert und vollzählig hergestellt waren. Unsere Krippe ist auf jeden Fall die größte, sowohl was die Anzahl der Figuren als auch ihre Größe angeht″, sagt Ausstellungskuratorin Friederike Dorner. Die aufrecht stehenden Männer erreichen mit 143 Zentimetern fast Lebensgröße. Dass wir die Figuren überhaupt noch heute haben, verdanken wir weitsichtigen Domkapitularen und Küstern, die dafür sorgten, dass die Figuren bereits 1943 vor den großen Angriffen in einen Wallenhorster Bauernhof ausgelagert wurden″, erzählt Queckenstedt.

Handgeschnitzte Holtmann-Figuren aus Holz sind äußerst selten. Große Verbreitung fanden sie allerdings in kleinerem Maßstab als Gipsgüsse sowohl in Kirchen als auch in Privathäusern. Man erkennt, dass die Domkrippe kein Unikat im strengen Sinne ist, sondern einen Umbruch in der Produktion von Volkskunst markiert: Die Figuren Holtmanns werden bis heute nach seinen Entwürfen gefertigt und sind damit ein Beispiel der beginnenden seriellen Produktion Anfang des 20. Jahrhunderts. Als weiteres Beispiel hierfür wird eine Krippe aus dem Atelier der Familie Mazzotti aus Münster gezeigt. Das Atelier spezialisierte sich ebenfalls auf die verhältnismäßig günstige Fertigung von Krippenfiguren.

Gegensätzlich

Die Ausstellung trägt erstmals unterschiedliche Krippenserien von Jakob Holtmann zusammen. Mit zeitgenössischen Krippen anderer Künstler und Arbeiten seiner Schüler bettet die Ausstellung das Schaffen des Dombildhauers in zeitliche Kontexte ein. So ermöglichen Krippen von Ludwig Nolde und Holtmanns Schülern Walter Mellmann und Georg Hörnschemeyer Vergleiche zwischen verschiedenen Osnabrücker Künstlerpersönlichkeiten. Eindrucksvoll in ihrer Gegensätzlichkeit ist die aus dem Marienhospital ausgeliehene Krippe, die Ludwig Nolde 1930 Bischof Berning zum Geschenk machte.

Vortragsprogramm

Es gibt ein begleitendes Vortragsprogramm zur Ausstellung. Unter anderem werden Okke T. Amsing aus Bedum/ Niederlande und Caroline Heller aus Lindlar am 14. Dezember demonstrieren, wie die Farbe auf die Krippe kommt Polychromierung von Gipsfiguren ist nicht einfach nur ein Anmalen. Näheres unter www.dioezesanmuseum-os.de.

Die Ausstellung 100 Jahre Domkrippe. Der Bildhauer Jakob Holtmann in seiner Zeit″ ist bis zum 2. Februar 2020 im Diözesanmuseum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Führungsbuchungen werden unter Telefon 0541 318481 entgegengenommen.

Bildtexte:
Die Heiligen Drei Könige aus der Domkrippe sind derzeit in der Sonderausstellung des Diözesanmuseums zu betrachten. Museumsdirektor Hermann Queckenstedt, Krippenvereinsvorsitzender Gerhard Lohmeier und Kuratorin Friederike Dorner (von links) ordnen sie in das Schaffen des Dombildhauers Jakob Holtmann ein.
Anbetender König, derzeit im Diözesanmuseum.
Gipsfiguren nach Holtmann-Originalen werden noch heute hergestellt und weltweit vertrieben.
Hauskrippe für Bischof Berning von Ludwig Nolde.
Fotos:
Thomas Osterfeld
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste