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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Überschrift:
So will der FMO klimaneutral werden
Zwischenüberschrift:
Moderne Flugzeuge sollen weniger zahlen
Artikel:
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Originaltext:
Greven Gegensätzlicher könnte es fast nicht sein: Ein Flughafen plant, klimaneutral zu werden. In Greven beim FMO sieht man da keinen Konflikt. Wir sind in diesem Bereich schon lange und nachhaltig unterwegs und haben ehrgeizige Ziele″, sagte FMO-Chef Rainer Schwarz. Wir haben eine umweltpolitische Verantwortung und stellen uns der auch.″

Die deutschen Flughäfen haben sich bereits in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) verpflichtet, bis 2030 die CO2-Emissionen um 50 Prozent zu reduzieren. Als Basisjahr zugrundegelegt wurde das Jahr 2010. Bis 2050 soll sogar gar kein CO2 mehr ausgestoßen werden.

Der FMO ist da auf einem guten Weg. In den vergangenen Jahren haben sich die Emissionen, die der Flughafen selbst steuern kann, folgendermaßen entwickelt:

Das ADV-Ziel einer Reduktion um 50 Prozent erreiche der FMO schon heute, sagte Schwarz nicht ohne Stolz. Durch 100 Prozent Ökostrom werde man im kommenden Jahr sogar nur noch bei 520 Tonnen CO2-Ausstoß liegen anstatt mehr als 5000 Tonnen zehn Jahre zuvor.

Dass der FMO in Sachen CO2-Reduktion so gut dasteht, hat für Rainer Schwarz mehrere Gründe: Von 2009 auf 2010 hat sich aufgrund der Umstellung auf Fernwärme der Gasverbrauch des Flughafens stark reduziert. Der FMO-Geschäftsführer erklärt: Das hatte für uns allerdings nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Gründe. Aber der Gleichklang war uns wichtig.″

LEDs und Ökostrom

Es wurde außerdem kontinuierlich auf LED-Beleuchtung umgestellt, ab den 2010er-Jahren sei zudem die Beleuchtung bedarfsgerecht geregelt worden sowohl auf dem Vorfeld als auch im Parkhaus. Ab 2016 wurde zudem der Anteil an Strom aus regenerativen Quellen erhöht und der Stromverbrauch optimiert. Ab kommendem Jahr wird ganz auf Ökostrom umgestellt werden. Das soll kein einmaliger Kauf sein, sondern beibehalten werden″, betonte Schwarz.

Trotz all dieser Maßnahmen bleibt 2020 eine Rest-Emission von 520 Tonnen CO2 20 Tonnen im Bereich Heizöl, 340 Tonnen aufgrund von Dieselverbrauch und 160 Tonnen durch Gas. Sie sollen vorerst über Zertifikate ausgeglichen werden. Denn nicht für alles gibt es eine Lösung, wie der technische Leiter Eckhard Frank erklärt.

Dennoch hat der FMO Pläne, wie auch die verbleibenden 520 Tonnen CO2-Ausstoß verringert werden können. Ein Teil des Heizöls und Gases könnte ab 2025 durch Biogas ersetzt werden. Schon heute wäre es möglich, statt dieselbetriebener Vorfeldbusse auf Elektrobusse zu setzen. Das allerdings verursache Mehrkosten von 1, 6 Millionen Euro, so Frank.

Bereits ausgetauscht werden im kommenden Jahr zwei bis drei Schlepper und zwei Passagiertreppen, der Rest der Flotte soll sukzessive folgen. Statt der Diesel-Varianten sollen künftig elektrobetriebene Schleppfahrzeuge und solarbetriebene Treppen zum Einsatz kommen.

Hier wollen wir noch mehr investieren″, sagte Eckhard Frank. Gerade mit Blick auf die Passagiertreppe habe man sich mit Flughafenkollegen ausgetauscht sie habe sich bewährt. Wenn an einem bedeckten Wintertag oder bei Abfertigung am Abend das Licht nicht ausreicht, besteht die Möglichkeit, manuell Strom nachzutanken. Keine Möglichkeit zur Elektrofizierung sieht Rainer Schwarz aktuell für die Feuerwehrfahrzeuge. Und nicht nur der batteriebetriebene E-Antrieb, auch die Brennstoffzelle könnte in Zukunft für den FMO ein Thema werden. Wenn die Technologie serienreif ist, werden Flughäfen sicherlich mit die ersten sein, wo sie zum Einsatz kommt″, ist sich der Flughafen-Chef sicher.

All das sind Dinge, die der FMO selbst beeinflussen kann. Keinen Einfluss hingegen hat der Flughafen auf den größten CO2-Posten: zum Beispiel Emissionen, die die Fluggesellschaften verursachen, vor allem beim Starten, Landen oder Rollen der Flugzeuge.

Aber auch hier will man in Greven ansetzen. Um Airlines einen Anreiz zu geben, umweltschonende Flugzeuge einzusetzen, plant der FMO, die Landebeiträge künftig emissionsabhängig zu erheben. Zugrunde gelegt wird allerdings nicht das ausgestoßene CO2, sondern Stickoxid (NOx). „ Das ist das auf europäischer Ebene eingeführte System″, begründet Flughafen-Chef Rainer Schwarz. Der Antrag für die Änderung der Gebührenordnung ist gestellt. Wir gehen davon aus, dass dem Antrag gefolgt wird″, zeigte er sich optimistisch. Bereits zum 1. Januar 2020 soll die Neuerung in Kraft treten.

Je ausgestoßenes Kilogramm Stickoxid werden dann drei Euro fällig. Damit erhöht sich laut Schwarz das fixe Landeentgelt für Airlines bei modernen Flugzeugen um rund 5 Prozent, bei älteren um 10 Prozent. Die zusätzlichen Einnahmen sollen auch dabei helfen, noch notwendige Investitionen zum Erreichen der Klimaneutralität zu tätigen. Schwarz: Wir wollen damit keinen Verkehr vertreiben. In dem Moment, wo Verkehre bepreist werden, wird der wirtschaftliche Anreiz für Investitionen höher.″

Diese Anreize hofft, der FMO durch die Änderung der Gebührenordnung zu setzen. Wir wollen damit eine Steuerungswirkung erzielen. Natürlich kann ein kleiner Flughafen wie der FMO eine große Airline nicht umstimmen können, aber wir reihen uns ein in eine Kette größerer Flughäfen, die das schon so machen″, so der Flughafen-Chef. Als Beispiele nannte Schwarz Frankfurt und München. Dass eine Entgelterhöhung etwas bewirken könne, zeige sich für an den vor Jahrzehnten eingeführten lärmbezogenen Entgelten die Flugzeuge wurden leiser. Wir hoffen hier auf einen ähnlichen Effekt.″

Bis auch die letzten 520 Tonnen CO2 vermieden werden können, setzt der FMO auf eine Kompensation durch die Unterstützung von Klimaprojekten.

Das können auch seit Langem die Passagiere selbst, wenn sie sich ein Projekt suchen. Oft genutzt wurde das jedoch nicht, bestätigt ein Sprecher der Lufthansa im Gespräch mit unserer Redaktion. Im Geschäftsjahr 2018 seien es weniger als 1 Prozent der Gäste gewesen. Aber: Wir gehen davon aus, dass diese Zahl für 2019 erkennbar steigen wird.″

Mit gutem Gewissen

Grund dafür ist, dass Passagiere seit Kurzem nicht mehr mühselig nach der Buchung ein Projekt suchen müssen, sondern bereits im Buchungsprozess die CO2-Kompensation mit anklicken können. Teuer muss das nicht sein. Die etwa 31, 24 Kilogramm CO2, die ein Lufthansa-Flug von Münster nach Frankfurt verursacht, kosten 0, 74 Cent, wenn ein Klimaschutzprojekt unterstützt werden soll. Für die 70, 85 Kilogramm CO2 eines Fluges von Münster nach München sind es 1, 67 Euro. Es geht aber auch anders: Alternativ können Passagiere ihren CO2-Abdruck auch durch den Kauf″ von nachhaltigem, alternativem Kerosin kompensieren. Das schlägt für die Strecke Münster–Frankfurt mit 15, 26 Euro zu Buche, die Strecke Münster–München mit 34, 60 Euro.

Bildtext:
Solarbetriebene Passagiertreppen und Elektro-Schlepper sollen dabei helfen, den CO2-Austoß am Flughafen Münster/ Osnabrück weiter zu reduzieren. Die Pläne haben Flughafen-Chef Rainer Schwarz (links) und Eckhard Frank vorgestellt.
Foto:
Nina Kallmeier

Wie Fluggäste ihre Emissionen kompensieren können

Bereits während der Buchung haben Kunden von Lufthansa und SWISS die Möglichkeit, mit der Option Compensaid″ die bei ihrer Flugreise unvermeidlich entstehenden CO2-Emissionen mit nachhaltigen Kraftstoffen weitestgehend auszugleichen. Dazu gehört das sogenannte Sustainable Aviation Fuel (SAF). „ Die Förderung nachhaltiger, alternativer Treibstoffe ist zentraler Teil unserer Klimastrategie. Wir machen sie als eine der ersten Airlines weltweit unseren Kunden als Kompensationslösung verfügbar und treiben so ihre Entwicklung voran″, so Harry Hohmeister, Konzernvorstand Deutsche Lufthansa AG und Chief Commercial Officer Network Airlines. Eine industrieweite Nutzung scheitert bislang an der verfügbaren Menge und den hohen Kosten des innovativen Treibstoffes, da bislang nur wenige Raffinerien weltweit in der Lage sind, SAF zertifiziert und in ausreichenden Mengen zu produzieren.
Autor:
Nina Kallmeier


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