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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
So gefährdet ist unser Wasser
 
Wie gefährdet ist unser Trinkwasser?
Zwischenüberschrift:
So hoch ist die Nitratbelastung in der Region
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Nachdem ein Wasserexperte die Trinkwasserqualität in einigen Bereichen des Landkreises infrage gestellt hat, hat unsere Redaktion Einschätzungen bei Wasserverbänden und beim Leiter der Landkreis-Wasserbehörde zur Wasserqualität eingeholt.

Osnabrück In Hasbergen oder Glandorf, wo die Nitratwerte bei 29 Milligramm pro Liter liegen, kann man laut Wasserexperte Klaus Müller-Reimann nicht mehr von gutem Trinkwasser sprechen. Verbraucher waren nach der Aussage verunsichert, denn auch etwa im Osnabrücker Wasserwerk Düstrup liegen die Nitratwerte bei 23 Milligramm pro Liter. Unsere Redaktion hat Wasserverbände befragt, wie gefährdet unser Wasser wirklich ist.

Müller-Reimann, der 30 Jahre lang Mitglied bei terre des hommes war und jetzt im Ruhestand ist, hatte den in der deutschen Grundwasserverordnung festgelegten Grenzwert von höchstens 50 Milligramm Nitrat pro Liter im Vorfeld eines Vortrags zur Qualität unseres Trinkwassers infrage gestellt. Es bestehe nämlich der Verdacht eines Zusammenhangs zwischen hohen Nitratwerten und einem erhöhten Krebsrisiko.

Er wies darauf hin, dass die Schweiz daher den Grenzwert für Nitrat auf 25 Milligramm pro Liter festgelegt habe. Wenn der bei den Eidgenossen festgelegte maximal zulässige Nitratgehalt bei uns maßgeblich wäre, würde auch das im Wasserwerk Düstrup geförderte Wasser, das eigentlich als fortschrittlich gilt, mit 23 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser nur noch knapp unterhalb des Grenzwertes für die Nitratbelastung liegen.

Wie hoch ist die Nitratbelastung des Trinkwassers in Osnabrück? Das Wasserwerk in der Osnabrücker Bauerschaft Düstrup versorgt Voxtrup, Fledder, Schölerberg, Gretesch, Lüstringen, Nahne, Sutthausen und Kalkhügel sowie die südliche Innenstadt mit Trinkwasser. Das Wasserwerk in Alfhausen-Thiene fördert das Wasser aus Grundwasserbrunnen und beliefert die Stadtteile Atter, Eversburg, Hellern, Westerberg und Wüste sowie die nördliche Innenstadt. Das Wasserwerk Wittefeld in Bramsche liefert das Trinkwasser für die Stadtteile Dodesheide, Gartlage, Haste, Schinkel und Widukindland. Während das Trinkwasser für die Stadtteile Voxtrup, Fledder, Schölerberg, Gretesch, Lüstringen, Nahne, Sutthausen und Kalkhügel sowie die südliche Innenstadt somit 23 Milligramm Nitrat pro Liter Trinkwasser hat, liegen die Werte im Leitungswasser der Stadtteile Atter, Eversburg, Hellern, Westerberg und Wüste sowie in der nördlichen Innenstadt nur bei 8 Milligramm Nitrat pro Liter. Mit sogar nur 7 Milligramm Nitrat pro Liter ist das Trinkwasser in den Stadtteilen Dodesheide, Gartlage, Haste, Schinkel und Widukindland am wenigsten belastet.

Müssen sich Menschen im Osnabrücker Süden um ihr Wasser sorgen? Die Bürger in den vom Wasserwerk Düstrup belieferten Gebieten müssten sich dennoch keine Sorgen machen, sagt der Sprecher der Stadtwerke Osnabrück, Marco Hörmeyer. Er weist darauf hin, dass das Düstruper Trinkwasser mit 23 Milligramm Nitrat deutlich unter dem Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung liegt. Hörmeyer betont: Daher können wir sehr selbstbewusst davon sprechen, dass das Osnabrücker Trinkwasser eine hervorragende Qualität hat.″

Die höheren Nitratwerte in Düstrup seien in erster Linie geologisch bedingt. Die Brunnen in Düstrup würden vorwiegend im Festgestein des Osnabrücker Berglandes verfiltert. Allerdings sei das Rückhalte- und Abbaupotenzial für Nitrat hier geringer als in den sogenannten Porengrundwasserleitern in Alfhausen-Thiene und in Bramsche-Wittefeld. Der Aufwand, die hohe Qualität des Trinkwassers aufrechtzuerhalten, werde allerdings immer größer. So würden unerwünschte Stoffeinträge im oft 90 bis 100 Meter tiefen Grundwasser, aus dem das später aufbereitete Trinkwasser bezogen wird, verzeichnet. Dabei handele es sich auch um Schadstoffe wie Nitrat, um Pflanzenschutzmittel oder um Medikamentenrückstände.

Die Nitratgehalte der oberflächennahen Grundwassermessstellen in Düstrup, Thiene und Wittefeld, die jedoch nicht mit denen der deutlich tieferen Trinkwasserbrunnen gleichzusetzen sind, liegen laut Hörmeyer im Schnitt der vergangenen Jahre bei einem mittleren Nitratwert von etwa 39 Milligramm pro Liter. Die Nitratwerte einiger Messstellen würden jedoch auch über 100 Milligramm pro Liter liegen. Die Nitratwerte würden dort stagnieren, wo über gezielte Maßnahmen auf eine grundwasserschonende Bewirtschaftung der Flächen hingewirkt werde. Häufig landwirtschaftlich bedingt, würden landesweit nicht wenige oberflächennahe Grundwasser-Messstellen Werte von mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter aufweisen.

Was unternehmen die Wasserversorger gegen die Nitratbelastung? Als Wasserversorger setzen die Stadtwerke im Kern auf zwei Maßnahmen: Einerseits wurden langjährige Kooperationsmodelle mit der regionalen Landwirtschaft geschlossen. So kauften die Stadtwerke 180 Hektar Ackerflächen vornehmlich rund um die Wasserwerke Wittefeld und Thiene und verpachteten sie an Landwirte, die laut Hörmeyer zu einer grundwasserschonenden Landbewirtschaftung (Grünlandwirtschaft und Ökolandbau) verpflichtet wurden. Weitere 120 Hektar seien angepachtet und mit den entsprechenden Auflagen weiter- verpachtet worden.

Die zweite Maßnahme war Hörmeyer zufolge die technische Lösung der sogenannten Nanofiltration″: Im Osnabrücker Wasserwerk Düstrup installierten die Stadtwerke dazu im Jahr 2005 die seinerzeit bundesweit größte Anlage zur Wasseraufbereitung, die mittels Membranfiltration Nitrate aus dem Wasser herausfiltern kann.

Was machen Wasserversorger im Kreis gegen nitratbelastetes Wasser? Bei Wasserwerken im Landkreis kommt bislang keine vergleichbare moderne Technik zur Aufbereitung von Rohwasser mit zu hohem Nitratgehalt zum Einsatz. Angesprochen auf die Aussage des Wasserexperten Müller-Reimann, wonach man etwa in Glandorf, wo die Nitratwerte bei 29 Milligramm pro Liter Wasser liegen, nicht mehr selbstbewusst behaupten kann, das sei gutes Trinkwasser″, widersprach der auch für das Glandorfer Gebiet zuständige Leiter des Wasserbeschaffungsverbands Osnabrück-Süd, Olaf Lietzke. Das Trinkwasser, welches den Menschen im südlichen Landkreis zur Verfügung gestellt werde, könne sehr wohl als sehr gut″ bezeichnet werden. Lietzke kritisiert: Einen Nitratgehalt von 29 Milligramm pro Liter gemessen am Wasserwerk Glandorf als hoch zu bezeichnen, obwohl der Grenzwert bei 50 Milligramm pro Liter liegt, können wir nicht nachvollziehen.″

Messungen aus diesem Jahr hätten sogar einen geringeren Wert von 26 Milligramm pro Liter in Glandorf ergeben. Gerade in Zusammenarbeit mit den Landwirten konnten die Nitratgehalte in den vergangenen 20 Jahren laut Lietzke in vielen Bereichen gesenkt werden. Anfang der Neunzigerjahre hätten die Werte im Grundwasser bei einzelnen Förderbrunnen bei 70 Milligramm pro Liter gelegen, heute würde bei keinem einzigen Brunnen mehr der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten. Diese Verbesserung konnten wir nur mit der Kooperation Trinkwasserschutz Osnabrück-Süd erreichen″, konstatiert Lietzke.

Was sagt der Leiter der Landkreis-Wasserbehörde? Der Leiter der Landkreis-Wasserbehörde, Detlef Wilcke, weist auf Anfrage unserer Redaktion jedoch darauf hin, dass von neun Förderbrunnen im Belmer Trinkwassergewinnungsgebiet Powe-Icker-Gattberg aktuell sechs Brunnen einen Nitratgehalt hätten, der den Grenzwert der Trinkwasserverordnung überschreitet. Die Hauptursache für die Belastung sieht Wilcke im landwirtschaftlichen Dünger. Durch das Mischen von nitrathaltigem Belmer Wasser mit nitratärmerem Wasser aus Belm-Gattberg könnten im Trinkwasser jedoch wieder die gültigen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eingehalten werden. In Wallenhorst, wo der Nitratgehalt der Brunnen zwischen 20 und 45 Milligramm pro Liter Wasser liege, und Belm bleibe die Nitratbelastung des Grundwassers weitgehend konstant. Wilcke hofft, dass die verschärften Regelungen des Düngerechts und die Abstimmung mit der Landwirtschaft auf freiwilliger Basis bald wirken und in einigen Jahren somit auch die Nitratwerte im Grundwasser sinken. Er betont: Jedes Milligramm Nitrat, was nicht im Wasser ist, ist ein gutes Milligramm.″

Bildtext:
Licht und Schatten beim Trinkwasser? Die Wasserversorger in der Region Osnabrück beziehen Stellung.
Foto:
dpa/ Lukas Schulze

Kommentar
Die Nitratbelastung muss sinken

Das Wichtigste vorweg: Die Qualität unseres Trinkwassers ist gut. Es ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in der Region und wird durch die Wasserversorger gewissenhaft aufbereitet, bevor es als Trinkwasser aus der Leitung kommt. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung für Nitrat wird in Stadt und Landkreis Osnabrück eingehalten. Ein großes Problem bleibt aber die Nitratbelastung des Grundwassers.

Als deutliches Alarmsignal muss gewertet werden, dass aktuell sechs Förderbrunnen im Belmer Trinkwassergewinnungsgebiet einen Nitratgehalt oberhalb des Grenzwerts der Trinkwasserverordnung aufweisen und nur durch das Mischen mit nitratarmem Wasser unter den Schwellenwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter sinken.

Erschreckend ist zudem, dass einige oberflächennahe Grundwassermessstellen der Region Nitratgehalte von über 100 Milligramm, manche sogar bis zu 170 Milligramm Nitrat pro Liter aufweisen. Es gibt Geschäftsführer von Wasserverbänden, die darüber klagen, dass Landwirte seit Jahrzehnten zur grundwasserschonenden Landbewirtschaftung in Teilen des Landkreises beraten werden, sich aber dennoch kein Erfolg einstellt. Es wird Zeit, dass sich das ändert.

Von zentraler Bedeutung ist dabei, dass die vom Land Niedersachsen und vom Bund vorgesehenen verschärften Düngeregeln bald Wirkung zeigen und die Nitratwerte im oberflächennahen Grundwasser endlich signifikant sinken. Sonst wird es immer schwerer, die aktuelle hohe Qualität des Trinkwassers auch künftig anbieten zu können. j.fays@ noz.de
Autor:
Jean-Charles Fays


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