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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Tag, an dem die Trabis nach Osnabrück kamen
Zwischenüberschrift:
Warum der Stadtkämmerer vor 30 Jahren einen Fleischer anpumpte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Als die DDR ihre Grenzen öffnete, war das auch in Osnabrück schnell zu spüren. Am 11. November 1989, einem Samstagmorgen, tauchten die ersten Trabis in der Stadt auf, und im Rathaus ließen sich die Insassen jeweils 100 Mark Begrüßungsgeld auszahlen. Der Stadtkasse drohte schon das Geld auszugehen da sprang ein Fleischermeister ein.

Sie kamen aus Magdeburg, aus Weimar, aus Greifswald und aus Ost-Berlin: Hunderttausende aus der Deutschen Demokratischen Republik nutzten ihre neue Reisefreiheit, um mit der Reichsbahn oder mit dem Auto in den Westen zu fahren. Ein kleiner Teil davon landete am ersten Wochenende nach dem Mauerfall in Osnabrück, und obwohl die Stadtverwaltung ja eigentlich dienstfrei hatte, wurde kurzfristig und unbürokratisch dafür gesorgt, dass alle 198 Antragsteller ihre 100 DM erhielten. Dieses Begrüßungsgeld war eine einmalige Zahlung, die einreisenden DDR-Bürgern von der Bundesrepublik Deutschland zuerkannt wurde. Für die Auszahlung waren die Städte und Gemeinden zuständig.

Am frühen Morgen des 11. November 1989, als Hausmeister Helmut Broxtermann seinen Dienst antreten wollte, standen schon zwei Besucher aus Magdeburg vor dem Rathausportal. Geld konnte er ihnen nicht aushändigen, stattdessen kochte er ihnen Kaffee.

Der eilends herbeigerufene Kultusdezernent Reinhard Sliwka plünderte die Portokasse und zahlte die ersten 200 Mark aus. Aber schon kamen die nächsten Gäste aus dem Arbeiter-und- Bauern-Staat, und an das Geld der Stadtkasse kam Sliwka nicht heran, weil die gesamte Barschaft im Tresor durch ein Zeit-Sicherheitsschloss bis zum Montagmorgen eingeschlossen war.

Einige Mitarbeiter der Stadtverwaltung hoben an Geldautomaten ein paar Hunderter von ihren Privatkonten ab, um die Besucher nicht mit leeren Händen gehen zu lassen. Aber das Geld war schnell verbraucht, und der Andrang nahm zu. Stadtkämmerer Bolko Schubert hatte schließlich den rettenden Einfall. Er ging zur Fleischerei seines Vertrauens und pumpte sich 10 000 Mark aus der Geschäftskasse. Ein Darlehnsvertrag war nicht nötig: Fleischermeister Franz Mandel genügte ein Handschlag.

Die Besucher aus der DDR waren überglücklich: Alle sind unheimlich nett zu uns!″, lautete der allgemeine Tenor. Und ein großer Teil der ausgezahlten 19 800 Mark wurde gleich in Osnabrück verkonsumiert.

Bildtext:
Ein ungewöhnlicher Anblick waren die Trabis, die vor 30 Jahren in Osnabrück auftauchten.
Strahlende Gesichter: Für jeden Besucher aus der DDR gab es 100 Mark Begrüßungsgeld.
Fotos:
Archiv/ Michael Hehmann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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