User Online: 1 | Timeout: 08:20Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Was Archäologen hinter dem Sinn-Leffers-Haus suchen
Zwischenüberschrift:
Ausgrabungen liefern erstaunliche erste Funde
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Seit einigen Tagen wird hinter dem ehemaligen Sinn-Leffers-Gebäude an der Osnabrücker Johannisstraße gegraben. Archäologen der Stadt wollen im Boden etwas über die Vergangenheit des Ortes herausfinden. Erste Funde lassen bereits Erstaunliches zu Tage treten.

Einen Teil des ehemaligen Parkplatzes hat ein Bagger für die Suche nach Hinweisen L-förmig aufgegraben. An einer Stelle ist er mehr als zwei Meter tief, an anderer Stelle nur rund einen halben. Studierende der Universität Münster tragen mit Spachteln und kleinen Schaufeln Schicht für Schicht die Erde ab und sammeln ein, was sie finden.

Einiges haben sie bereits entdeckt: Tonpfeifen, die bereits im Dreißigjährigen Krieg verwendet wurden, Westerwälder Keramik aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, glasierte Keramik, sogenannte Weser-Werra-Ware aus der Zeit um 1700, den Kranzsims eines noch einmal rund 100 Jahre älteren Kachelofens.

Erstaunt sind Grabungsleiterinnen Sara Snowadsky und Ellinor Fischer vom Fachdienst Archäologische Denkmalpflege für Stadt und Landkreis Osnabrück über eine Vielzahl an Muschelresten. Die Meerestiere haben allerdings nicht in der Sumpflandschaft gelebt, die sich früher an dieser Stelle befand. Es handelt sich vielmehr um Speisereste.

Die große Masse an Funden besteht jedoch aus etwas anderem: Schutt. Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der sumpfige Bereich nämlich damit verfüllt, um ihn bebauen zu können. Zwischen der Johanniskirche und dem Neumarkt war die Johannisstraße einst Teil eines Sumpfgebiets″, wird Ellinor Fischer in einer Mitteilung der Stadtverwaltung zitiert. Direkt an der Johannisstraße wurde es zur Bebauung schon im Mittelalter verfüllt, an unserer Ausgrabungsstätte erst später.″ Bebaut wurde das Grundstück jedoch nicht. Alten Karten können wir entnehmen, dass der Bereich parzelliert war″, sagt Snowadsky. Vielleicht befanden sich hier mehrere kleine Gemüsegärten.″

Es ist nicht die erste Ausgrabung in den jüngeren Vergangenheit an der Johannisstraße: Im Frühjahr wurde bereits vor der Hausnummer 90 gebuddelt, wo in den kommenden Monaten ein neues Gebäude des Stephanswerks entstehen soll. Dort stießen die Archäologen auf Hinweise auf einen türkischstämmigen Bewohner Osnabrücks, der im 19. Jahrhundert zu Reichtum gekommen war und an Ort und Stelle residierte.Hoffen auf Holzfunde

Wichtig ist Fischer und Snowadsky bei der neuen Grabung besonders, Aufschlüsse über die Topografie des Bereichs zu erhalten. Auf den alten Karten ist auch ein Bachlauf zu sehen, der dort als Wiesenbach eingezeichnet ist und je nach Karte auf Höhe der Gemüsegärten endet oder sich bis zur Johannisstraße erstreckt. Die Grabungsleiterinnen haben die Theorie, dass sich der Bach an der Stelle befand, wo nun der Fußgänger-Durchgang liegt, der die Straße Am Landgericht mit der Johannisstraße verbindet.

Um hierzu genauere Aussagen treffen zu können, hoffen die Archäologinnen, Reste einer Befestigung zu finden. Auch Holzfunde sind für uns viel wert″, sagt Ellinor Fischer. Holz ist gut geeignet, um Zusammenhänge erklären zu können, weil man das Alter von Holz sehr genau bestimmen kann.″ Derzeit gehen die Expertinnen davon aus, dass der Wiesenbach Ende des 19. Jahrhunderts zugeschüttet wurde. Kurz darauf wurde bereits das alte Leffers-Gebäude gebaut, das 1912 fertiggestellt wurde.

Im Ersten Weltkrieg diente es als Lazarett, ehe es als Kaufhaus genutzt und im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde. Dasselbe Schicksal ereilte die alte Stadthalle in der Straße Am Landgericht. Die Zerstörung dieser beiden Gebäude erklärt nach Einschätzungen der Grabungsleiterinnen die Schutt- und Steinschicht, die sie direkt unter dem Parkplatz gefunden haben, auf dem die Grabungen stattfinden. Wir haben dort Ziegel und Steine gefunden, aber keine alten Nägel, Draht oder zerborstene Fensterrahmen″, so Snowadsky. Sie schließt daraus, dass die Überreste der Gebäude zunächst sortiert und erst dann dort eingebracht wurden.

Der Grund für diese erneute Verfüllung des Geländes mit Schutt könnte nach Einschätzung Snowadskys sein, dass Höhenunterschiede zur Johannisstraße ausgeglichen werden sollten.

Für die Grabungen ist ein Zeitraum bis Weihnachten eingeplant. Den Abriss des ehemaligen Sinn-Leffers-Gebäudes beeinträchtigen sie nicht. Anstelle des Gebäudes soll ein Hotel entstehen.

Bildtexet:
Welche Funde verbergen sich in der Erde? Ellinor Fischer und Sara Snowadsky vom Fachdienst Archäologische Denkmalpflege für Stadt und Landkreis Osnabrück in dem Zelt, das einen Teil der Grabungsstätte abdeckt.
Hinter dem ehemaligen Sinn-Leffers-Gebäude (Bildmitte) und dem Parkhaus am Kollegienwall finden aktuell Grabungen statt.
Foto:
Stadt Osnabrück, Simon Vonstein
Screenshot:
Google Maps/ NOZ
Autor:
Sebastian Philipp


Anfang der Liste Ende der Liste