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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein erhaltenswerter Schatz?
Zwischenüberschrift:
Debatte um Stadthaus III / So wurde die Fläche vor der Klosterkaserne in Osnabrück früher genutzt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Fläche im Eck von Neuer Straße und Klingensberg offiziell Parkplatz Kunsthalle Dominikanerkirche″ genannt, obwohl er gar nicht vor der Dominikanerkirche, sondern vor der ehemaligen Klosterkaserne liegt soll nach dem Willen der Osnabrücker Stadtverwaltung mit einem Stadthaus III″ bebaut werden. Andere sind dagegen aus Gründen des Stadtklimas und des Denkmalschutzes. Noch mehr Büros?

Auch leuchtet es nicht jedem Bürger ein, dass die Stadtverwaltung nach dem enormen Raumzuwachs durch Stadthaus I und Stadthaus II vor 25 Jahren noch mehr Platz braucht wo doch von zunehmender Digitalisierung städtischer Dienstleistungen die Rede ist, von Verschlankung, weniger Bürokratie und weniger stellentreibender Selbstbeschäftigung.

Andererseits: Noch immer mietet die Stadt Büroräume dezentral in fremden Gebäuden an, was die interne Kommunikation nicht gerade erleichtert. Wenn schon mehr städtische Büros, dann nach dem Wunsch der Verwaltung bitte nicht im Fledder (in den früheren Räumen des Finanzamts) oder im Hafen (auf dem früheren Kasernen-Areal), sondern in Nähe zum historischen Rathaus, zu den Stadthäusern I und II, zur ehemaligen Klosterkaserne und den weiteren Verwaltungsstandorten in der nördlichen Altstadt.

Widerstand gegen den Verwaltungsvorschlag, den jetzigen Parkplatz mit einem kombinierten Verwaltungs- und Wohngebäude zu bebauen, regt sich vor allem beim Bund Osnabrücker Bürger (BOB). Die Rathauspartei will den Baumbestand erhalten und den Parkplatz im Interesse des Stadtklimas in einen Park umwandeln. Wenn es nach den Plakatanschlägen an zahlreichen Häusern entlang Klingensberg und Neuer Straße geht, sind viele Anlieger ebenfalls dieser Meinung.

Der Denkmalschutz hat die Verwaltungsvorlage um einige Rahmenbedingungen ergänzt. So fordert er die Schaffung eines Freiraumes oder Vorplatzes als Achtungsabstand vom Hauptportal Dominikanerkloster zum geplanten Neubau, der den Wirkungsraum des Baudenkmals Dominikanerkloster ausreichend berücksichtigt″. Das gebiete der Umgebungsschutz″ gemäß Paragraf 8 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes. Es sei ein für die Klosteranlage ausgewogenes Verhältnis zwischen bebauter und unbebauter Fläche in Reminiszenz an den ehemaligen Klostergarten zu entwickeln″ und die Dominanz des Haupteinganges mit der Freitreppe″ beizubehalten. Die Beachtung dieser Vorgabe dürfte die Wirtschaftlichkeit der baulichen Nutzung einschränken. Derzeit ist der Verwaltungsvorschlag von der Tagesordnung genommen, um überarbeitet zu werden. Parallel dazu streben drei Privatpersonen ein Bürgerbegehren in dieser Sache an.Garten wird Exerzierplatz

Nennenswert bebaut war der Platz nie. Nachdem die Dominikaner 1295 das Kloster am Natruper Tor gegründet hatten, diente er als Klostergarten und später als Klosterfriedhof, auf dem auch normale Bürger mit Vorliebe Grabstätten erwarben. Bei archäologischen Ausgrabungen, die vor einer Baumaßnahme geboten wären, würde dazu sicherlich etwas ans Tageslicht kommen.

Die Zeit der Dominikaner endete nach den Revolutionskriegen. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurden alle Klöster aufgelöst. Die Verwaltung ihrer Vermögen fiel an die staatliche hannoversche Klosterkammer. Auf der Suche nach neuer Nutzung für das ehemalige Dominikanerkloster wurde sie schnell fündig. Das Militär der neuen Landesherren hielt Einzug, aus dem Kloster wurde die Klosterkaserne, aus dem ehemaligen Klostergarten ein Exerzierplatz. Auch noch nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich die militärische Nutzung fort, das Wehrbezirkskommando des 100 000-Mann-Heeres und später der Wehrmacht nahm hier seinen Sitz. Nach 1945 zogen städtische Dienststellen und die Kriminalpolizei ein. Die städtische Bauverwaltung ist bis heute geblieben.

Die vollständige Nutzungsabfolge lautet: Klostergarten, Exerzierplatz, Rummelplatz, Parkplatz. Denn bevor der Platz vor der Klosterkaserne in eine von der OPG bewirtschaftete Parkfläche umgewandelt wurde, diente er als öffentlicher Veranstaltungsraum, den viele ältere Osnabrücker noch in guter Erinnerung haben. Hier gastierten Zirkusse, hier hielt die Feuerwehr spektakuläre Großübungen ab. Und zweimal im Jahr war hier Jahrmarkt. Oder, wie man damals zutreffend sagte, Stadtmarkt″, von 1948 bis 1954 als Zweitstandort zum Domhof und danach bis 1961 parallel zum Hauptstandort Schwarzer Platz.

Schausteller Ewald Telsemeyer ist Eigentümer des historischen Karussells, das seit 1977 als Hauptattraktion seine Runden auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt dreht. Für den heute 65-Jährigen, der in seinem Leben in ungezählten Städten herumgekommen ist, war der Platz vor der Klosterkaserne so etwas wie Heimat. Die ganze Familie freute sich, wenn wir wieder nach Osnabrück kamen und den Wohnwagen an der Neuen Straße parkten″, sagt er.

Dort war alles vertraut, dort war alles nahebei. Zu seinen frühen Kindheitserinnerungen gehört, dass Vater Ewald senior morgens bei Bäcker Brüggemann in der Bierstraße frische Brötchen und Schmelzkäseecken in Silberpapier″ holte, die dann beim gemeinsamen Frühstück im Wohnwagen verzehrt wurden.Waschpulver im Brunnen

Auf der anderen Seite der Dominikanerkirche, zur Bierstraße hin, war der Pötte- und Pannenmarkt″. Dort ging es nicht um Verzehr und Vergnügen, sondern man konnte wie auf den ursprünglichen Jahrmärkten Waren erstehen, die nicht in den normalen Läden der Stadt zu haben waren. Auch der Scherenschleifer und der Vogel-Jakob″, der kleine Pfeifen zum Imitieren von Vogelstimmen verkaufte, waren vertreten. Und was irgendwie auch dazugehörte: Beim Pendeln zwischen Schwarzem Platz und Klosterkaserne kam man am Springbrunnen unterhalb des Stadtkrankenhauses vorbei. Der verlockte dazu, Waschpulver hineinzukippen. Dann war nach kurzer Zeit der ganze Rißmüllerplatz unter Schaum, das war eine Riesen-Gaudi″, erinnert sich Telsemeyer.

Bildtexte:
Die Klosterkaserne an der Hasemauer zu Kaisers Zeiten das Wachhäuschen vor dem Haupteingang zeigt die militärische Nutzung an. Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken
Jede Menge Platz für Veranstaltungen, wie etwa hier den Jahrmarkt, gab es auf dem Stadtmarkt vor der Klosterkaserne im Jahr 1959.
Bäume, Büsche und Blech beherrschen heute den Platz vor der Klosterkaserne. Nichts erinnert mehr an frühere Nutzungen als Klostergarten und Appellplatz.
Fotos:
Kurt Löckmann/ Archiv NOZ, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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