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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
So schnell können Mieter auf der Straße landen
Zwischenüberschrift:
Stadt will in Prävention investieren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Eine Osnabrücker Rentnerin bekommt eine Räumungsklage, weil sie es nicht geschafft hat, bei ihrem Dauerauftrag die Bankverbindung des neuen Vermieters anzugeben. Solche Fälle gibt es; mindestens 267 Osnabrücker sind wohnungslos. Und dagegen will die Stadt nun verstärkt vorgehen.

In 80 bis 88 Prozent aller Fälle sind Mietschulden der Grund für den Wohnungsverlust, sagt Sigrid Beermann-Stöveken, Leiterin des Fachdienstes Sozialer Dienst bei der Stadt. Und das kann sehr schnell gehen. Die Fachdienstleiterin berichtete kürzlich im Sozialausschuss von einer Frau Ende 80, die einen neuen Vermieter bekam. Die Seniorin versäumte es schlicht und ergreifend, die Kontodaten in ihrem Dauerauftrag zu ändern. Dann bekam sie die Kündigung. Nach zwei nicht gezahlten Monatsmieten sind Sie in der Kündigung, wenn der Vermieter es möchte″, warnte die Fachdienstleiterin. Und viele möchten, weil das die Gelegenheit ist, noch mehr aus der Wohnung herauszuholen.″ Laut Stadt hat sich die Zahl der Räumungsklagen gegen ältere Menschen in den vergangenen Jahren verdreifacht.

Oft fatale Folgen

Neben so scheinbar banalen Ursachen wie im Fall der Seniorin kommt es oft auch vor, dass ein Suchtproblem, Armut, Trennung oder Krankheit die Gründe dafür sind, dass Mieter mit ihren Zahlungen in Verzug geraten.

Wohnungslosigkeit sei kein Randgruppenphänomen mehr, sagt Beermann-Stöveken. Sie und ihre Kollegen haben mit einem 92-Jährigen zu tun, der seine Wohnung verloren hat, weil er die Miete nicht mehr zahlen konnte. Sie kümmern sich ebenso um einen 20-Jährigen, der aus der Jugendhilfe geflogen und auf der Straße gelandet ist. Und um einen Handwerker um die 50, der zu oft zur Flasche greift und deshalb auf der Straße endet. Die Ursachen sind immer unterschiedlich, die Folgen sind immer fatal″, sagt die Fachdienstleiterin.

Bei einer Räumungsklage wegen Mietschulden wird die Stadt Osnabrück automatisch vom Gericht informiert. Dann ist es aber schon zu spät″, so Beermann-Stöveken.

267 wohnungslos

Denn wer einmal seine Wohnung verloren hat, hat es derzeit sehr schwer, eine neue zu finden. Das hat nicht nur gesellschaftliche, sondern auch finanzielle Konsequenzen für die Stadt. Die lange Verbleibdauer in stationären Einrichtungen kostet uns unheimlich viel Geld″, so Beermann-Stöveken.

Eine stationäre Einrichtung ist etwa das vom katholischen Verein für Soziale Dienste (SKM) betriebene Laurentiushaus mit 42 Plätzen. Das Haus ist als Übergangszuhause für Menschen gedacht, die wieder Fuß fassen und eine richtige Wohnung finden wollen.

Am Stichtag 30. Oktober 2019 waren mindestens 267 Menschen in Osnabrück wohnungslos, damit bleibt die Zahl auf dem hohen Niveau des Vorjahres (275). Der für die ambulante Wohnungslosenhilfe in Osnabrück zuständige SKM erfasst dabei nur diejenigen, die erstens in die Tageswohnung am Hasetor kommen, um sich zu waschen oder aufzuwärmen, oder die sich zweitens in der Fachberatungsstelle ein Stockwerk darüber Hilfe suchen. und drittens solche, die eine Nacht und nicht länger in der Übernachtungsstelle des Laurentiushauses verbringen.

Wohnungslos ist nicht gleich obdachlos. Nicht jeder landet direkt auf der Straße. Die meisten kommen bei Freunden oder Bekannten unter, haben aber keine eigene Wohnung. Die Zahl der Obdachlosen, die tatsächlich auf der Straße leben und Platte machen, liegt laut SKM bei etwa 40. Außerdem hat der SKM Ende Oktober 25 Männer und Frauen gezählt, die unmittelbar von der Wohnungslosigkeit bedroht waren, und 16, die in unzumutbaren Wohnungen lebten.

Nicht einberechnet sind in der Zahl der Wohnungslosen all diejenigen, die sich ausschließlich an anderen Stellen Hilfe suchen, etwa der Wärmestube des Bistums, oder die in einer der städtischen Notunterkünfte mit 75 Plätzen unterkommen.

Um künftig frühzeitig einzugreifen und Räumungsklagen zu verhindern, will die Stadt nun für zwei Jahre eine Präventionsstelle mit einem Sozialarbeiter und einer Verwaltungskraft einrichten. Das Land Niedersachsen würde die Hälfte der Kosten in Höhe von 240 000 Euro übernehmen. In der Beschlussvorlage schreibt die Verwaltung: Die Vermeidung von Wohnungslosigkeit ist, betriebswirtschaftlich betrachtet, wesentlich günstiger als die Unterbringung eines Wohnungslosen.″ Ob die Stadt 120 000 Euro dafür ausgeben soll, entscheidet der Rat am 3. Dezember, im Sozialausschuss gab es fraktionsübergreifend bereits Beifall für den Ansatz.

Ursachen ergründen

Schon jetzt bekomme die Stadt Infos von den großen Wohnungsbaugesellschaften, wenn in einem Haus etwas nicht in Ordnung sei, wenn etwa Müllgestank aus einer Wohnung strömt, so Beermann-Stöveken. Der Fachdienst werde da aktiv. Die neue Fachstelle soll künftig aber ein sogenanntes Fallclearing durchführen, also die Ursachen für die Mietschulden ergründen und dann etwa mit Schuldner- und Suchtberatung zusammenarbeiten. Ein ganz wichtiges Stichwort ist , frühzeitig′″, sagt die Fachdienstleiterin.

Damit es gar nicht erst zum Wohnungsverlust kommt.

Bildtext:
Der Hasefriedhof in Osnabrück ist einer der Orte, an denen Obdachlose einen windgeschützten Schlafplatz finden.
Foto:
Archiv/ David Ebener
Autor:
Sandra Dorn


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