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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
60 Buchen müssen gefällt werden
 
Rund 60 Bäume sind tot
Zwischenüberschrift:
Für Waldarbeiter lebensgefährlich: Heute beginnen die Fällarbeiten am Schölerberg
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Die Trockenheit der beiden zurückliegenden Jahre fordert weiteren Tribut. Auf dem Schölerberg müssen von heute an aus Sicherheitsgründen rund 60 abgestorbene Buchen gefällt werden. Für die Waldarbeiter ist der Einsatz lebensgefährlich.

Osnabrück Eine Buche ist bereits auf einen der Spazierwege auf dem Schölerberg gestürzt. Am heutigen Montag rücken Waldarbeiter an, um all diejenigen Bäume zu fällen, die für Passanten zur Gefahr werden könnten. Für die Arbeiter selbst ist das lebensgefährlich. Und für Tiere, die in den Bäumen leben, auch.

Trocken gewordene Buchen zu fällen, ist die gefährlichste Arbeit im Wald überhaupt″, sagt Jens Kohlbrecher. Der Revierleiter vom Forstamt Ankum betreut die städtischen Wälder, rund 20 Hektar sind das. Als im September noch Blätter an den Bäumen hingen, haben er und seine Kollegen alle Bäume in der Nähe der Spazierwege mit rosa Punkten markiert, die die letzten beiden trockenen Jahre nicht überlebt haben. Rund 60 sind es auf dem Schölerberg, vielleicht auch mehr, überwiegend Buchen, einige gut 100 Jahre alt. Gerade bei der Buche geht die Holzzersetzung extrem schnell″, sagt der Fachmann.

Wir stehen am Wanderparkplatz Am Waldzoo″. Kohlbrecher zeigt nach oben in die Krone einer Buche: Die ersten Äste zerbröseln schon.″ Im vorigen Jahr wird diese Buche noch gesund gewesen sein, vermutet er. Jetzt blättert am Stamm die Rinde ab. Sonnenbrand″, erklärt der Revierleiter.

Erste Bohrlöcher von Insekten sind darunter schon zu sehen. Die ziehen Pilze nach sich.″ Und dann startet die Zersetzung. Außen am Stamm sind erst dunkle Schleimflussflecken zu erkennen, innen setzt die Weißfäule ein. Wenn dann auch noch sogenannte Konsolenpilze sich außen auf dem Stamm zeigen, ist alles zu spät. Der Baum ist mausetot″, sagt Kohlbrecher. Und damit kann er jederzeit umfallen.

Am Wegesrand steht noch der Baumstumpf von der Buche, die bereits umgefallen ist und glücklicherweise niemanden getroffen hat. Das Innere des Stammes fühlt sich an wie vollgesogene Kleintierstreu und bietet keinerlei Halt mehr. Hunderte Bäume in Osnabrück dürften von innen derzeit genauso aussehen. Von den aktiven Forstleuten hat niemand so etwas jemals erlebt. Ende der 1950er-Jahre habe es wohl ein Baumsterben in ähnlichem Ausmaß erinnern, weiß Kohlbrecher von seinen Vorgängern zu berichten aber ohne den massiven Befall von Fichten durch den Borkenkäfer wie in diesem Jahr. Der Klimawandel ist voll da″, sagt der Revierleiter.

Auf dem Schölerberg sind die letzten Fichten längst abgestorben. Der Standort ist ein steiniger Kalkrücken und der Baumbestand (vor allem Buche, Eiche, Kirsche, Ahorn und Esche) entsprechend anfällig für Trockenperioden. Kohlbrecher zeigt auf eine Buche, deren Blätter nicht goldgelb sind, sondern braun. Die sind schon im Sommer am Baum vertrocknet″, sagt er.

Der Regen der letzten Wochen hilft diesem Baum nicht mehr aber er erleichtert den anderen womöglich den Start ins nächste Jahr.

Alle Bäume im Umkreis von 30 Metern von den Spazierwegen, die abgestorben sind, werden ab heute gefällt. Und sie mahnen, dass sich Spaziergänger wegen der Gefahr bitte an die Absperrungen halten. Wenn die Waldarbeiter die Säge ansetzen, gerät der Baum in Schwingung, und jederzeit können Äste oder die gesamte Krone abbrechen.

Wann immer es geht, versuchen die Waldarbeiter bei Bäumen, die voller Nisthöhlen sind, nur die Krone abzuschneiden und den Rest als sogenannte Habitat-Bäume stehen zu lassen. Viele Siebenschläfer leben auf dem Schölerberg. Sie bemerken nichts von all der Aufregung um die abgestorbenen Buchen. Sie schlummern in ihren Baumhöhlen und warten auf das nächste Frühjahr. Wenn wir solche Bäume feststellen, versuchen wir sie abzusägen und den Stamm hinzulegen″, erläutert Frank Bludau vom städtischen Fachbereich Umwelt und Klimaschutz.

Auch zahlreiche Graureiher werden ihre Behausungen verlieren. Gut 40 Nester befinden sich in den Baumkronen, 20 dieser Horste waren im Februar besetzt, weiß Bludau. Wahrscheinlich würden die Nester im nächsten Jahr sowieso herunterfallen, weil die Äste abbrechen.″ Dann lieber jetzt absägen, bevor die Reiher brüten.

Wir versuchen, einen Kompromiss zu finden zwischen Naturschutz und Verkehrssicherungspflicht″, sagt Thomas Maag, Abteilungsleiter Stadtgrün beim Osnabrücker Servicebetrieb (OSB). „ Die Alternative zum Bäumefällen wäre: Wir sperren den ganzen Schölerberg.″

Der Wald ist kein Wirtschafts-, sondern ein Erholungswald, daher geht kein wirtschaftlicher Schaden für die Stadt einher. Und einen Großteil der Stämme werden die Waldarbeiter liegen lassen. Neue Bäume sollen nicht gepflanzt werden. Sie sind schon da. Winzig klein warten Spitzahorne, Buchen und Ulmen darauf, dass sie mehr Licht bekommen und in die Höhe wachsen können. Ein naturverjüngter Wald ist immer klimaresilienter″, sagt Thomas Maag. Und Revierleiter Kohlbrecher ist sicher: Das wird wieder ein bunter Wald. Aber das dauert.″

Bildtext:
Diese Buche, an deren Stamm sich schon ein Konsolenpilzfruchtkörper zeigt, ist tot. Michael Denker markiert den Stamm, im Hintergrund machen sich (von links) Jens Kohlbrecher, Frank Bludau und Thomas Maag Sorgen darum, wie groß die Waldschäden wirklich sind.
Foto:
Jörg Martens
Autor:
Sandra Dorn


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