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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Hier darf niemand mehr müssen
Zwischenüberschrift:
Warum die Toilette an der Johanniskirche geschlossen ist und was mit den Räumlichkeiten passiert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die öffentliche Toilette an der Johanniskirche ist geschlossen, und das schon seit über einem Jahr. In Zukunft wird hier wohl auch keiner mehr seine Notdurft verrichten. Doch was wird aus den unterirdischen Räumlichkeiten?

Die Toilette ist geschlossen, doch das Bedürfnis scheint in einem dringenden Fall noch bestanden zu haben. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der große Kothaufen vor der verschlossenen Tür zum Herrenklo am Johanniskirchof in Osnabrück. Wer auch immer die Treppenstufen hinunterging, wusste vielleicht nicht, dass hier zum letzten Mal im Mai 2018 die Möglichkeit bestand, für 50 Cent seine Notdurft in eine Toilettenschüssel zu verrichten.

Damals verstarb der Mann, der sich zuvor mehr als drei Jahre als Toiletten-Wärter um die Räume gekümmert hat″, erklärt Frank Peschel vom Gebäudemanagment der Stadt Osnabrück. Der Wärter habe die Räumlichkeiten zwischen den nun verwaisten Toilettenräumen wohl manchmal als Übernachtungsort genutzt, so Peschel. Und dort starb er auch eines natürlichen Todes.

Seitdem ist die unterirdische Toilette für die Öffentlichkeit verschlossen. Geht man jetzt durch die Räume, finden sich neben den etwas in die Jahre gekommenen Armaturen allein Insekten in ihnen, manche lebendig, andere aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit mit Schimmel überzogen.

Das Untergrund-Klo

Begonnen hat die Geschichte der Toilette schon Ende des 19. Jahrhunderts, als hier eine oberirdische Bedürfnisanstalt aus Blech stand. Um 1929 wurde sie von der Gemeinde der Johanniskirche abgerissen. Die neue Toilettenanlage wurde aus Anstandsgründen, nebenan stand schließlich eine Kirche in den Untergrund versetzt.

Als Entlüftungsanlage wurde damals eine mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Abluftsäule aufgestellt, deren Platten am Säulenschaft diverse makabere Alltagsszenen zeigen, in denen Menschen sich verletzen oder zu Tode kommen. Zudem erinnert eine Tafel daran, dass an diesem Ort bis um 1800 der Friedhof der Kirche gelegen war.

1992 wurde die Toilettenanlage komplett saniert und zeitgleich von der Kirche an die Stadt Osnabrück als Betreiber verpachtet. Seitdem ist diese für die unterirdischen Räume zuständig.

Seit Mai 2018 haben wir uns bemüht, einen neuen Wärter zu finden, aber keinen gefunden″, sagt Peschel. Daher habe man nun den Entschluss gefasst, die Toilette aufzugeben wie viele andere in der jüngeren Vergangenheit.

Zwölf öffentliche Toilettenanlagen unterhielt die Stadt noch im Jahre 1985: an der Katharinen- und der Johanniskirche, im Neumarkttunnel, am Domhof, am Haarmannsbrunnen, am Schlossgarten, am Rosenplatz, am Riedenbach, an der Ebertallee, am Konrad-Adenauer-Ring, am Heger Tor und am Augustenburger Platz.

Doch diese Zeit ist vorbei: Lediglich am Dom betreibt die Stadt noch eine öffentliche Bedürfnisanstalt, während die Toiletten am Ledenhof, in der Dodesheide und im Schinkel lediglich für die Marktbeschicker zugänglich sind.

Öffentliche Toiletten wie diese sind einfach nicht mehr zeitgemäß, deshalb findet sich keiner, der hier als Toiletten-Wärter arbeiten möchte″, ist sich Peschel sicher. Bis dato hat sich auch keiner gemeldet, der diese Toilette vermisst. Hier gehen die Menschen wohl lieber ins nahe gelegene Krankenhaus″, sagt er. Zudem sei die Wartung durchaus teuer. Bei Großveranstaltungen lohnen sich eher mobile Toiletten, die nur für eine absehbare Zeit gepflegt werden müssen.″

Gespräche laufen

Aber was wird nun aus den Räumen unterhalb des Kirchhofs? Mit der Kirchengemeinde ist man seitens der Stadt bereits in Gesprächen, zu wann der Pachtvertrag aufgelöst werden kann, bestätigt Norbert Schubert, Mitglied des Kirchenvorstands St. Johann. Aber wir von der Johanniskirche brauchen diese Toilettenanlage ebenfalls nicht mehr.″

Anders als der wenige Meter entfernte Ständebrunnen: Dieser wird durch die Wasseranlage in der Toilette versorgt. Seitens der Stadt hat man im Herbst bei den Stadtwerken beantragt, die Energie- und Wasserversorgung der stillgelegten Anlage vom Brunnen abzukoppeln. Wir klären aktuell die technischen Dinge, danach müssen wir mit dem Denkmalamt schauen, wie sich eine endgültige Stilllegung auf die Abluftsäule auswirkt dann sehe wir weiter″, kündigt Peschel an. Küster Schubert überlegt auch schon, was als Neunutzung möglich wäre. Vielleicht bietet sich hier ein Ort für Lagerräume″, sagt er. Denn die Gemeinde fände es schade, die Räume einfach zuzuschütten.

Bildtext:
Frank Peschel vom Fachdienst Gebäude (links) und Kirchenvorstand Norbert Schubert in den verwaisten Räumen der öffentlichen Toiletten an der Johanniskirche in Osnabrück.
Fotos:
David Ebener

Osnabrücker Klo-Anekdoten, oder: Das ging in die Hose

In den vergangenen Jahrzehnten gingen die Bemühungen um öffentliche Toiletten in Osnabrück auch ein paar Mal in die Hose.

Im November 1993 wurden die City-WCs vor dem Dom feierlich eröffnet. Die drei hypermodernen Sanitärzellen mit Musikberieselung, vollautomatischem Wisch-wasch-Verfahren und einer elektronischen 20-Minuten-Taktsteuerung haben 360 000 DM gekostet″, schrieb unsere Redaktion damals. Doch der Schließmechanismus funktionierte zunächst nicht einwandfrei. Die elektronisch betriebenen Türen öffneten sich mindestens zweimal, während die Toiletten besetzt waren. Die unschuldigen Opfer riefen um Hilfe und machten dadurch erst recht auf ihre Blöße aufmerksam″, berichtete unser Kollege. 50 Pfennig Eintritt hatten die Besucher für dieses besondere Erlebnis entrichten müssen.

Peinlich, aber harmlos im Vergleich zu dem, was im Februar 1989 ein Osnabrücker auf einer öffentlichen Toilette an der Iburger Straße erlebte. Fünf Stunden lang war er eingesperrt. Zu spät bemerkte der 48-Jährige, dass die Tür von innen keine Klinke hatte″, schrieb unsere Kollegin. Der Mann schlug eine Scheibe ein, doch seine Hilferufe verhallten im frühmorgendlichen Osnabrück ungehört. Erst eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife befreite ihn.

Geschichte ist auch das City WC 2300″, das im Oktober 1987 angeblich vandalensicher″ auf dem Lortzingplatz installiert wurde. Sein Highlight: wohltemperierte WC-Sitze. Und an der Kette ziehen musste dank Spülautomatik auch niemand mehr. Bevor die Stadt den Prototyp für 150 000 Mark kaufte, durften die Bürger drei Monate lang kostenlos Probe sitzen, danach mussten sie 20 Pfennig in den Schlitz stecken.
Autor:
Corinna Berghahn


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